Flaute bei Fahrschulen wegen geplanter Führerscheinreform
Nach den Reform-Ankündigungen im letzten Jahr: Viele potenzielle Fahrschüler warten auf die Pläne, statt den Führerschein jetzt zu beginnen. Das merken auch die Fahrschulen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will den Führerschein günstiger machen. Die Folge: Bei vielen Fahrschulen bleiben deswegen neue Fahrschüler aus.
„Seit den Ankündigungen von Schnieder, dass der Führerschein günstiger werden soll, gibt es eine Zurückhaltung bei Fahrschulen“, sagte Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist regional und von Fahrschule zu Fahrschule unterschiedlich, aber die Zurückhaltung ist spürbar. Viele Fahrschüler warten ab. Wenn das so bleibt, müssen Fahrschulen überlegen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Im Worst Case drohen Insolvenzen.“
Schnieder: Führerschein-Reform dauert
Schnieder hatte im vergangenen Oktober Reformvorschläge für eine kostengünstigere Fahrausbildung vorgelegt. „Mobilität darf kein Privileg sein“, hatte der CDU-Politiker gesagt. Für einen Pkw-Führerschein der Klasse B werden laut Ministerium derzeit im Schnitt rund 3400 Euro fällig.
Der Weg zum Führerschein solle einfacher und bezahlbarer werden, sagte Schnieder – bei weiterhin höchsten Sicherheitsstandards. Geplant sind etwa Vereinfachungen und digitale Lösungen für die theoretischen und praktischen Teile. So soll die Möglichkeit geschaffen werden, verstärkt Simulatoren zu nutzen. Außerdem soll es weniger verpflichtende Sonderfahrten – wie auf Autobahnen – geben.
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Schnieder dämpfte am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“ aber erneut Erwartungen an eine schnelle Reform. „Es lohnt sich nicht abzuwarten, sondern: Wer den Führerschein machen will, der soll ihn jetzt machen.“
Der Bund brauche für eine Reform die Länder. Bei einer Verständigung gehe man im Laufe des Jahres ins Gesetzgebungsverfahren. Die Änderungen müssten dann wirken. „Aber von Anfang an war klar, dass es keinen Punkt gibt, an dem ein neues Preisschild an dem Führerschein hängt.“ Der Bund schreibe den Fahrschulen nicht vor, was sie zu tun und zu lassen hätten, sondern schaffe Möglichkeiten, die den Führerschein günstiger machen würden.
„Immer mehr Fahrstunden“
Kostentreiber der Fahrschulen seien vor allem höhere Personal- und Energiekosten, sagte Bartels. „Das müssen wir an die Kunden weitergeben. Wenn Minister Schnieder meint, wir können Unterrichtsräume sparen, wo sollen dann die Simulatoren hin?“ Viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler bräuchten immer mehr Fahrstunden. Dies sei der Hauptgrund, warum der Führerschein teuer sei. Eine Fahrstunde koste zwischen 55 und 75 Euro.
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Eine durchgängige, zeitnahe Ausbildung ohne Pausen wäre eine Möglichkeit, um Kosten zu senken. Es komme daneben auf die Motivation der Fahrschüler an.
Es gebe gute Erfahrungen mit dem begleiteten Fahren mit 17. Da stünden die Eltern dahinter, diese Fahrschüler seien sehr motiviert, fielen weniger häufig durch Prüfungen und bezahlten dann um die 2500 Euro für die Fahrausbildung. „Wenn die Politik Führerscheine günstiger machen will, dann sollte sie die Kosten für den Führerschein steuerlich absetzbar machen.“ (mp/dpa)
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