Junge AfD-Wähler: Um meine Generation zu verstehen, muss man diese eine Frage stellen

MOPO-Reporter Elias Lübbe blickt mit Unbehagen auf seine Generation.
MOPO-Reporter Elias Lübbe blickt mit Unbehagen auf seine Generation.

Mir ist die Kinnlade heruntergefallen, als ich das Ergebnis der Europawahl gesehen habe. 16 Prozent der 16- bis 24-Jährigen haben die AfD gewählt. Ein Wert, der fassungslos macht. Woher kommt dieser Rechtsruck? Wo ist der Spirit meiner Altersgenossen, der uns doch gefühlt gerade noch im Kampf gegen den Klimawandel zu Tausenden auf die Straßen getrieben hat? Um Antworten zu finden, muss man diese eine Frage stellen: „Generation Z, wie geht’s dir eigentlich?“

Klar, teilweise sind die AfD-Stimmenanteile bei den anderen Altersgruppen noch höher. Für mich als 19-Jährigen ist es dennoch beschämend, dass fast ein Sechstel meiner Generation die AfD gewählt hat. Eine Partei, die in Teilen gesichert rechtsextrem ist. Deren Mitglieder öffentlich die „Remigration“ von Millionen von Menschen mit Migrationshintergrund fordern.

18-Jährige, die ein Pappschild mit „Liberté, Egalité, Fck AfD“ in die Luft halten, musste man lange suchen

Eigentlich dachte ich, dass meine Generation anders tickt. Spätestens seit den „Fridays for Future“-Megademos war ich davon überzeugt, dass ich einer Generation angehöre, die für ihre Werte und ihre Zukunft kämpft. Dieses Vertrauen wurde bereits am Anfang des Jahres angekratzt. Denn bei der riesigen Anti-rechts-Demo auf dem Jungfernstieg habe ich erschreckend wenig Gleichaltrige gesehen. Da waren Rentnerinnen, Familien mit kleinen Kindern. Aber 18-Jährige, die ein Pappschild mit „Liberté, Egalité, Fck AfD“ in die Luft halten, musste man lange suchen.

Junge Erwachsene musste man auf der Anti-Rechts-Demo auf dem Jungfernstieg lange Suchen.
Junge Erwachsene musste man auf der Anti-Rechts-Demo auf dem Jungfernstieg lange Suchen.

Dann kam der Wahlsonntag. Und dann steht da schwarz auf weiß, dass die AfD im Vergleich zur vergangenen Europawahl bei den bis 24-Jährigen um elf Prozentpunkte zugelegt hat. Von fünf auf 16 Prozent. Das schmerzt. In diesen Tagen möchte ich meiner Generation, der sogenannten Generation Z, entgegenschreien: „Leute, checkt ihr das nicht? Es geht hier um unsere Zukunft!“

Doch schreien bringt nichts. Vielmehr muss man sich auf die Suche nach den Ursachen machen. Und dabei stößt man auf die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2024“. Sie liefert einen umfassenden Einblick in die Gefühlswelt der Generation Z: So gaben 51 Prozent der Befragten an, unter Stress zu leiden. 36 Prozent fühlen sich erschöpft. Erschreckende Zahlen.

Studienautor Simon Schnetzer sagt: „Unsere Studie dokumentiert eine tief sitzende mentale Verunsicherung mit Verlust des Vertrauens in die Beeinflussbarkeit der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen.“ Ein komplizierter Satz, der im Kern meint: Die Jugend denkt, dass eh alles im Eimer ist. Die Gründe liegen auf der Hand: Inflation, Wohnungsnot, der Blick auf die Rente. Diese Sorgen sind eine Chance für Populisten, die die Regierung für die Probleme verantwortlich machen und vermeintlich einfache Antworten präsentieren können.

„Linksradikale Schlepperorganisationen wie Sea Watch werden hofiert und mit Geld überhäuft“, behauptete zum Beispiel AfD-Spitzenkandidat Maximilian Krah, der inzwischen selbst bei den eigenen Leuten in Ungnade gefallen ist, in einem Video auf TikTok. Tausende Herzchen. Dass Krah jüngst in einem Interview gesagt hat, nicht jeder in SS-Uniform sei ein Verbrecher gewesen, scheint nicht ins Gewicht zu fallen. Gruselig.

AfD-Politiker Maximilian Krah hat mehr als 50.000 Abonennten auf TikTok. Die Partei hat verstanden, welches Potential die Plattform hat.
AfD-Politiker Maximilian Krah hat mehr als 50.000 Abonennten auf TikTok. Die Partei hat verstanden, welches Potential die Plattform hat.

Im Kurzvideo-Dauerflimmern hört sich das erst mal logisch an, was der Mann im Sakko da sagt. Er spricht die Zuschauer direkt an, wirkt seriös. Das scheint zu reichen. Die AfD weiß, dass sie auf TikTok auf Stimmenfang bei Erstwählern gehen kann. Die Partei hat früh das Potenzial der Plattform erkannt. Andere hinken hinterher.

Doch nicht nur TikTok ist für den Wahlerfolg der AfD bei jungen Wählern verantwortlich. Es geht auch um die gesellschaftlichen Umstände. „Wenn wir in Zeiten leben, in denen wir viel über Migration sprechen, dann ist es auch für rechte Parteien eine Chance, bei jungen Wählern zu punkten“, sagt der Wahlforscher Thorsten Faas. Das Wahlverhalten sei bei jungen Erwachsenen deutlich flexibler.

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Der hohe Zuspruch für die AfD zeigt, dass die Verfechter unserer Demokratie jetzt noch viel engagierter um die jungen Wähler kämpfen müssen – gerade mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Es geht um unsere Zukunft.