Donald trump hat mit seinem Iran-Krieg gigantischen Schaden angerichtet - auch wenn er das Gegenteil behauptet.

Donald trump hat mit seinem Iran-Krieg gigantischen Schaden angerichtet - auch wenn er das Gegenteil behauptet. Foto: picture alliance / Captital Pictures | RS/MPI

Trumps Gotteskomplex zerstört die Weltordnung, die Wirtschaft und die NATO

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Donald Trump hält sich für einen König. Für einen gottgleichen sogar. Und für ein „stablies Genie”. Das lässt ihn Kriege wie jetzt im Iran beginnen, von denen er annimmt, diese seien von vorne herein gewonnen. Diese Hybis verändert die Welt in einem kaum gekannten Ausmaß . Auch zum Nachteil Trumps. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Mehr als ein Dutzend Mal hat Trump bereits den Sieg über den Iran verkündet. Gleichzeitig schickt er immer mehr US-Truppen in die Region, was eine (Teil-)Invasion des Iran immer wahrscheinlicher erscheinen lässt. Trump hat sich aber in eine Situation gebracht, die eigentlich keine guten Lösungen mehr zulässt – auf mindestens vier Feldern.

Das militärische Problem:

Noch etwa 3000 Ziele habe das US-Militär notiert, die es im Iran aus der Luft noch zerstören könne, prahlte Trump vor wenigen Tagen. Was sich nach Stärke anhört, ist in Wahrheit Schwäche. Denn auch Trump weiß, dass er so die wichtige Rohstoffpassage der Meerenge von Hormus nicht öffnen kann. Dazu müsste er mindestens die Öl-Insel Charg im Persischen Golf besetzen, womit er auch öffentlich liebäugelt. Doch dafür bräuchte er auch den angrenzenden iranischen Küstenstreifen. Und der ist wiederum ohne Stellungen im angrenzenden Gebirge nicht zu halten. Und damit wäre das US-Militär in einen Bodenkrieg verwickelt, der viele Experten an Vietnam denken lässt.


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Nachdem Trump derartige Bedenken im Vorfeld des US-Angriffs weggewischt hatte, scheint er dies nun auch zu verstehen. Offenbar sucht er deshalb eine Verhandlungslösung mit dem Regime in Teheran. Doch das macht momentan keine Anstalten zu verhandeln. Warum auch? De facto hat es momentan sogar die militärische Oberhand. Drohnen und Raketen sowie Zieldaten aus Russland setzen dem US-Militär mehr zu, als es den Anschein hat. Zahlreiche US-Stützpunkte in der Region sind zerstört und selbst die größte Militärmaschine der Welt – der Flugzeugträger „Gerald Ford“ – musste sich aus der Region zurückziehen, nachdem er „von 17 Seiten gleichzeitig“ angegriffen wurde, wie Trump selbst erklärte. (Die offizielle Erklärung für den Rückzug war ein selbst verursachtes Feuer an Bord). In der Straße von Hormus befindet sich bis heute kein einziges US-Kriegsschiff.

Neuorientierung in den Emiraten?

Und so hat das Weiße Haus nun durchsickern lassen, dass die USA den Krieg beenden könnten, ohne dass die Straße von Hormus wieder geöffnet ist. Das wäre mit einem erheblichen Gesichtsverlust der Supermacht verbunden. Und nicht nur das. Die Angriffe auf die Golfstaaten haben den US-Verbündeten gezeigt, dass die USA sie im Ernstfall kaum schützen (können). Womöglich arrangieren sich die Emirate also mittelfristig lieber mit dem Iran, als weiter auf die USA zu setzen. Eine Folge könnte sein, dass Ölgeschäfte am Golf dann nicht mehr in Dollar abgewickelt würden – was den Dollar als Leitwährung der Welt wohl den Todesstoß versetzen würde. Und selbst Israel könnte ohne die US-Verbündeten in der Region noch stärker unter Druck geraten als bisher schon. Vor allem die letzten beiden Erwägungen machen es wahrscheinlich, dass Trump versucht, die Lage mit Bodentruppen noch einmal herumzureißen.

Das Problem mit der eigenen Basis:

Trumps größtes Problem ist innenpolitisch. Denn seine Basis hat ihn für sein Versprechen gewählt, die „endlosen Kriege” der USA zu beenden und vor allem keine neuen zu starten. Sicher: Ein Großteil von Trumps Basis glaubt, was immer der große Anführer ihnen an Lügen und Märchen auftischt. Trotzdem sind inzwischen in Umfragen zwei Drittel der Amerikaner unzufrieden mit Trump. Nur Richard Nixon war unmittelbar nach der Watergate-Affäre noch unbeliebter. Trump selbst darf gar nicht mehr für eine dritte Amtszeit antreten. Seine Präsidentschaft wäre aber mausetot, sollten die USA einen selbst begonnenen Krieg schmachvoll verlieren.

