Trump jubelt – und kaschiert damit nur seine krachende Niederlage
Für Donald Trump ist die Sache klar: Die USA hätten im Iran „alle militärischen Ziele erreicht und sogar übertroffen“, „fast alle bisherigen Streitpunkte“ seien geklärt, ein „goldenes Zeitalter“ breche an. So verkaufte er der Welt am Dienstagmorgen seinen „Deal“ mit dem Iran.
Die Realität sieht vollkommen anders aus. Von den (täglich wechselnden) Kriegszielen der USA wurde keines erreicht. Es gibt keinen Regimewechsel. Das angereicherte Uran wurde nicht gesichert. Das Raketenprogramm nicht zerstört.
Trump hat im Iran fast nichts erreicht
Nach sechs Wochen Krieg, Tausenden Toten, massiven wirtschaftlichen Verwerfungen und enormen Kosten kann Trump einzig verbuchen, dass im Iran viel zerstört wurde und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Offen war sie aber auch vor dem Krieg – mit dem Unterschied, dass der Iran jetzt weiß, welch enormes Druckmittel er in der Hand hält.
Auch die Angriffe auf die Nachbarländer können jederzeit wieder aufgenommen und zerstörte Anlagen repariert werden. Und die neue iranische Führung ist nach Einschätzung vieler Experten noch radikaler als die vorige.
Ansehen ruiniert, Aussichten unklar
Trump hat zudem alle Verbündeten in Europa und Asien vor den Kopf gestoßen, Putin gestärkt und das Ansehen der USA mit seinen wahnsinnigen Drohungen von der Auslöschung einer ganzen Zivilisation massiv beschädigt. Der Verlust des Vertrauens in die USA, dass in Washington am Ende rationale Politik gemacht wird, dürfte langfristig allerdings der größte Schaden dieses Krieges sein.
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Viel spricht dafür, dass Trumps Einlenken schlicht dem Druck steigender Ölpreise und einer sich unkontrolliert ausbreitenden Energiekrise geschuldet ist. Denn trotz Trumps Siegesgetöse ist unklar, wie ein dauerhafter Frieden aussehen sollte. Trump bezeichnete den Zehn-Punkte-Plan des Iran als „brauchbare Grundlage“ – doch dieser widerspricht allen bisherigen US-Interessen in der Region.
Schließlich steht da u.a. drin, dass sich die USA zurückziehen werden sowie der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus behält und künftig eine Art Maut kassiert. Auch die Zukunft des Atomprogramms, der Kern des Konflikts, ist ungeklärt. Entsprechend groß ist der Jubel im Iran, dort verkauft man den Deal ebenfalls als großen Sieg über die USA.
Obamas Iran-Deal war deutlich besser
2018 ist Trump unter großem Protest der Europäer aus dem unter Obama ausgehandelten Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Dieses besagte: Die Hormus-Straße bleibt frei, Iran begrenzt die Urananreicherung und verpflichtet sich, keine Nuklearwaffen zu bauen, internationale Inspektoren überwachen die Einhaltung. Das Abkommen war nicht perfekt, für Trump aber war es „der schlechteste Deal aller Zeiten“. Doch alles, was Trump bislang erreicht hat, ist deutlich schlechter.
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