gnerationen im Überblick

Immer nur am Smartphone und keine Lust auf Schichtdienst: Besonders in Debatten um die Arbeitswelt gibt es immer wieder Kritik an der jungen Generation. Foto: picture alliance / NurPhoto | Michael Nguyen

Boomer-Nachfolger: Wer sind die Generationen X, Y oder Z – und gibt es sie wirklich?

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Seit den Boomern tritt alle 15 Jahre eine neue Generation auf den Plan. Ticken die GenX, Y oder Z wirklich jeweils anders – oder ist das alles blanker Unsinn? 

Die Generation X war die No-Future-Generation, die GenZ hat keine Lust mehr auf Arbeit, und Alpha besteht nur noch aus Smartphone-Süchtigen: An Zuschreibungen darüber, wie die Nach-Boomer-Generationen jeweils ticken, mangelt es nicht. Soziologen winken bei diesem Thema einigermaßen entnervt ab. Was ist also dran? Ein kleines Generationen-ABC – auch wenn es erst bei X beginnt.

GenX: die vergessene Generation?

Zur Generation X werden die Geburtenjahrgänge 1965 bis 1980 gezählt – je nach Statistik überschneidet sie sich also zum Teil mit der Boomer-Generation. Rund 16,5 Millionen Menschen in Deutschland sind demnach GenXler. Sie sind die letzten, die noch in einer analogen Welt aufgewachsen sind, zugleich aber im Erwachsenenalter mit der digitalen Revolution umgehen mussten. Ihre Kindheits- und Jugendjahre fallen in eine Zeit familiärer Umbrüche – etwa durch mehr Scheidungen oder mehr berufstätige Mütter – und eher düsterer Zukunftsaussichten: Kalter Krieg, Umweltprobleme, angespannter Arbeitsmarkt.

Weil die Eigenheiten der Vorgänger- und der Nachfolge-Generation stärker in der Öffentlichkeit thematisiert wurden und werden, wird die GenX manchmal auch als „vergessene Generation“ bezeichnet. Der Begriff „Generation X“ taucht übrigens bereits in den frühen 50ern in Medienberichten auf, größere Bekanntheit bekam er allerdings erst durch den 1990 erschienenen gleichnamigen Roman von Douglas Coupland.

GenY: die arbeitsscheue Generation?

Die „Millennials“, wie die Generation Y auch genannt wird, rekrutieren sich aus den zwischen Anfang der 80er und Mitte der 90er Geborenen. Rund 16 Millionen Menschen mithin, die die bipolare Weltordnung und die atomare Bedrohung ebenso wenig kennengelernt haben wie eine Welt ohne Computer. Sie gelten als die ersten Digital Natives und sind auch die ersten, die das Thema des Klimawandels von Anfang an begleitet hat.

Der Begriff der Generation Y taucht erstmals 1993 im Marketingbereich auf. Womöglich spielte die alphabetische Reihenfolge eine geringere Rolle als der Umstand, dass die englische Aussprache des Buchstaben Y dem Wort „why“, also „warum“, entspricht. Nach dieser Lesart handelt es sich also um eine Generation, die vieles infrage stellt.

Zum Beispiel den Sinn von 40-Stunden-Wochen oder 9-to-5-Jobs: Der GenY wird oft eine überzogene Anspruchshaltung gegenüber der Erwerbsarbeit vorgehalten. An anderer Stelle heißt es wohlwollender, dass die GenY lediglich selbstbewusster ins Berufsleben trete und ihr Leben nicht dem Job unterordnen wolle.

GenZ: die gepamperte Generation?

Die Generation Z umfasst die Jahrgänge 1995 bis 2010. Die etwas mehr als zwölf Millionen GenZler gelten als noch digitalaffiner als ihre Vorgänger; für sie waren nicht nur Internet und Soziale Medien schon früh eine Selbstverständlichkeit, sondern dank Smartphone auch deren ständige Verfügbarkeit. 

