Panorama

Irrer Massenansturm auf die Dolomiten: Hier stehen Touristen stundenlang für ein Foto Schlange

Ein See in den Dolomiten: Die Alpenregion in Südtirol ist bei Touristen aus aller Welt sehr beliebt.
Ein See in den Dolomiten: Die Alpenregion in Südtirol ist bei Touristen aus aller Welt sehr beliebt.

Wer ruhige Natur sucht, wird enttäuscht. Aktuelle Videos aus den Dolomiten belegen einen enormen Touristenandrang. 

Der Ansturm von Urlaubern auf die italienischen Dolomiten sorgt derzeit an zahlreichen beliebten Ausflugszielen für erhebliche Überlastungen. Wie Videos in den sozialen Netzwerken sowie Berichte von Medien wie der „Bild“ und dem österreichischen Portal „oe24“ zeigen, bilden sich in der Region längst nicht mehr nur an bekannten Fotospots kilometerlange Schlangen und Staus. Mittlerweile betrifft die Überlastung auch Berghütten und lokale Veranstaltungen im Tal.

Auf rund 2300 m Höhe warten Urlauber vor einer Berghütte am Langkofel an der Grenze zu Südtirol teils bis zu eine Stunde lang, um einen frischen, mit Sahne gefüllten Krapfen zu bekommen. Hunderte Besucher stehen dort bereits am frühen Morgen an. Ein italienischer Influencer, der offiziell für den Tourismus in der Region wirbt, kommentierte die Lage in den sozialen Medien: Dies sei Wahnsinn.

Urlauber und Wanderer berichten von beispiellosem Chaos und kritisieren, dass viele Besucher unzureichend ausgerüstet – etwa in Flipflops – nur für Fotos in die Berge kämen.

Chaos auf den Passstraßen

Auch auf den Straßen der Alpenregion kommt es zu schweren Behinderungen. Am Gebirgspass Passo di Giau staute sich der Verkehr vor der Kulisse des 2595 m hohen Monte Gusela. Eine riesige Autokolonne reichte dabei vom Pass bis weit hinab ins Tal.

Im 700 Einwohner zählenden Dorf Soraga im Val di Fassa reihten sich unzählige Menschen durch den halben Ort, um das traditionelle kulinarische Fest „Golosando“ zu besuchen, bei dem ladinische Spezialitäten angeboten werden. Eine Stammurlauberin, die seit 35 Jahren ihren Sommer in der Gemeinde verbringt, erklärte gegenüber der „Bild“, sie habe dort noch nie so viele Menschen gesehen.

„Overtourism“ als dauerhafte Herausforderung für die Region

Der aktuelle Andrang schließt an eine Debatte an, die bereits vor wenigen Wochen durch Aufnahmen von den „Drei Zinnen“ erneut entfacht wurde. Dort warteten laut „oe24“ zeitweise rund 300 Menschen gleichzeitig an der Haltestelle bei Misurina auf Shuttlebusse zur Auronzo-Hütte. Obwohl die Zufahrtsstraße mittlerweile beschränkt und nur mit Reservierung zugänglich ist, stießen die Beförderungskapazitäten an ihre Grenzen.

Nach Angaben des „Corriere delle Alpi“ frequentieren an Spitzentagen bis zu 15.000 Menschen das Gebiet um die „Drei Zinnen“. Vertreter der Gemeinde Auronzo forderten daher strengere Obergrenzen und nannten eine Kapazität von maximal 5000 Besuchern pro Tag als tragfähig. An anderen bekannten Orten wie dem Pragser Wildsee wurden in den Sommermonaten bereits Zugangs- und Reservierungsregeln eingeführt, um den Besucherstrom zu lenken.

Wie „oe24“ unter Berufung auf eine Studie der italienischen Zentralbank berichtet, hat die Ernennung der Dolomiten zum Unesco-Weltnaturerbe im Jahr 2009 zu einem nachhaltigen Anstieg der Übernachtungszahlen geführt, insbesondere im Trentino. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Verbreitung von Aufnahmen auf Plattformen wie Instagram und Tiktok, die ehemals ruhige Gebiete rasch weltweit bekannt machen. Anrainer und Umweltschützer warnen laut der Nachrichtenagentur Reuters vor den Folgen für die empfindliche Ökologie der Bergwelt sowie vor der Überlastung der lokalen Infrastruktur. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)

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