Das Problem mit der NATO:

„Das ist nicht unser Krieg. Wir werden uns nicht daran beteiligen“, schallt es Trump nicht nur aus Europa ziemlich einhellig entgegen. Diese Zurückweisung bringt Trump auf die Palme. Seine Wut lässt er vor allem an der NATO aus. Die Verbündeten seien „Feiglinge“, polterte er. Mittwochnacht verkündete er dann sogar, er spiele mit dem Gedanken, aus der NATO auszutreten. Formalrechtlich sind die Vorwürfe Trumps natürlich absurd: Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das eigentlich nur aktiv wird, wenn eigenes Territorium angegriffen wird. Es ist nicht dazu da, die militärischen Scherben hinter einem Land aufzukehren, das unprovoziert in einer völlig anderen Weltregion einen Krieg beginnt. Politisch sind die Vorwürfe aber natürlich ein großes Problem. Denn zum einen sagen die USA nun, der Krieg in der Ukraine gehe sie eigentlich auch nichts an. Und zum anderen sind es schlechte Nachrichten, wenn die Beistandsklausel der NATO so sehr infrage steht. Womöglich versucht Trump sogar, die US-Truppen aus Europa abzuziehen.

Die Bundesregierung versucht sich in Krisen-Diplomatie. Friedrich Merz (CDU) hat signalisiert, dass sich die Bundeswehr nach Kriegsende an einer internationalen Mission am Persischen Golf beteiligen könnte. Er war zuvor bereits bei Trump in Ungnade gefallen. Andere Länder wie Spanien oder Italien sind in Trumps Augen noch schlimmer – sie verweigern den USA inzwischen die Nutzung ihrer Flughäfen, da sie den Iran-Krieg für völkerrechtswidrig halten. Zu diesem Ergebnis ist inzwischen auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags gekommen. Die Militärbasis Ramstein dürfen die Amerikaner trotzdem in vollem Umfang weiter nutzen. Konsequent ist das sicher nicht. Aber realpolitisch geboten. Jede Woche, die die Abschreckung von Putins Russland noch gemeinsam mit den USA einigermaßen funktioniert, ist gewonnene Zeit. Und der Kreml ist für Europa auch heute noch zehnmal gefährlicher, als es die Mullahs in Teheran jemals sein könnten.

Das Problem mit der Weltwirtschaft:

Der Preis für ein Barrel Öl liegt seit Kriegsbeginn bei über 100 Dollar. Vor dem Angriff kostete das Barrel etwa 70 Dollar. Das verteuert Energie weltweit erheblich und macht sich besonders an den Zapfsäulen bemerkbar. Doch das ist wohl nur der Anfang. Experten halten auch einen Preis von 200 Dollar für durchaus realistisch. Das liegt unter anderem daran, dass der Krieg Förderkapazitäten vernichtet hat. Der Iran greift Öl-Förderanlagen in Saudi-Arabien oder Kuwait an, Israel und die USA greifen iranische Kapazitäten an. Die beschädigten Quellen werden monate- wenn nicht jahrelang auf dem Weltmarkt fehlen. Dazu kommt, dass beispielsweise Riad gezwungen ist, Ölquellen von sich aus zu schließen, da es das viele geförderte Öl gar nicht mehr abtransportieren kann. Und noch ein weiterer Effekt tritt nun ein: China hat beispielsweise seine Ausfuhr von Kraftstoffen bereits stark eingeschränkt. Die Länder fangen in Anbetracht der Lage an, Öl und Kraftstoffe zu hamstern und horten, was den Preis zusätzlich in die Höhe treibt.

Während Notenbanken weltweit die Menschen auf höhere Zinsen wegen der steigenden Preise vorbereiten, scheint Trump das Problem bestenfalls halbherzig anzugehen. Seine Spender in der fossilen Energieindustrie dürften ob der hohen Preise gute Geschäfte machen und seine Umgebung scheint sich an dem Krieg bereichern zu wollen. Dafür sprechen auffällig am Markt platzierte Öl-Wetten, mit denen sich viel Geld verdienen ließ, als Trump zwischenzeitlich signalisierte, der Krieg werde bald enden. Zuletzt kam sogar der Verdacht auf, „Kriegsminister“ Pete Hegseth habe versucht, Insiderhandel zu betreiben, indem er massiv Aktien von Rüstungsunternehmen kaufte.

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Insgesamt wirkt es nach mehr als einem Monat Iran-Krieg so, als habe Trump etwas begonnen, was unabsehbare Folgen hat: für die Weltordnung, für die Weltwirtschaft und nicht zuletzt für die Weltmacht USA. Nun wird er wohl auf die harte Tour lernen, dass es in der Geschichte selten gut ausgegangen ist, wenn Herrscher dem Größenwahn verfallen sind.

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