Leipzig Tatort

Der Tatort in Leipzig wurde großräumig abgesperrt. Foto: picture alliance / dpa | Hendrik Schmidt

Amokfahrt in Leipzig: Wirbel um gefälschte Fotos

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Nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt verbreitet sich ein Bild, das einen politischen Hintergrund nahelegen soll. Aber es zeigt nicht den Täter und ist mutmaßlich mit KI erstellt.

Nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt mit zwei Todesopfern beschäftigen sich einige Social-Media-User mit dem Täter und angeblichen Fotos des 33 Jahre alten Deutschen. Die genauen Hintergründe und ein mögliches Motiv sind noch unklar. Am Abend nach der Tat hatte die Polizei jedoch mitgeteilt, dass es keine Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund gebe. Ein online kursierendes Bild scheint jedoch etwas anderes nahezulegen: Darauf posiert ein Mann in einem Antifa-T-Shirt. Laut den Beitragstexten soll es sich um den Amokfahrer handeln. Stimmt das?

Details deuten auf künstliche Intelligenz

Nein. Der Mann auf dem Bild sieht anders aus als der Täter auf echten Aufnahmen. Zudem deutet der verwendete Bildhintergrund auf eine Bildmontage hin, weitere Details sprechen für eine Erstellung mit Künstlicher Intelligenz.



Das sind die Fakten

Am Montag hat ein 33-Jähriger in einer Einkaufsstraße in Leipzig mit seinem Auto mehrere Menschen angefahren. Zwei wurden getötet, sechs weitere verletzt, zwei von ihnen schwer. Zum Tatmotiv haben die Ermittler bislang keine Angaben gemacht. Einen politischen oder religiösen Hintergrund schlossen sie jedoch aus. Der Täter habe nach bisherigen Erkenntnissen „im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit” gehandelt, so die Staatsanwaltschaft. Von ihm gehe weiterhin Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus. Deswegen wurde er auf Anordnung eines Ermittlungsrichters in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht.

Auch ein Bild, das in den sozialen Netzwerken kursiert und angeblich den 33-Jährigen in einem T-Shirt der linken Antifa-Bewegung zeigen soll, ist kein Hinweis auf ein mögliches Motiv. Denn es zeigt nicht den Leipziger, sondern ist vermutlich eine eigens angefertigte Fälschung. Dafür sprechen mehrere Details:

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  • Die Gesichtszüge des Mannes im Antifa-T-Shirt stimmen nicht mit denen des Täters aus Leipzig überein. Die Deutsche Presse-Agentur wertete dazu ältere Fotos des Mannes sowie ein Video seiner Festnahme aus. Aus rechtlichen Gründen werden diese Aufnahmen in diesem Faktencheck nicht als Quellen verlinkt.
  • Auch die Tätowierungen an den Armen des Mannes auf dem Antifa-Bild passen nicht zu den Tattoos, die auf authentischen Fotos des 33-Jährigen zu erkennen sind.
  • In mehreren Beiträgen ist das Antifa-Bild als Teil eines vermeintlichen Screenshots von der Plattform Instagram zu sehen. Eine Suche nach dem genannten Account und dem entsprechenden Posting liefert jedoch keine Ergebnisse.
  • Auch mittels Bilderrückwärtssuche lassen sich keine älteren Treffer zu dem Bild finden.
  • Die Instagram-Darstellung im Hintergrund – der Profilname, der angebliche Standort in der kalifornischen Stadt Altadena sowie die angegebene Zahl der Likes – entspricht einer Designvorlage, die auf einer Bildbearbeitungsplattform verfügbar ist. Diese wurde bereits in anderen Beiträgen und Veröffentlichungen als Bildhintergrund verwendet. Zudem entspricht das verwendete Icon an der Stelle des fehlenden Profilbilds nicht mehr der aktuellen Darstellung auf Instagram – die Figur dort hat einen abgerundeten Körper, keinen eckigen. Es handelt sich also nicht um einen echten Screenshot von Instagram.
  • In einer höher aufgelösten Version des Bildes ist außer einem „FCK NZS”-Sticker im Hintergrund kein Text lesbar. Auf einem weiteren Aufkleber verschwimmt die Schrift – ein Hinweis auf eine mögliche Erstellung des Bildes mit Künstlicher Intelligenz.

All das legt nahe, dass das vermeintliche Antifa-Bild zur Amokfahrt in Leipzig eine Bearbeitung, beziehungsweise Fälschung ist. Denkbar ist, dass aus echten Aufnahmen des Mannes mithilfe von KI eine Darstellung in einem Antifa-T-Shirt erstellt wurde.

Die früheste Veröffentlichung des gefälschten Bildes auf der Plattform X ist von 23.40 Uhr deutscher Zeit am Montagabend. Zu diesem Zeitpunkt kursierten dort bereits ein Video von der Festnahme des Täters sowie dessen Name und ältere Fotos. (dpa/mp)

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