Willi Streily

Willi Streily steht vor den bunt beklebten Wänden in seiner Wohnung in Ludwigshafen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Alles so schön bunt hier! Willy (84) lebt richtig farbenfroh

kommentar icon
arrow down

Aus jeder Ecke blinkt und glitzert es: Die Wohnung eines 84-Jährigen in Ludwigshafen wird zur Kampfansage an das Grau der Welt. Es ist eine Art Überlebensstrategie für den Mittachtziger.

Deutschlands womöglich bunteste Wohnung in Ludwigshafen ist ein Frontalangriff auf alle Sinne. Aus jeder Ecke glitzert, blinkt, flimmert es. Oder ist der Superlativ übertrieben? Willi Streily wiegt den Kopf. „Na ja… Ich glaube nicht, dass es eine buntere Wohnung gibt.” Die Decke schillert, die Wände leuchten, sogar der Sicherungskasten ist Teil der Choreographie aus Farben. „Manche sagen, das ist zu viel”, meint der 84-Jährige. „Für mich ist es normal.”

Paradiesvogel in „Germany’s Ugliest City”

Seit mehr als 80 Jahren lebt Streily in der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz. Wer seine Tür öffnet, reist in ein Universum aus Lampen, Spiegeln, Bildern. An der Decke kleben Sterne aus Moosgummi, die Küchenschränke sind bunt, hier und da stehen Figuren, überall hängen Gemälde. Wie viele es sind, weiß er nicht. Es seien Hunderte, vielleicht mehr. „Hier hat schon meine Großmutter gewohnt”, sagt er. „Im Krieg waren wir viele. Ausgebombte Verwandte. Mein Onkel im Nebenzimmer. Das vergisst man nie.”

An der Decke kleben Sterne aus Moosgummi, die Küchenschränke sind bunt, überall hängen Gemälde: Willi Streily wohnt in der womöglich buntesten Wohnung Deutschlands. Uwe Anspach/dpa
Die womöglich bunteste Wohnung Deutschlands
An der Decke kleben Sterne aus Moosgummi, die Küchenschränke sind bunt, überall hängen Gemälde: Willi Streily wohnt in der womöglich buntesten Wohnung Deutschlands.

Die NDR-Satiresendung „Extra 3” hatte Ludwigshafen 2018 zur „hässlichsten Stadt Deutschlands” gekürt. Nach Ansicht des „Kulturaktivisten” Helmut van der Buchholz, der augenzwinkernde Touren zu hässlichen Ecken der Stadt veranstaltet, stehen Kreative wie Streily dazu im Gegensatz. „Es gab und gibt einige Originale oder auch sogenannte Paradiesvögel in der Stadt, die einfach ihr eigenes Ding machen”, meint der Tour-Organisator. Nur würden diese Künstler in der Stadt viel zu wenig auftauchen.

Sein Traum: Seine Werke im Kunstmuseum

„Ich hab’ immer irgendwo was rumgebastelt”, erzählt der 84-Jährige. Mit 20 fing es an. Poster, Ornamente, erste Bilder. Später Schweißdraht, Speckstein, Leinwand. „Die Teile schneide ich aus, bemale sie und füge sie zusammen.” Seine Hände beschreiben die Bewegung in der Luft. „Man braucht viel Geduld. Basteln ist Kunst.”

Das könnte Sie auch interessieren: Mieter müssen raus: Amt räumt Schrottimmobilie in berüchtigtem Viertel

Der Wunsch: einmal seine Werke im örtlichen Wilhelm-Hack-Museum, einem der bedeutendsten Kunstmuseen in Rheinland-Pfalz, zeigen zu können. „Aber ich gelte als Hobbykünstler”, sagt er, „da bekommt man da keinen Platz.” (dpa)

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test