Schmutzkampagne? Ja, von der CDU!
Nach der verlorenen Landtagswahl in Baden-Württemberg wirft die CDU den Grünen eine Schmutzkampagne im Wahlkampf vor. MOPO-Reporterin Janka Seebeck schreibt in ihrem Kommentar, warum diese Debatte vom eigentlichen Problem ablenkt: der sexualisierten Wahrnehmung von Mädchen und Frauen im Alltag.
Die „Hagel-Debatte“ um die „rehbraunen Augen“ einer minderjährigen Schülerin verengte sich öffentlich schnell auf die Frage: Schmutzkampagne (der Grünen) oder Sexismus (von Hagel)? Diese Entweder-oder-Frage ist nicht nur unangebracht, sie verschiebt den Blick weg vom Kernproblem.
Nicht die Grünen führten eine Schmutzkampagne – es ist die CDU selbst. Nach der knappen Wahlniederlage in Baden-Württemberg werden die politischen Gegner verantwortlich gemacht und die Diskussion über Hagels acht Jahre altes Video wird zum Wahlmanöver umgedeutet. Der Schmutzkampagnen-Vorwurf soll von der eigenen Verantwortung ablenken und besonders vom eigentlichen Problem: der Sexualisierung von Mädchen und Frauen im Alltag.
Alltagssexismus in seiner versteckten Form
Das Video zeigt Hagel, wie er einen Schulbesuch während seines Wahlkampfes als besonders angenehm umschreibt, weil die Klasse aus „80 Prozent Mädchen“ bestand. Dann erzählt er von einer Schülerin – und nicht von ihrer klugen Frage, sondern von ihrem Aussehen und ihrer Augenfarbe.
Das könnte Sie auch interessieren: Mehr Cem wagen! Ohne diese linken Positionen haben die Grünen richtig Potenzial …
Das ist kein harmloser Scherz, kein Ausrutscher. Es ist Alltagssexismus in seiner versteckten Form: Mädchen werden nach Optik bewertet, nicht nach ihren Gedanken. Das hat System – weibliche Stimmen werden nicht ernst genommen. Indem die CDU die Diskussion auf die „Schmutzkampagne“ verschiebt, outet sie sich als Partei, die das Problem weder erkennt noch ernst nimmt. Beschämend.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.