Krawall-Bruder Kubicki: Die FDP versenkt sich endgültig selbst

Henning Höne (l.) hat seine Kandidatur für den FDP-Vorsitz zugunsten Wolfgang Kubickis zurückgezogen.
Henning Höne (l.) hat seine Kandidatur für den FDP-Vorsitz zugunsten Wolfgang Kubickis zurückgezogen.

Wettbewerb ist der FDP heilig – es sei denn, es geht um die eigene Partei. Nach längerer Kandidatensuche läuft es nun auf Wolfgang Kubicki als neuen Parteichef der Liberalen hinaus. Sein Konkurrent Henning Höne zog zurück und will Vize hinter dem 74-Jährigen werden. Das Problem: Die Wette auf Kubicki kann eigentlich nicht aufgehen.

Die FDP ist in keiner leichten Situation. Sie ist innerhalb weniger Jahre zweimal aus dem Bundestag geflogen, in Landtage schafft sie es gar nicht mehr. Deshalb hat sich die Partei-Elite jetzt darauf geeinigt, auf die Person zu setzen, die in der Vergangenheit immer Aufmerksamkeit garantiert hat: Kubicki.

Der unernste Stil Kubickis schadet der FDP

Dabei gibt es aber ein Problem: Der eher unernste und krawallige Politik-Stil des Schleswig-Holsteiners hat maßgeblich zum Vertrauensverlust der Liberalen beigetragen.

Kurz nach der russischen Vollinvasion in die Ukraine erklärte er beispielsweise, er sehe „keinerlei“ Grund, die Nord-Stream-2-Pipeline nicht „schleunigst“ wieder zu öffnen. Während der Corona-Pandemie verstärkte er die Erzählungen von „Querdenkern“ und forderte mehr TV-Auftritte für diese Gruppe. Zur gleichen Zeit war er außerhalb der AfD der einzige Politiker, der den damaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bezichtigte, die Öffentlichkeit bewusst und systematisch in die Irre geführt zu haben. Die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Zwischenzeitlich wurde in der FDP sogar über ein Auftrittsverbot für Kubicki in Talkshows diskutiert, weil der notorische Provokateur die schnelle Schlagzeile einer präzisen Beschreibung der Wirklichkeit fast immer vorzog. Doch das Land und die FDP brauchen eigentlich keinen weiteren Krawall-Bruder, der vor allem sein Ego poliert und oft wie die AfD daherredet – sondern seriöse (liberale) Politiker, bei denen die Wähler das Gefühl haben, man könne ihnen vertrauen.

Kubicki: Ein Neuanfang ist so nicht möglich

Und trotz der Skepsis inner- und außerhalb der FDP soll es Kubicki jetzt richten. Er selbst versteht durchaus, dass er nicht für die Zukunft der Partei stehen kann. Warum er trotzdem antritt, bleibt sein Geheimnis – und das der FDP. Offenbar glauben viele, die Partei brauche nun vor allem Aufmerksamkeit und müsse irgendwie im Gespräch bleiben. Koste es, was es wolle. Das dürfte womöglich sogar gelingen.

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Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Kubicki noch weiteres politisches Kapital der Partei zertrümmert. Gleichzeitig blockiert der 74-Jährige einen personellen Neuanfang mit unbelastetem Personal. In der FDP gilt offenbar die Parole: Vorwärts in die Vergangenheit!