Alles Wichtige zur Mehrwertsteuer-Senkung auf einen Blick
Deutschland diskutiert über die Absenkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Ist sie gerecht oder lediglich ein „Steuergeschenk“, wie Verbraucherschützer kritisieren? Und profitieren die Kund:innen davon durch niedrigere Preise? Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen.
Warum wurde die Mehrwertsteuer gesenkt?
Die Senkung dient in erster Linie der Entlastung der Gastronomie und soll einem möglichen „Gastronomiesterben“ entgegenwirken. Zudem soll sie weitere Preissteigerungen verhindern. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) verschafft die Maßnahme den Betrieben finanziellen Spielraum, etwa für Investitionen.
Welche Betriebe sind von der Änderung betroffen?
Von der Senkung der Mehrwertsteuer profitieren Restaurants, Cafés, Bäckereien, Metzgereien, der Lebensmitteleinzelhandel, Catering-Anbieter sowie Kita-, Schul- und Krankenhausverpflegung. Getränke unterliegen weiterhin dem regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.
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Werden Schnitzel & Co. künftig günstiger?
„Bei einem Drittel der Gastronomen wohl schon. Der Rest wird die Preise trotzdem nicht senken können. Durch die hohe Mehrwertsteuer haben sie zuletzt viel zu wenig Gewinn gemacht. Viele Gastronomen haben ihre letzten Reserven in ihre Restaurants reingepumpt, um zu überleben“, sagt Gastro-Influencer Kemal Üres. Die Wirte beklagen seit Jahren sinkende Umsätze bei gleichzeitig steigenden Kosten, etwa durch den Mindestlohn, der von 12,82 Euro auf 13,90 Euro gestiegen ist.
Wer profitiert am meisten?
Während die Steueranpassung kleineren Betrieben hilft, wirtschaftlich Druck herauszunehmen, gibt es große Player wie die Fast-Food-Kette McDonald‘s, die insgesamt laut dem Verbraucherportal „Foodwatch“ jährlich bis zu 500 Millionen Euro einsparen werden. Dazu gehören auch Nordsee, Ikea-Gastronomie oder auch die Autobahn-Gastros von Tank & Rast.
Unternehmen, die besonders von der Steuerentlastung profitieren könnten, sind unter anderem:
- McDonald’s
- Burger King
- Tank & Rast (Autobahn‑Gastronomie)
- Nordsee
- Subway
- Yum! Restaurants (KFC & Pizza Hut)
- SSP Deutschland
- IKEA‑Gastronomie
- BackWerk und andere Groß‑Ketten im QSR‑Segment
(Einschätzungen basieren auf Umsatz- und Filialzahlen)
Was kostet das die Gemeinschaft?
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums entstehen 2026 Steuerausfälle von rund 3,6 Milliarden Euro. Für Hamburg rechnet Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mit bis zu 360 Millionen Euro weniger Einnahmen.
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Was sagen die Kritiker?
Ökonomen bemängeln, dass die Entlastung vor allem eine Branche begünstigt. „Denken Sie an Einzelhandel, Handwerk und viele andere Sektoren, die ebenfalls unter Kostendruck stehen“, sagt Friedrich Heinemann, Professor am Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung. Die Verbraucherorganisation „Foodwatch“ bezeichnet die Steuerreduktion für die Gastronomie als „Steuergeschenk“.
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