Wladimir Putin hat bisher keines seiner Kriegsziele erreicht. Für einen Frieden ist er trotzdem zu feige.

Wladimir Putin hat bisher keines seiner Kriegsziele erreicht. Für einen Frieden ist er trotzdem zu feige. Foto: picture alliance / SIPA | Apaimages

Vier Jahre Ukraine-Krieg: Putin ist zu feige für einen Frieden

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Die Vollinvasion Russlands in der Ukraine jährt sich zum vierten Mal. Eigentlich hat Wladimir Putin keines seiner Ziele erreicht – und wird es womöglich auch nie. Trotzdem macht er nicht die geringsten Anstalten, den Krieg zu beenden. Kein Wunder: Er braucht ihn, wie ein Fisch das Wasser.

Im August 2025 empfing US-Präsident Donald Trump seinen russischen Amtskollegen in Alaska. Das Gipfeltreffen könnte man als Startschuss für ernsthafte Verhandlungen um ein Kriegsende betrachten. Doch was ist seither geschehen? Es gibt endlose Verhandlungen und alle Seiten behaupten immer wieder, es hänge nur noch an letzten kleinen Details. In Wirklichkeit können sie sich nach mehr als einem halben Jahr nicht einmal auf einen Waffenstillstand einigen.

Aus einem Angriffs- ist ein Stellungskrieg geworden

Das hat zwei Gründe: Im Kreml hofft man, seine Ziele – wie die Installierung einer Moskau-freundlichen Regierung in Kiew – mit Hilfe der Trump-USA erreichen zu können. Dafür ist es hilfreich, den Eindruck zu erwecken, als sei man noch eine konventionelle Supermacht. In Wahrheit ist die russische Militär-Maschine in vier Jahren Krieg ziemlich ins Stottern geraten. Laut dem Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat Russland seit dem 24. Februar 2022 etwa 1,2 Millionen Verwundete und Tote zu verzeichnen. Im Januar soll die Zahl der getöteten russischen Soldaten mit 31.700 erstmals die Zahl der frisch rekrutierten leicht überstiegen haben. Besonders absurd: Was als Angriffskrieg begonnen hat, ist längst zu einem Stellungskrieg wie im Ersten Weltkrieg geworden. Die Verschiebungen an der Front sind minimal, dafür leidet die Zivilbevölkerung unter Drohnen- und Raketen-Terror.

Da Putin Menschenleben egal sind, lässt er weiterkämpfen. Er hat von seinen 25 Jahren an der Macht 23 Jahre lang Kriege geführt. Inzwischen hängt sein innenpolitisches Überleben vom Ukraine-Krieg ab: Denn Putins Propaganda-Apparat kann viele der Missstände auf die „militärische Spezialoperation“ und deren Folgen schieben. Motto: Regt euch nicht auf, dass Lebensmittel teurer werden, die Wirtschaft abstürzt und ihr mehr Steuern zahlen müsst – es ist für die gute, nationale Sache.

Eine freie, demokratische Ukraine bedroht Putins System

Würde Putin das Kämpfen morgen einstellen, hätte er gleich mehrere Probleme: In den Augen der nationalistischen Falken in Russland hätte er versagt, weil er noch nicht einmal die Donbas-Region erobert hat, die er bereits als Teil Russlands in die Verfassung hat schreiben lassen. Das ließe ihn in diesen Kreisen schwach aussehen.

Aber das noch größere Problem wäre die Ukraine selbst. Mit einem Frieden würde dort der Wiederaufbau mit Geld aus Europa und aller Welt beginnen. Die Ukraine ist zwar nicht perfekt, wie Korruptionsfälle immer wieder zeigen – aber doch deutlich freier und demokratischer als Russland. Viele Russen könnten nach dem Krieg also schnell fragen: „Wieso können wir nicht so leben?“ Ein solches Gesellschaftsmodell und Vorbild „vor der eigenen Haustür“ wollen Putin und sein System nicht. Es stellt ihren Herrschaftsanspruch in Frage. Die Demokratisierungsbestrebungen und die West-Orientierung der Ukraine waren der Hauptgrund, warum Russland den Krieg vor vier Jahren begonnen hat.

Ein Diktatfrieden wird nicht funktionieren

Putin hätte im Fall eines Friedens persönlich also einiges zu verlieren. Er bräuchte Mut für einen solchen Schritt – der ihm aber fehlt. Und Trump tut fast nichts, um das Kalkül im Kreml zu verändern. Eher im Gegenteil. Seit 2025 liefern die USA nur noch Geheimdienstinformationen – aber keine Waffen mehr an die Ukraine. Stattdessen lässt sich Trump mit angeblichen Milliarden-Geschäften zwischen den USA und Russland von Putin ködern und versucht, die Ukraine in einen Diktatfrieden zu zwingen. Doch das angegriffene Land würde zur Not auch ganz ohne die USA weiterkämpfen. Sie bauen inzwischen selbst genug Waffen. Alleine Druck auf die Ukraine auszuüben, führt also nicht zu Frieden.

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Es ist denkbar, dass der Krieg noch lange Zeit weitergeht. Wenn Moskau eines Tages auf den Weg der Vernunft zurückkehrt, muss Europa bereit sein, Brücken zu bauen. Leider gibt es für einen solchen Sinneswandel bisher keine wirklichen Anzeichen. Gut möglich, dass der Krieg erst endet, wenn Putin stirbt.

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