Walter Schultheiß

Der beliebte Schauspieler Walter Schultheiß ist mit 101 Jahren gestorben. Foto: picture alliance/dpa/SWR - Südwestrundfunk | SWR - Südwestrundfunk

„Vorzeigeschwabe“: Schauspieler Walter Schultheiß (101) gestorben

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Der beliebte schwäbische Volksschauspieler Walter Schultheiß ist mit 101 Jahren gestorben.

Der schwäbische Volksschauspieler Walter Schultheiß ist tot. Er starb am 22. Dezember im Alter von 101 Jahren, wie der Südwestrundfunk unter Berufung auf seine Familie mitteilte. Der Schauspieler, Autor und Maler wurde im kleinen Kreis beerdigt.

Der aus zahlreichen Filmen und Fernsehserien bekannte Schwabe lebte bis zu seinem Tod in seinem Zuhause in Wildberg. Dort wohnte er gemeinsam mit seinem Sohn, dessen Frau und den beiden siebenjährigen Enkelinnen.

Walter Schultheiß konnte stets in alle Rollen schlüpfen, war der „König von Bärenbach“, löste als Inspektor Köberle („Köberle kommt“) schlitzohrig auch kniffligste Fälle und spielte sich als eigenwillig-charmanter Weingutbesitzer Eugen Eisele („Der Eugen“) in mehr als 100 Folgen in die Herzen der Fernsehzuschauer. Bundesweit wurde er nicht zuletzt als der Vermieter Rominger des „Tatort“-Kommissars Bienzle bekannt. 

SWR-Intendant Kai Gniffke nannte ihn den Idealtyp des sympathisch-bruddeligen Schwaben. „Wir trauern um einen großartigen Schauspieler, Künstler und ein Urgestein des Mundart Schauspiels.“ 

Vorzeigeschwabe mit bundesweiter Bekanntheit

Kurz vor seinem 90. Geburtstag mimte Walter Schultheiß noch den Firmen-Patriarchen Paul Bogenschütz, der im Kinofilm „Global Players“ um sein Lebenswerk fürchtet, weil sein Textil-Unternehmen vom weltweiten Konkurrenzdruck platt gemacht wird. Und auch beim Drehbuch zum Kinofilm „Laible und Frisch“ (2017) konnte er trotz seines stolzen Alters nicht absagen. Es sollte eine der letzten in einer Vielzahl von Figuren sein, in die sich Schultheiß, der Verwandlungskünstler vor der Kamera und auf der Bühne, hineinspielte.


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Wie der vielleicht schwäbischste aller bundesweit bekannten Mimen in all den Jahrzehnten seiner Karriere und bis ins hohe Alter in diese Rollen schlüpfen konnte? „Da muss man lange dran arbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen“, gab er Jüngeren schon an seinem 90. Geburtstag mit auf den Weg – auch damals mit dem für ihn so typischen Augenzwinkern.

Walter Schultheiß: Leinwand-Premiere im Jahr 1948

Zwar wurde der gebürtige Tübinger im ganzen Land durch seine Rollen in den Fernsehserien bekannt. Seine Karriere aber begann 1947 als Pedro del Vegas in der Operette „Maske in Blau“, später trat er auch als Privatgelehrter, Sekretär, Portier und Schmuggler auf. Allein im „Weißen Rössl“ stand Schultheiß 360 Mal auf der Bühne. Auch im Schauspiel war er keineswegs nur in schwäbischen Volksstücken zu sehen. Seine Premiere auf der Leinwand feierte Schultheiß 1948 als Russlandheimkehrer Fritz Eder in „Heimat ist Arbeit“.

Bekannt und beliebt wurde Schultheiß zunächst durch den Hörfunk. Zusammen mit Werner Veidt bildete er mehr als zwei Jahrzehnte lang das Straßenkehrer-Duo Karle und Gottlob („Ich bin der Straßenkehrer Gottlob Friederich; ich kehr‘ für Arm und Reich, für Groß und Niederich“). Die Serie wurde schließlich zum Markenzeichen der samstäglichen SDR-Hörfunkreihe „Gäste im Großen Sendesaal“. 

Später trug er als Altpfarrer Merkle in der SDR-Serie «„Oh Gott, Herr Pfarrer“ zur Verbreitung eines Schwabenbildes bei, das sich in Ansätzen bereits seit seinen ersten Radiorollen durch die Karriere zog.

„Schwäbische Jahrhundertgestalt“

„In jedem Sinne eine schwäbische Jahrhundertgestalt“, nannte ihn zum 100. Geburtstag Axel Preuß, Intendant der Stuttgarter Komödie im Marquardt, die jahrzehntelang so etwas wie sein künstlerisches Wohnzimmer gewesen ist. Schultheiß habe auch in Augenblicken größten Erfolges Werte wie Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Fleiß und Menschlichkeit verkörpert, sagte er. 

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Ähnlich sah das damals Frieder Scheiffele, der die Bäckerei-Saga «Laible und Frisch» erfunden und produziert hat. „Unabhängig, ob Walter ernste oder humorvolle Rollen spielt – gerade seine schwäbischen Figuren begeistern mich“, sagte der Geschäftsführer der Schwabenlandfilm GmbH. „Sie sind so glaubwürdig dargestellt, dass ich mich als Schwabe immer damit identifizieren kann.“ Schultheiß attestierte er ein feines Gespür für Pointen und Timing. Auch Verlässlichkeit, Professionalität und Loyalität wurden ihm stets nachgesagt.

An den „Schwabenstempel“ gewöhnt 

Und Schultheiß? Der hat sich anfangs zwar noch geärgert über den „Schwabenstempel“, der ihm stets aufgedrückt worden sei. „Aber man gewöhnt sich auch daran und lernt, damit zu leben und es zu nutzen.“ Außerdem habe es damals schon ausreichend Schauspieler gegeben. „Aber keiner von denen konnte schwäbisch“, erinnerte er sich später. 

Sein Publikum habe ihn halt auch ausschließlich in schwäbischen Rollen sehen wollen, sagte er seinerzeit. So verfasste Schultheiß neben der Schauspielerei auch witzige Dialoge und Gedichte, in denen der „Vorzeigeschwabe“ meistens mit humorvollem und hintersinnigem Blick die schwäbische Seele sezierte. Einen „Wortklauber“ nannte ihn seine Frau Trudel Wulle, ebenfalls Schauspielerin. Mit ihr war Schultheiß mehr als 70 Jahre lang und bis zu ihrem Tod im Jahr 2021 verheiratet.

Seinen 100. Geburtstag feierte  Schultheiß noch im kleinen Familienkreis in seinem Haus hoch oben über dem Nagoldtal. Und sein Humor? Den hatte er nach Angaben seines Sohnes auch im hohen Alter keineswegs verloren.(dpa/mp)

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