Silvesternacht 2025 auf der Elbpromenade in Hamburg

Silvesternacht 2025 auf der Elbpromenade in Hamburg.(Archivbild) Foto: picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack

„Unmöglich, sich mit legalem Böller zu verletzen“: Pyro-Lobby contra Ärztepräsident

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Tradition oder Gefahr? Bei der privaten Silvesterböllerei werden jedes Jahr etliche Menschen schwer verletzt. Die Innenminister müssen nach Ansicht des Ärztekammerchefs die unkontrollierte „Knallerei“ endlich beenden. Bundesverkehrsminister Schnieder hält dagegen – und auch die Lobby für Pyrotechnik meldet sich zu Wort und wirft dem Mediziner „mangelnde Fachkompetenz“ vor: Die Ärzte wollten in Wahrheit eine Kulturtechnik „ausmerzen“.

Kurz vor dem Jahreswechsel hat der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, eindringlich ein Verbot privater Feuerwerke gefordert. „Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden“, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

„Die Innenminister von Bund und Ländern müssen endlich handeln und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen.“ Das habe „nichts mit Verbotskultur zu tun“, sondern zeuge „von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen“.

Feuerwerk-Lobby gegen Ärzte

Christoph Kröpl, Geschäftsführer des Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk e.V., kontert:  „Die Bundesärztekammer beweist einen Mangel an Fachkompetenz in Sachen Pyrotechnik und ihrer Auswirkungen auf den Gesundheitssektor.“ Es gehe den Medizinern nur um das „Ausmerzen einer Kulturtechnik, die nicht den eigenen ästhetischen Vorstellungen entspricht.“ Der Lobbyist behauptet, es sei unmöglich, „sich mit einem legalen Silvesterböller eine Hand zu zerstören oder gar Gliedmaße abzutrennen.“ Gefährlich sei allein illegales Feuerwerk. Außerdem seien die Notaufnahmen an Silvester nicht wegen Böllerverletzungen voll, sondern „insbesondere wegen des bundesweit intensiven Alkoholkonsums“, so Kröpl.

Bundesverkehrsminister gegen Böllerverbot

Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach sich gegen ein Böllerverbot aus. Man müsse nicht immer alles verbieten, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir haben eine Tradition, so Silvester zu feiern.“ Persönlich sei er aber auch kein Anhänger des Böllerns.



Ungeregelte Knallerei führe immer wieder zu schweren Verletzungen, warnte hingegen Reinhardt. Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Verletzungen am Auge und Verbrennungen. „Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen.“

Reinhardt: Böllerei löst bei Flüchtlingen „Todesängste“ aus

Zudem habe man in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass Knallkörper als Waffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte eingesetzt würden. Viele Menschen hätten auch Angst vor der Knallerei, diese sei schlecht für das Klima und verursache enormen Müll. 

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Mit Blick auf die vielen Kriegsflüchtlinge in Deutschland, etwa aus der Ukraine oder aus Syrien, bezeichnete Reinhardt es als „vollkommen daneben“, das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen. „Viele von ihnen haben in ihrer Heimat Bomben und Granaten erleben müssen. Da löst die Silvesterknallerei nicht selten sogar Todesängste aus.“ (dpa/mp)

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