Bio-Kunststoff: Ist er wirklich besser für die Umwelt als normales Plastik?
Becher aus Maisstärke, Tüten aus Zuckerrohr, Verpackungen aus Bambus: Bio-Kunststoff klingt nach grüner Alternative. Doch bei Herstellung, Entsorgung und Recycling sieht die Bilanz oft komplizierter aus.
Plastik aus Erdöl braucht in der Natur oft mehrere hundert Jahre, um abgebaut zu werden. Kein Wunder also, dass Produkte aus Bio-Kunststoff auf den ersten Blick wie die bessere Lösung wirken. Tatsächlich stecken hinter dem Begriff aber ganz unterschiedliche Materialien. Und genau das macht die Frage schwierig, ob Bio-Kunststoff wirklich nachhaltiger ist als herkömmliches Plastik.
Bio-Kunststoff ist kein klar definierter Begriff
Schon beim Namen beginnt das Problem. Denn „Bio-Kunststoff“ ist rechtlich nicht definiert. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass es bei diesen sogenannten Agro-Kunststoffen große Unterschiede gibt. Manche sind nur teilweise biobasiert. Andere bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus, Holz, Maisstärke oder Zuckerrohr.
Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW unterscheidet dabei zwischen kompostierbaren Kunststoffen wie PLA aus Polymilchsäuren und nicht kompostierbaren Kunststoffen wie PET aus Zuckerrohr. Das zeigt: Nur weil ein Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, ist er noch lange nicht automatisch kompostierbar. Umgekehrt können laut Umweltbundesamt sogar biologisch abbaubare Kunststoffe aus Erdöl hergestellt sein.
Bio-Kunststoff im Biomüll? Meist keine gute Idee
Hersteller werben bei kompostierbaren Varianten oft damit, dass sie über den Biomüll entsorgt werden können. In der Praxis funktioniert das aber häufig nicht. Laut Philip Heldt erlauben viele Kommunen etwa Mülltüten aus Agro-Kunststoffen gar nicht. Der Grund: Nur wenige Kompostwerke erreichen überhaupt die langen Rottezeiten, die für den Abbau dieser Produkte nötig sind.
Auch für den heimischen Kompost sind solche Produkte meist ungeeignet. Dort sind die Temperaturen deutlich niedriger als im Industriekompost. Becher, Beutel oder Verpackungen aus Bio-Kunststoff zerfallen deshalb laut Heldt kaum.
Und selbst wenn sich ein Bio-Kunststoff unter bestimmten Bedingungen zersetzt, entsteht daraus kein wertvoller Humus. Laut Naturschutzbund Deutschland bleiben am Ende bestenfalls CO2, Wasser und Biomasse. Die Qualität des Komposts wird dadurch also nicht verbessert.
Bio-Kunststoff gehört oft in den Gelben Sack
Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen müssen laut Umweltbundesamt in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne. Bei biologisch abbaubaren Sammelbeuteln sollte man vorher beim Entsorger nachfragen, ob sie für die Bioabfallsammlung überhaupt zugelassen sind. In den meisten Anlagen ist das nicht der Fall. Dann gehören solche Beutel in den Restmüll.
Auch beim ökologischen Fußabdruck ist die Sache nicht eindeutig. Laut Umweltbundesamt muss etwa der hohe Flächenbedarf berücksichtigt werden, der für den Anbau der nachwachsenden Rohstoffe entsteht. In diesen Monokulturen werden oft viele Pestizide und Dünger eingesetzt. Hinzu kommt: Für die Herstellung von Bio-Kunststoffen wird genauso viel Energie benötigt wie für herkömmliches Plastik.
Außerdem werden oft Zusatzstoffe beigemischt, damit die Produkte bestimmte Eigenschaften bekommen. Dazu gehören etwa Hitze- und UV-Stabilisatoren, Weichmacher oder Flammschutzmittel. Einige dieser Stoffe sind nicht dauerhaft beständig und können mit der Zeit in die Umwelt gelangen. Nach Angaben der Verbraucherzentralen können manche dieser Zusatzstoffe auch der Gesundheit schaden.
Einschränkungen auch beim Recycling
Auch beim Recycling gibt es Einschränkungen. Ob Verpackungen recycelbar sind, erkennen Verbraucher an den dreieckigen Recycling-Codes, in deren Mitte eine Materialnummer steht. Diese Kennzeichnung ist allerdings freiwillig. Und: Haben Bio-Kunststoffe nicht dieselbe chemische Struktur wie fossil-basierte Kunststoffe, können sie laut Umweltbundesamt in der Regel nicht recycelt werden.
Immerhin gibt es bei der Müllverbrennung einen Vorteil. Bio-Kunststoffe setzen dabei im Vergleich zu herkömmlichem Plastik deutlich weniger CO2 frei.
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Ob Bio-Kunststoffe nachhaltiger sind als herkömmliche Kunststoffe, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten. Laut den Verbraucherzentralen wäre das nur im Einzelfall anhand aussagekräftiger Ökobilanzen möglich.
Für Philip Heldt liegt das Grundproblem woanders: Bio-Kunststoffe werden vor allem für Einweg-Produkte genutzt und nach einmaligem Gebrauch entsorgt. Der umweltfreundlichere Weg ist aus seiner Sicht deshalb klar: Wegwerfprodukte vermeiden und stattdessen auf Mehrweg setzen.
Wer Plastikmüll verringern will, kann außerdem Nachfüllpackungen kaufen und möglichst auf in Plastik verpackte Waren verzichten. (dpa/mp)
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