Festivalchefin Tricia Tuttle steht während der Preisverleihung bei der Abschlussgala im Berlinale Palast auf der Bühne.

Festivalchefin Tricia Tuttle steht während der Preisverleihung bei der Abschlussgala im Berlinale Palast auf der Bühne. Foto: picture alliance/dpa/Christoph Soeder

Bericht: Berlinale-Chefin wird nach Foto mit Pali-Tüchern entlassen

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Nach dem Eklat bei der Berlinale um den Auftritt eines syrisch-palästinensischen Regisseurs könnte es nach Angaben der „Bild“ personelle Folgen an der Spitze des Filmfestivals geben. „Bild“ berichtet unter Berufung auf Kreise der zuständigen „Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH“ (KBB), dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (CDU) Berlinale-Chefin Tricia Tuttle ablösen wolle.

Dem Bericht zufolge hat Weimer für Donnerstagvormittag eine außerordentliche Sitzung der KBB-Führungsgremien einberufen. Auf der Tagesordnung stehe demnach auch die Frage einer Abberufung Tuttles.

Berlinale: Streit um Auftritt geht weiter

Aus dem Kulturstaatsministerium wurde die Sitzung des Aufsichtsrates am Donnerstag gegenüber „Bild“ bestätigt. Weimer sei Vorsitzender und es solle „eine Aussprache zur Ausrichtung der Berlinale“ geben. Zu „Spekulationen“ äußere sich das Ministerium demnach aber nicht.

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Hintergrund ist zum einen der Eklat bei der Preisverleihung am Wochenende, bei der der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib seine Dankesrede mit scharfer Kritik an der Haltung der Bundesregierung im Gaza-Krieg verband und ihr vorwarf, faktisch Partner „des Völkermords im Gazastreifen” zu sein. Daraufhin hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) den Saal verlassen. Für heftige Reaktionen sorgte auch der Satz: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.“

Berlins Regierender Bürgermeister (CDU) sagte danach, denjenigen, die sich hier als Pro-Palästina-Aktivisten inszenierten, ginge es nicht um Menschenrechte, sondern allein um „Israel-Hass“.

Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen Völkermord zu begehen – das ist auch die Position der deutschen Regierung – und spricht von Selbstverteidigung nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023.

Der Regisseur und Aktivist Abdallah Alkhatib (Mitte rechts) und sein Team. Berlinale
Der Regisseur und Aktivist Abdallah Alkhatib (Mitte rechts) und sein Team.
Der Regisseur und Aktivist Abdallah Alkhatib (Mitte rechts) und sein Team.

Außerdem zeigt die „Bild“ ein Foto, auf dem Tuttle mit der Filmcrew von Alkhatib mit Palästinenser-Fahne und Pali-Tüchern posiert. Das entsprechende Foto ist auf der Seite der Berlinale aktuell nicht verfügbar.

Offizielle Entscheidungen oder Personalbeschlüsse wurden bislang nicht bekannt gegeben. Wer im Fall einer Trennung von Tuttle die Nachfolge übernehmen würde, ist offen. Die Berlinale zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals. (nf)

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