Emirates Dubai

Ein „Emirates“-Flugzeug auf dem Vorfeld des Dubaier Flughafens: Zigtausende Touristen gestrandet. Foto: Altaf Qadri/AP/dpa

30.000 Deutsche wegen des Kriegs gestrandet: Wut und Angst greifen um sich

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Laut Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind aktuell rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter von den Luftraumsperrungen im Nahen Osten betroffen – entweder, weil sie sich selbst in der Kriegsregion aufhalten, oder weil sie Flüge über die dortigen Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha gebucht haben. Dazu gehört MOPO-Chefreporter Olaf Wunder, der am vergangenen Samstag nach einer 14-tägigen Rundreise durch Kambodscha über die Vereinigten Arabischen Emirate nach Hause zurückkehren wollte. Der Kriegsbeginn durchkreuzte seine Pläne – jetzt sitzt er in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh fest. Unter den Touristen dort wachsen Wut und Angst.

Montag, 14 Uhr Ortszeit. Der dritte Kriegstag. Unter den Reisenden, die wie ich im Paradies gestrandet sind, breitet sich langsam Unsicherheit aus. Als am Samstag der Flug nach Dubai ausfiel, zeigte sich die Fluggesellschaft „Emirates“ noch großzügig: Busse brachten die Passagiere vom Flughafen zurück in die Innenstadt von Phnom Penh, in ein – na ja – halbwegs anständiges Hotel. „Emirates“ übernahm sogar die Kosten für alle Mahlzeiten. Jedenfalls bis gestern.

Gestrandete Touristen aufgebracht: Wer zahlt jetzt für das Hotel?

Heute früh, auf dem Weg durch die Lobby zum Frühstücksraum, setzt uns der Rezeptionist die Pistole auf die Brust. „Wenn Sie weiter bei uns bleiben wollen, müssen Sie für das Hotelzimmer zahlen“, lautet die unmissverständliche Ansage. Der Grund: „Emirates“ sei nicht länger bereit, die Kosten zu übernehmen …

Unter den Reisenden wachsen Verärgerung, Wut – und Angst. Die Unsicherheit zehrt an den Nerven. Die Leute fragen sich, wie lange sie noch in Phnom Penh ausharren müssen. Und wer kommt für die Mehrkosten auf: der Reiseveranstalter? Oder beruft der sich am Ende auf höhere Gewalt?

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In der Lobby treffe ich Tobias und Sabine N. aus Bremen, unterwegs mit ihren kleinen Söhnen. An der Rezeption geben sie gerade ihre Zimmerkarten ab und checken aus. „Wenn wir jetzt das Hotel selbst zahlen müssen, sprengen die aufgezwungenen Ferientage unser Urlaubsbudget. Wir suchen uns etwas Billigeres“, sagt der Familienvater.

Krieg im Iran: Touristen fühlen sich im Stich gelassen

Die Hotellobby wird zum Treffpunkt der Gestrandeten. Dort beraten sie, wie es weitergeht. In den Gesichtern ist – abgesehen von der Bräune – nichts mehr von Erholung zu sehen. Stattdessen tiefe Sorgenfalten. Viele wirken gestresst.

Einer ergreift das Wort, empört sich über „Emirates“: Hatte nicht am Samstag die Frau am Check-in-Schalter sämtliche E-Mail-Adressen notiert? Hat sie nicht zugesagt, dass jeder eine Nachricht bekommt, sobald klar ist, wie es weitergeht? Ist auch nur eine Mail angekommen? Niemand meldet sich.

Viele fühlen sich im Stich gelassen – nicht nur von „Emirates“, auch von den Reiseveranstaltern. Mehrere erzählen, sie hätten seit Samstag versucht, Kontakt aufzunehmen und Hilfe zu bekommen – doch bislang sei keine Antwort gekommen. Selbst Mails an Notfall-Adressen bleiben unbeantwortet. „Es hat sich überhaupt niemand gerührt“, sagt Frauke Spieß aus Braunschweig. „Bis heute hat mir keiner gesagt, wie ich hier wegkommen soll.“

Rückflüge nur schwer zu bekommen: „Wie Sechser im Lotto“

Mir wird in diesem Moment schlagartig klar, dass meine Reisegruppe – sieben Personen – ziemlich privilegiert ist. Über unseren Reiseveranstalter, SKR, einen Asien-Spezialisten aus Köln, können wir uns nicht beschweren. Schon am Sonntag, also keine 24 Stunden nach Beginn der israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran, haben sechs Mitreisende neue Flugdaten bekommen, der siebte am Montag.

Im Unterschied zu vielen anderen sind wir deshalb recht entspannt und nutzen die Zeit vor Ort. Am Dienstagabend sollen wir zurückfliegen, verteilt auf verschiedene Maschinen und verschiedene Fluggesellschaften. Die einen steigen in Bangkok um, die anderen in Saigon oder Hongkong. Aber egal. Hauptsache, es geht heim.

Für andere Gestrandete kann sich die Sache noch hinziehen. Reiseveranstalter, die am Wochenende nicht sofort in die Gänge gekommen sind, werden nur noch mit Mühe Plätze für ihre Gäste ergattern. „Derzeit sind freie Sitze so begehrt, dass es einem Sechser im Lotto gleichkommt, einen zu finden“, sagt ein Insider der MOPO.

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