Fünf Jahre alter Labrador Augie aus Texas

Der fünf Jahre alte Labrador Augie aus Texas. Er hat an der Studie des ungarischen Forschungsteams teilgenommen. Foto: picture alliance/dpa/EurekAlert | Don Harvey

Hunde sind so schlau wie Kleinkinder – wenn es um Spielzeug geht

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Der beste Freund des Menschen: Der Hund ist loyal und auch sehr gelehrig, das ist bekannt. Aber er versteht meist mehr, als bisher angenommen – wie ein Forschungsteam aus Ungarn in der Fachzeitschrift „Science” schreibt.

Besonders begabte Hunde können Namen für Spielzeuge schon allein dadurch aufnehmen und sich merken, dass sie einem Gespräch zwischen zwei Menschen lauschen. Diese Fähigkeit entspreche der von etwa 18 Monate alten Kleinkindern, so ein ungarisches Forschungsteam.

Ausgeklügelte Experimente für Hunde

Üblicherweise lernen Hunde demnach Namen von Gegenständen, indem ein Mensch sie vor den Tieren mehrmals erwähnt. Experimente der Gruppe um Shany Dror von der Eötvös Loránd Universität (ELTE) in Budapest zeigen nun, dass manche Hunde die Begriffe auch dann lernen, wenn das Wort nicht an sie gerichtet ist. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die sozial-kognitiven Prozesse, die das Erlernen von Wörtern aus mitgehörter Sprache ermöglichen, nicht ausschließlich dem Menschen vorbehalten sind”, wird Dror in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert.


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Den Forschern zufolge erfordert diese Leistung eine ganze Reihe sozialer Fähigkeiten – etwa das Verfolgen des Blicks und der Aufmerksamkeit von anderen, das Einnehmen ihrer Perspektive, das Beobachten von Gesprächen, das Verstehen von Absichten und das Heraushören von Zielwörtern. Die Versuche zeigen aber auch, dass nur manche Hunde diese Fähigkeiten besitzen – das Team spricht von „begabten Wortlernern”. 

In einem der Experimente nahmen zehn besonders begabte Hunde, die sehr viele Spielzeugnamen kannten, und ihre Besitzer teil: Im ersten Durchgang zeigte der Besitzer seinem Hund etwa eine Minute lang ein Spielzeug und nannte mehrmals dessen Bezeichnung, etwa: „Dies ist ein Delfin.” Dann spielte er rund drei Minuten mit dem Hund unter Verwendung des Spielzeugs, ohne es beim Namen zu nennen. Danach konnte der Hund bis zu 20 Minuten allein mit dem Objekt spielen. Dies wurde an mehreren Tagen und mit einem zweiten Spielzeug wiederholt. 

Im zweiten Durchgang hörte ein Hund den Namen zweier neuer Spielzeuge ebenfalls an verschiedenen Tagen, aber nur im Gespräch zwischen zwei Hundebesitzern. 

Verschiedene Hunde reagieren unterschiedlich

Nach zwölf Tagen testeten die Forscher dann, ob die Hunde die Bezeichnung gelernt hatten. Dabei forderten die Besitzer ihre Tiere mehrmals auf, entweder eines von neun altbekannten Spielzeugen zu bringen oder eines der beiden neuen Spielzeuge. Danach analysierten die Forscher zunächst jeweils die erste Reaktion der zehn Hunde bei den zwei neuen Spielzeugen – daher gab es in jedem der Durchgänge 20 bewertete Aktionen.

Die Auswertung ergab, dass die zehn Hunde zu 80 Prozent das richtige neue Spielzeug brachten, wenn es mit Ansprache benannt worden war. War die Bezeichnung nur im zwischenmenschlichen Gespräch genannt worden, also ohne spezielle Ansprache des Hundes, brachten die Tiere sogar zu 100 Prozent das richtige Spielzeug. 

Daraus könne man jedoch nicht ableiten, dass die Hunde im zweiten Versuch besser abgeschnitten hätten, betonte Dror auf Anfrage mit Verweis auf die kleinen Zahlen des Versuchs. Insgesamt schnitten die hochbegabten Vierbeiner beim Lernen durch Zuhören laut Universität genauso gut ab wie beim direkten Unterricht.

Team geht nicht davon aus, dass alle Hunde auf diese Weise lernen

In einem weiteren, etwas abgewandelten Experiment untersuchten die Forscher typische Familienhunde, sämtlich Border Collies, die bis dahin keine Bezeichnungen für einzelne Spielzeuge kannten. Hier holten zwar einige Hunde das richtige, neue Spielzeug häufiger, als es per Zufall geschehen würde. Das Verhalten dieser Hunde spiegle aber wahrscheinlich ihre Vorliebe für Neues wider und nicht das Erlernen von Objektnamen, schreibt das Team in der Studie. 

Begabte Hunde böten ein außergewöhnliches Modell zur Erforschung kognitiver Fähigkeiten, betonte Dror, fügte aber hinzu: „Wir gehen aber keineswegs davon aus, dass alle Hunde auf diese Weise lernen – ganz im Gegenteil.” Dies könne weiter untersucht werden, schreiben die Studienautoren: „Zukünftige Forschung sollte weiterhin untersuchen, welche genauen Mechanismen es hochbegabten Hunden ermöglichen, Bezeichnungen zu lernen – und inwieweit sich diese von den Mechanismen kleiner Kinder unterscheiden.” (dpa/mp)

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