270 süße Beagle aus den USA eingeflogen – doch der Grund dafür ist grauenvoll
Per Charterflug wurden 270 Beagle aus New York nach Frankfurt geflogen. Der Deutsche Tierschutzbund und „Ärzte gegen Tierversuche“ protestieren aufs Schärfste dagegen – denn auf die Hunde warten eine qualvolle Zeit und der sichere Tod in Deutschland.
Laut Informationen des Vereins „Soko Tierschutz“ wurden alle Hunde in blauen Boxen direkt vom Flughafen aus mit wartenden weißen Transportern ohne Aufschrift in Tierlabore, wissenschaftliche Institute und Universitäten in ganz Deutschland gebracht.
Kritik kommt von „Ärzte gegen Tierversuche“. Laut dem Verein sitzt der größte US-amerikanische Züchter von Tieren für Labore in North Rose, New York. Es ist die Firma Marshall BioResources. Rund 23.000 Hunde werden dort in Massentierhaltung gezüchtet, dazu Frettchen, Katzen und Minischweine.
USA züchtet Beagle für deutsche Tierversuche
Abnehmer für Hunde sind laut dem Verein Konzerne wie Bayer und Boehringer. „Ärzte gegen Tierversuche“ geht davon aus, dass die gefilmten Beagle am Flughafen Frankfurt Hahn aus der US-Zuchtanlage stammen.
Auch an der Hamburger Grenze sind viele Jahre lang Beagle in Labors als Testtiere genutzt worden. Die Anlage in Mienenbüttel wurde nach massiven Protesten 2021 geschlossen. Damals hatte die „Soko Tierschutz“ zuvor mit Fotos und Berichten Misshandlungen von Hunden und Affen aufgedeckt.
An Hunden werden laut „Ärzte gegen Tierversuche“ in Versuchen Giftigkeitsprüfungen durchgeführt. Dabei wird täglich eine Testsubstanz mit einer Schlundsonde durch die Speiseröhre in den Magen eingegeben – 28, 90 oder 120 Tage lang. Je nach Dosierung und Teststoff leiden die Tiere an Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Lähmungen oder Krämpfen. Am Ende der leidvollen Prozedur werden die Tiere getötet, um ihre Organe auf Veränderungen zu untersuchen.
2200 Hunde in deutschen Tierversuchen registriert
812 Hunde von insgesamt 2220 Hunden wurden 2024 für diesen Zweck in der offiziellen Statistik der Bundesregierung aufgeführt. Weitere 714 Hunde wurden für berufliche Schulungen verwendet, etwa Operationsübungen. Das Bundesland mit dem höchsten „Verbrauch“ von Hunden war 2024 Nordrhein-Westfalen mit 571 Hunden, gefolgt von Hessen (521 Hunde) und Baden-Württemberg (363 Hunde).
Kritik kommt auch vom Deutschen Tierschutzbund (DTB): „Diese Hunde sind keine Messinstrumente, sondern Lebewesen mit Gefühlen. Das Wissen, dass die Tiere über Monate oder Jahre unermessliches Leid erfahren werden, ist unerträglich“, erklärt Anna Lena-Busch, 1. Vorsitzende beim Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Tierschutzbundes.
LTP-Labor in Mienenbüttel bei Neugraben geschlossen
Beagle werden aufgrund ihrer ruhigen und freundlichen Natur besonders häufig verwendet. Die typischen Versuchsbereiche mit Hunden reichen laut DTB von der Forschung zu Herz-Kreislauf-, Krebs- und Infektionskrankheiten des Menschen sowie Störungen des menschlichen Nervensystems bis hin zu Arzneimittelforschung und -entwicklung und Giftigkeitsprüfungen, beispielsweise von Pflanzenschutzmitteln.
„Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft unser Verhältnis zu Tieren grundlegend überdenken. Niemand sollte länger hinnehmen, dass Tiere für wissenschaftliche Zwecke leiden und sterben müssen, wenn es längst fortschrittliche, tierversuchsfreie Alternativen gibt“, sagt Kristina Wagner, Leiterin des Referats für tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund.
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Daher fordert der Deutsche Tierschutzbund einen Ausstieg aus Tierversuchen und einen Wandel hin zu einer tierversuchsfreien Wissenschaft. Unter anderem ist dafür dringend eine verstärkte Förderung von tierversuchsfreien Test- und Forschungsmethoden nötig.
Diese Methoden werden von vorneherein dafür entwickelt, spezifische Fragestellungen präzise beantworten zu können. Der „Umweg“ über eine andere Spezies wird ausgelassen, stattdessen wird mittels hochmoderner Verfahren unmittelbar mit Blick auf den menschlichen Patienten geforscht.
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