Rettungskräfte sind unweit eines Wohnhauses in Menden im Einsatz, nachdem dort Kinder in einem verwahrlosten Zustand aufgefunden wurden.

Rettungskräfte sind unweit eines Wohnhauses in Menden im Einsatz, nachdem dort Kinder in einem verwahrlosten Zustand aufgefunden wurden. Foto: Markus Klümper/dpa

Mann sieht Kind barfuß in der Kälte und ruft Polizei: Sechs Geschwister gerettet

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Ohne Schuhe und leicht bekleidet in der Kälte: Ein Autofahrer schlägt Alarm, als ihm ein Kind auffällt. Nun befinden sich insgesamt sechs Geschwister in Obhut des Jugendamts.

Ein Kleinkind lief leicht bekleidet und barfuß bei klirrender Kälte in ein Haus im sauerländischen Menden. Ein Autofahrer sah das – und alarmierte die Polizei. Die fand in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus fünf weitere Kinder im Alter zwischen zwei und elf Jahren in einem verwahrlosten Zustand. Ein Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis sagte, es handele sich um jeweils drei Jungen und Mädchen.

Keine Lebensgefahr, aber in Obhut des Jugendamts

Aufgrund des Gesundheitszustands der Kinder alarmierten die Polizisten den Rettungsdienst und schalteten das Jugendamt ein. Die Geschwister wurden in einem Krankenhaus versorgt.


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Nun haben Ärzte alle Kinder wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Keines der Kinder müsse weiter stationär behandelt werden. „Alle Kinder sind altersgerecht entwickelt. Sie weisen keine Anzeichen für körperliche Misshandlungen auf“, gaben die Stadt Menden und die ermittelnde Staatsanwaltschaft bekannt.

Menden: Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

Aufgrund der Gesamtumstände habe das Jugendamt trotzdem entschieden, die drei Mädchen und drei Jungen wegen des Verdachts auf eine Kindeswohlgefährdung zunächst getrennt von ihren Eltern unterzubringen. „Weitere Maßnahmen werden nunmehr sorgfältig geprüft“, teilte die Stadt mit.

Auch Mendens Bürgermeisterin Manuela Schmidt (CDU) verschaffte sich vor Ort ein Bild von der Lage und teilte am Abend mit: „Wichtig ist mir vor allem, dass die Kinder wohlauf sind und zu keiner Zeit in Lebensgefahr schwebten.”

Verfahren wegen Körperverletzung durch Unterlassen

Erziehungsberechtigte hatten sich zunächst nicht in der Wohnung aufgehalten, wie die Polizei mitteilte. Die Feuerwehr betrat die Wohnung mit Atemschutz. Im Verlauf des Einsatzes sei die Mutter der Kinder zurückgekehrt. Zu dem Vater, der eigentlich auch in der Wohnung lebt, gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang keinen Kontakt.

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Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Beamten den Angaben zufolge Drogen und stellten diese sicher. Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Kindeswohlgefährdung und des Besitzes von Betäubungsmitteln eingeleitet.

Gegen Mutter und Vater werde unter anderem wegen Körperverletzung durch Unterlassen ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Einen Grund, sie in Untersuchungshaft zu nehmen, gebe es aber derzeit nicht. (dpa/mp)

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