Trump ist Chinas bester Mann – mit Folgen für Deutschland

Donald Trump und Xi Jinping am Donnerstag in Peking: Beide können sich gegenseitig wehtun. Doch diesmal ist Trump eher in der Rolle als Bittsteller angereist.
Donald Trump und Xi Jinping am Donnerstag in Peking: Beide können sich gegenseitig wehtun. Doch diesmal ist Trump eher in der Rolle als Bittsteller angereist.

China steht an der Schwelle zur Supermacht. Die einstige westliche Führungsmacht USA gibt vor, den weiteren Aufstieg des Riesen aus dem Fernen Osten stoppen zu wollen. Doch in vielen Bereichen bereitet US-Präsident Donald Trump Peking ungewollt den Weg an die Spitze. Leidtragender dieses Irrwegs ist nicht zuletzt Deutschland.

Allen verbalen Kraftmeiereien im Vorfeld zum Trotz: Donald Trump ist vor allem als Bittsteller nach Peking gereist. Er braucht wirtschaftliche Erfolge, die er daheim gut verkaufen kann. Aber noch wichtiger: Trump muss hoffen, dass Staatschef Xi Jinping seinen Einfluss in Teheran nutzt, um die Straße von Hormus endlich wieder zu öffnen. Wahrscheinlich wird Xi Trump dies sogar zusagen – aber einen politischen Preis dafür verlangen. Dieser könnte beispielsweise darin bestehen, dass die USA ihre Unterstützung für Taiwan zurückfahren oder sogar komplett stoppen.

China subventioniert hoch und forscht so viel wie nie

Doch das eigentliche Problem mit China liegt jenseits der klassischen Geopolitik. China ist in den vergangenen Jahren zu einem wirtschaftlichen Powerhouse geworden, das in vielen Forschungsbereichen inzwischen an der Weltspitze steht. Laut dem australischen „Strategic Policy Institute“ hat China in 69 von 74 (beobachteten) Technologienbereichen inzwischen die Führungsposition in der Forschung übernommen. Und in mehreren Bereichen hat China sogar bereits eine Monopolstellung. Tendenz steigend.

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Es ist eine ganz bewusste Strategie von Xi, die Führerschaft vor allem im Bereich der Hochtechnologie anzustreben. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt China auf unlautere Methoden – und westliche Naivität. Zu den unlauteren Mitteln gehören neben exorbitant hohen Subventionen für Staatsunternehmen auch Spionage und ein erzwungener Technologie-Transfer für westliche Unternehmen, die in China investieren wollen. Zu den Naivitäten gehört beispielsweise, dass selbst solche chinesischen Studenten an westlichen Universitäten oder Forschungslaboren zugelassen werden, die offen die Kommunistische Partei und deren Ziele unterstützen.

In der Autoindustrie wandern Arbeitsplätze nach China

Wie weit China dem Westen inzwischen den Rang abgelaufen hat, ist besonders gut in der Autoindustrie zu beobachten. In der deutschen Automobilbranche sind alleine 2025 Zehntausende Jobs verloren gegangen. Das hängt neben der Schlafmützigkeit deutscher Konzerne bei der E-Mobilität und nicht immer optimalen Rahmenbedingungen vor allem an China, das innovativ und billig arbeitet und versucht mit Kampfpreisen Marktanteile weltweit zu erobern.

Was hilft gegen diesen Trend? Vor allem Geschlossenheit! Würden die westlichen Länder eng zusammenarbeiten und eine gemeinsame Strategie verfolgen, könnte man zumindest die unlauteren Geschäftsmethoden Chinas viel besser kontern oder sogar stoppen. Zu denken wäre da beispielsweise an gemeinsame Exportkontrollen oder eine Beschränkung des chinesischen Zugangs zu westlichen Kapitalmärkten.

Donald Trump besuchte Peking diesmal als Bittsteller. Vor allem in Sachen Iran.
Donald Trump besuchte Peking diesmal als Bittsteller. Vor allem in Sachen Iran.

Doch von gemeinsamem Handeln ist der (ehemalige) Westen so weit entfernt wie der Vatikan vom Frauenwahlrecht. Und das hat vor allem einen Grund: Donald Trump. Dieser hält nichts von Allianzen und behandelt die potenziellen Verbündeten gegen China wahlweise wie Vasallen oder sogar wie Feinde. Besonders augenfällig wird dies bei Zöllen, die gegen Europa so hoch sind wie noch nie, aber gegen China bereits weitgehend wieder ausgesetzt wurden.

Wenn überhaupt beeindruckt Xi nur Geschlossenheit

Trump erreicht mit seiner imperialen Haltung das Gegenteil dessen, was er vorgibt erreichen zu wollen: Er hat die Europäer und viele andere geradezu in die Arme Chinas getrieben. Kanada, Großbritannien und Frankreich versuchen gerade, eigene Handelsabkommen mit Peking zu schließen. Auch deutsche Regierungsvertreter sind momentan auffällig häufig im „Reich der Mitte“ anzutreffen. Und auch Trump versucht bei seinem Besuch in Peking vor allem, für die USA exklusive Deals zu machen. Würde ihm das beispielsweise bei den für die deutsche Industrie so wichtigen „Seltenen Erden“ gelingen, wäre dies ein Schlag, von dem sich die europäische Wirtschaft so schnell nicht erholen würde.

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Für China ist das die beste Position, die es sich überhaupt ausmalen konnte: Statt sich mit einem einigermaßen geschlossenen Block und dessen Forderungen konfrontiert zu sehen, kann Xi nun mit einzelnen Ländern Verträge nach Lust und Laune abschließen. Die Verhandlungsmacht einzelner Länder gegenüber China ist immer eher gering. Selbst die der USA. Durch diese fehlende Geschlossenheit kann China den Westen endgültig in seine Einzelteile zerlegen und so auch seine wirtschaftliche Vormachtstellung ausbauen – am Ende auch auf Kosten von Arbeitsplätzen im Westen. Dass Trump China auch noch den Gefallen tut, in den USA Spitzenforschung durch Angriffe auf Universitäten oder seine strikte Zuwanderungspolitik zu schwächen, setzt seiner Ignoranz gegenüber China die Krone auf.

Trump ist für China wertvoller als Putin

Aus Sicht Pekings ist Trump also wohl vor allem ein nützlicher Idiot, der ihnen in die Karten spielt. Er ist für die Kommunistische Partei wohl sogar wertvoller, als Wladimir Putin es je sein könnte. Daran können die Europäer wohl erst mal nichts ändern. Aber sie können ihre Lehren aus der jetzigen Situation ziehen: Es gibt auch andere Länder, die sich in einer ähnlichen Lage gegenüber China und den Trump-USA befinden. Unsere künftige Durchsetzungskraft liegt in Bündnissen mit Ländern wie Japan oder Südkorea. Je vereinzelter wir agieren, desto katastrophaler werden die Ergebnisse am Ende für alle sein.