Olympia, Super Bowl & Co.: Das „gute“ Amerika gibt es immer noch!
Trump, Trump, Trump: Wer in diesen Tagen an die USA denkt, denkt vor allem an den Wut-Sack im Weißen Haus. Doch die Olympia-Winterspiele in Italien und der Super Bowl vom Sonntag zeigen: Es gibt das „alte, gute“ Amerika noch immer. Und es denkt gar nicht daran, dem politischen Druck des Wüterichs nachzugeben.
Der US-Präsident kommt in diesen Tagen gar nicht mehr aus dem Schimpfen heraus. Zunächst musste er hinnehmen, dass sein Vize-Präsident J.D. Vance bei der olympischen Eröffnungsfeier in Mailand (leicht) ausgebuht wurde. „Die Leute mögen ihn doch!“, zeigte sich der US-Präsident ungläubig. In anderen Ländern ausgebuht zu werden, ist die eine Sache. Von den eigenen Mitbürgern kritisiert zu werden, ist für einen Super-Narzissten wie Trump aber bekanntlich unerträglich.
Der Super Bowl – ein identitätspolitisches Schlachtfeld
Die US-Sportler halten mit ihrer Meinung aber nicht hinter dem Berg. „Es bringt gerade gemischte Gefühle mit sich, die USA zu repräsentieren“, sagte beispielsweise US-Fahnenträger Hunter Hess in Mailand. Denn es passiere gerade viel „von dem ich kein Freund bin“, so der Skiläufer weiter. Ähnlich äußerten sich andere US-Athleten. Diese vergleichsweise vorsichtigen Einlassungen genügten bereits, um Trump ausflippen zu lassen: „Er ist ein totaler Verlierer“, ätzte der 79-Jährige über Hess.
Am Sonntagabend musste sich Trump gleich noch einmal empören. Da fand in Kalifornien der Super Bowl, das Finale der amerikanischen Football-Liga, statt. Traditionell gibt es dort eine gigantische Halbzeit-Show, die normalerweise nicht besonders politisch ist. Das war sie auch diesmal nicht. Eigentlich. Denn es waren Trump und sein direktes Umfeld, die den Super Bowl diesmal im Vorfeld zu einem identitätspolitischen Schlachtfeld gemacht hatten. Trumps Vertraute hatten zu einem Boykott der Halbzeit-Show aufgerufen. Und auch Trump war – anders als in der Vergangenheit – nicht persönlich erschienen. Die MAGA-Bewegung Trumps stellte sogar eine eigene alternative Halbzeit-Show auf die Beine – die angeblich „amerikanischer“ sei, als die offizielle Show.
Subtile Botschaften in der Halbzeit-Show
In der tatsächlichen Halbzeit-Show im Stadion hatte der Latino-Star „Bad Bunny“ seinen großen Auftritt. Er stammt aus Puerto Rico (und ist damit offiziell US-Bürger), singt auf Spanisch und hat Trump in der Vergangenheit vor allem für seinen Umgang mit Migranten kritisiert. Da – ähnlich wie bei Olympia – direkte politische Botschaften beim Super Bowl nicht erwünscht sind, setzte „Bad Bunny“ subtile Zeichen: Eine Plakatwand zeigte die Worte: „Das einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe.“ Zum Abschluss rief er „Gott segne Amerika“ – und nannte dabei zahlreiche nord-, mittel- und südamerikanische Nationen, während Tänzer deren Flaggen trugen.
Das genügte bereits, um Trump erneut ausflippen zu lassen. „Absolut furchtbar, eine der schlechtesten Shows jemals“, schrieb Trump in seinem sozialen Netzwerk „Truth Social“. Diese sei „ein Schlag ins Gesicht für die Größe Amerikas“. Die Tänze seien „widerlich“ (offenbar hatte Trump also doch die normale Show gesehen, nicht die Alternative seiner eigenen Bewegung).
Trump entgleitet langsam die Deutungshoheit
Warum fährt Trump wegen solcher scheinbarer Nebensächlichkeiten so aus der Haut? Er würde wohl gerne alleine darüber bestimmen, wer zu seinem „neuen“ Amerika gehören darf – und wer nicht. Gläubige, weiße Amerikaner „Ja“, Latinos eher „Nein“. Da stört es natürlich, wenn ein Latino das größte (Einzel-)Sportereignis der Welt dominiert, das auch immer schon der amerikanischen Selbstvergewisserung gedient hat.
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Spätestens mit der Ermordung zweier weißer US-Amerikaner durch die Einwanderungsbehörde ICE entgleitet Trump seine Deutungshoheit über das „neue“ Amerika. Das „alte“, demokratische und empathiefähige Amerika hat noch nicht abgedankt, wie bei den zwei Sportereignissen zu beobachten war. Den nächsten Beweis dafür wird es wohl auf der Münchner Sicherheitskonferenz am kommenden Wochenende geben. Neben US-Außenminister Marco Rubio kommen rekordverdächtige 50 hochrangige US-Politiker nach Deutschland. Die meisten wohl mit nur einer zentralen Botschaft: Trump ist nicht Amerika, es gibt auch noch die guten „alten“ USA. Wendet euch nicht von uns ab!
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