Panorama
„Fertility Gap“ wächst: Frauen wünschen sich Kinder – bekommen aber immer weniger
Die Geburtenrate ist gesunken, aber der Wunsch nach Kindern besteht – auch in Deutschland wird diese Lücke immer größer. Warum ist das so?
Laut einer neuen Studie des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) können viele Menschen ihren Kinderwunsch aufgrund gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Bedingungen nicht verwirklichen. Die Lücke zwischen der gewünschten und der tatsächlich verwirklichten Kinderzahl – der sogenannte „Fertility Gap“ – wird immer größer. In Deutschland ist sie 2024 mehr als doppelt so groß wie noch 2021.
Zwischen 2021 und 2024 ist laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis des familiendemografischen Panels FReDA die Geburtenziffer von 1,58 auf 1,35 Kinder je Frau gesunken. Die als ideal angesehene Kinderzahl liegt in Deutschland dagegen bei 2,2 Kindern.
Entscheidend seien verlässliche Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine stärkere Beteiligung von Vätern an der Sorgearbeit, sagt Prof. Dr. C. Katharina Spieß, Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.
Umgekehrtes Problem im globalen Süden
In anderen Weltregionen bekommen zahlreiche Frauen früher und mehr Kinder, als sie sich wünschen. Auch dort klaffen gewünschte und tatsächlich verwirklichte Kinderzahl auseinander. Ursachen sind fehlende sexuelle Aufklärung, ein eingeschränkter Zugang zu Verhütungsmitteln und mangelnde Selbstbestimmung über die eigene reproduktive Gesundheit.
Laut UNFPA können 44 Prozent aller Frauen nicht über ihre sexuellen Beziehungen, Verhütung oder reproduktive Gesundheitsversorgung entscheiden. Angela Bähr, Vorständin Programme der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) betont: „Nur wenn Mädchen und Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung haben, können sie ein selbstbestimmteres Leben führen, nicht zuletzt in Sachen Sexualität, Verhütung und Familienplanung.“ Sie fordert von der Politik, in diese Bereiche zu investieren, um eine nachhaltige Bevölkerungsentwicklung vorauszusetzen.
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