Experten schlagen Alarm: Dieser Touri-Boom ist gefährlich!
Beeindruckende Eismassen, die eine schwindende Welt zeigen. Millionen Menschen besuchen jährlich Gletscher. Forschende warnen: Das schadet den sensiblen Ökosystemen und bringt der lokalen Bevölkerung wenig.
Meterdicke und kilometerlange Eisfelder, die wie erstarrt in der Natur liegen: Der Faszination von Gletschern kann sich kaum jemand entziehen. Immer mehr Menschen schauen sich das gerne selbst aus der Nähe an. Der Gletschertourismus boomt. Das belastet aber das sensible Ökosystem, schreiben Forschende der Universitäten Lausanne in der Schweiz und Rice in Houston (US-Bundesstaat Texas) in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“.
14 Millionen Gäste erkunden die Gletscher
Mehr als 14 Millionen Besucherinnen und Besucher seien im Jahr auf Gletschertouren, schreiben sie. „In der Nähe dieser riesigen Eismassen zu sein, ist ein beeindruckendes Erlebnis, denn sie sind einzigartige Naturwunder, die sich bewegen, knarren, flüstern und zum Nachdenken anregen“, schreibt die Anthropologin Cymene Howe von der Rice University.

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Der Geograf Emmanuel Salim aus Lausanne spricht von einem Paradox: Touristen wollten eine schwindende Welt sehen, solange es noch geht, beschleunigten aber mit ihren umweltbelastenden Reisen den Niedergang der Welt, die sie bewundern wollten. So würden mitunter Helikopterflüge gebucht, die CO2-Emissionen verursachten. Oder es würden eigens für Wanderungen Wege in Gletschergebieten angelegt.

In Patagonien schrumpft bereits eines dieser spektakulären Naturphänomene. Die Eisfläche des Perito-Moreno-Gletschers im Süden von Argentinien könnte nach Schätzungen von Experten innerhalb weniger Jahre um 15 Quadratkilometer schrumpfen.
Die lokale Bevölkerung etwa in Alaska oder Grönland habe oft wenig von den Besuchern. Die Einnahmen blieben vor allem bei den Tourveranstaltern. Besucher lernten zudem oft wenig über die Sorgen der lokalen Bevölkerung. „Viele Touristen werden einfach zum nächsten beliebten Reiseziel weiterziehen, sobald die Gletscher verschwunden sind“, so Salim.
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Was der Tourismus für die Ökosysteme bedeute, müsse besser analysiert werden, fordert er. Außerdem müsse die lokale Bevölkerung an den Einnahmen aus dem Gletschertourismus teilhaben. Ferner müssten Anstrengungen unternommen werden, um das Bewusstsein der Besucher für Umweltfragen zu schärfen. (dpa/mp)
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