Das Phänomen der Helikopter-Eltern (hier hauptsächlich in Elterntaxis sitzend) nervt nicht nur Lehrer: Die Generation Z gilt oft als überbehütet bis verwöhnt. picture alliance / ABBfoto
Elterntaxis
Das Phänomen der Helikopter-Eltern (hier hauptsächlich in Elterntaxis sitzend) nervt nicht nur Lehrer: Die Generation Z gilt oft als überbehütet bis verwöhnt.

Auch heißt es über diese Generation, die seit einigen Jahren ins Berufsleben startet, dass sie noch größeren Wert auf Work-Life-Balance lege als die GenY; immer wieder wird ihr eine angeblich schlechte Arbeitsmoral attestiert. GenZler werden auch oft als verwöhnt oder überbehütet betrachtet, weil ihre Jahrgänge mit dem aufkommenden Phänomen der Helikopter-Eltern zusammenfallen. 

Gen… wer? Was Soziologen von der Generationenlehre halten

Nachdem die Generationen-Zählung mit Z das Ende des Alphabets erreicht hatte, fing man von vorne an: 2010 trat die Generation Alpha auf den Plan, die ihrerseits jetzt, nach erneut 15 Jahren, von der nächsten Generation mit dem wenig überraschenden Namen Beta abgelöst wird. Die Typisierung erfolgt also lange, bevor sich etwaige Besonderheiten einer Generation überhaupt zeigen können – was die Frage aufwirft: Wie aussagekräftig sind diese Zuschreibungen, und woher kommen sie?

Der Soziologe Marcel Schütz spricht recht unverblümt von Mythen. Diese „Generationslabels“ seien „starke Erzählungen, keine wissenschaftlich belastbaren Kategorien“, sagt der Professor an der Hamburger Northern Business School. „Beratungsfirmen, Karriereportale und Trendinstitute nutzen generationales Storytelling, weil es Aufmerksamkeit erzeugt und sich kommerziell verwerten lässt.“ Diese Erzählungen hätten sich durch unhinterfragtes Reproduzieren seitens der Medien und Unternehmen längst verselbstständigt.

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„Soziologisch relevante Unterschiede verlaufen nicht entlang von Geburtsjahrgängen, sondern entlang von Bildung, sozialer Lage, Geschlecht, Migration oder regionalen Kontexten“, stellt Schütz klar. Zudem sei der 15-Jahres-Rhythmus „ziemlich willkürlich“ gewählt. „Natürlich sind 15 oder 20 Jahre eine Zeitspanne, in der sich eine ganze Menge in der Welt ändert“, sagt Schütz: Das betreffe aber die gesamte Gesellschaft, „nicht nur die jeweils jüngsten oder jugendlichsten Vertreter“.

Ein „Generationalismus“, der erstaunlicherweise akzeptabel ist

Auch der Saarbrücker Soziologieprofessor Martin Schröder hält nicht viel von der Typisierung dieser Altersgruppen. In einer Untersuchung aus dem vergangenen Jahr zeigte er, dass insbesondere die Generations-Zuschreibungen betreffend der Arbeitsmoral nicht belegbar seien. Die Einstellung eines Menschen zur Arbeit hänge nicht vom Geburtsjahr ab, sondern vom Zeitpunkt, zu dem man ihn dazu befragt, schreibt Schröder: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Bedeutung von Arbeit mit dem Alter zunächst zu- und dann abnimmt“, letzteres gelte im Lauf der Zeit tendenziell für alle. „Diese Alters- und Periodeneffekte lassen später geborene Generationen arbeitsfeindlich erscheinen.“

Die beliebten Faulheitsvorwürfe gegenüber der GenZ stellen für den Soziologen einen „neuen -ismus“ dar, also einen „Generationalismus“, der im Gegensatz zu Sexismus oder Rassismus aber erstaunlicherweise als gesellschaftlich akzeptabel angesehen werde. Die hunderttausenden untersuchten Datensätze jedenfalls untermauern Schröder zufolge die These der „faulen Generationen“ nicht.

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