Donald Trump hat sich für einen Krieg gegen den Iran entschieden - und Warnungen in den Wind geschlagen.

Donald Trump hat sich für einen Krieg gegen den Iran entschieden – und Warnungen in den Wind geschlagen. Foto: picture alliance / CNP/AdMedia | CNP/AdMedia

Iran: Trumps planlose Kriegslust hat einen hohen Preis

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Donald Trump scheint Gefallen daran gefunden zu haben, quasi im Vorbeigehen feindlich gesinnte Regierungen zu „enthaupten“. Nach Venezuela zu Beginn des Jahres nun also das Mullah-Regime im Iran – doch dieses Mal könnte sich der US-Präsident verkalkuliert haben. Er verfolgt zwar erkennbar ein größeres strategisches Ziel. Sein Vorgehen wirkt allerdings ziemlich dilettantisch.

Warum Trump diesen Krieg ausgerechnet jetzt anfängt – darüber lässt sich trefflich spekulieren. Unbestreitbar ist, dass die Welt und der Nahe Osten ohne die Mullah-Diktatur besser dran wäre. Aber das ist nicht neu. Und US-Geheimdienste glauben, dass der Iran eher noch Jahre bräuchte, bis er eine Atombombe bauen könnte – auch wenn die Militärschläge auf Irans Atomanlagen im Juni wohl weniger erfolgreich waren, als Trump damals behauptet hat.

Ist der Iran-Krieg vor allem Ablenkung von den Epstein-Files?

Ähnliches gilt auch für ein Programm für Interkontinentalraketen des Iran. Eine unmittelbare Gefahr war also nicht gegeben – auch nicht für die Existenz Israels. Nur in einem solchen Fall wäre ein Angriff bei strenger Auslegung völkerrechtlich zulässig. Wobei man auch nicht erwarten kann, dass Israel zuschaut, bis die Mullahs eine fertige Bombe präsentieren.


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Um von seinen Verstrickungen in die Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein abzulenken, zieht Trump nun in den Krieg, spekulieren manche. Andere glauben, Israels Premier Benjamin Netanjahu habe Trump, unterstützt von Irans Intimfeind Saudi-Arabien, überredet, die Massaker an Oppositionellen im Iran als Anlass zu nehmen, die Mullahs endlich dauerhaft auszuschalten.

Das Problem dabei ist: Die Regierung Trump kann selbst nicht richtig erklären, welche Ziele sie verfolgt. Selbst Kanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte nach seinem jüngsten Besuch im Weißen Haus, er habe nicht den Eindruck, als gebe es einen Plan. Zunächst sagte Trump, er strebe einen Machtwechsel im Iran an. Im nächsten Interview sprach er dann von einem Deal mit den Mullahs. Auch über die Dauer des Krieges gibt es widersprüchliche Angaben. Zunächst war von „einigen Tagen“ die Rede, dann von einigen Wochen. Nur Netanjahu sagt, er wolle die Militär-Kampagne fortführen, „solange es nötig ist“.

Es geht nicht um Freiheit – sondern um China

Einiges spricht dafür, dass die Trump-Regierung darauf spekuliert hatte, dass das Regime in Teheran unter dem Eindruck des „Enthauptungsschlags“ zusammenbricht oder vom Volk hinweggefegt wird. Beides ist bisher nicht geschehen. Inzwischen verhandeln die USA bzw. die CIA offenbar mit den Kurden im Nordost-Iran, um mit ihnen als Bodentruppen das Regime in Teheran zu stürzen.

Man darf sich aber auch keine Illusionen machen: Trump geht es nicht darum, den Iranern Freiheit und Demokratie zu bringen. Oder einen bestimmten Kandidaten zu installieren. Er will primär eine Regierung in Teheran, die den USA und Israel wohlgesinnt ist. Dann dürfte sie auch gerne autoritär regieren.

Kräfte sollen für den Pazifik frei werden

Zu verstehen ist diese Herangehensweise vor allem, wenn man den Blick weitet – auf den Konkurrenzkampf zwischen den USA und China. Der Mullah-Iran ist ein enger Verbündeter Pekings. Vor allem in Energiefragen. China bezieht 13 Prozent seiner Öl-Importe aus dem Iran. Sogar fast die Hälfte seiner Importe kommt aus der Region über die Meerenge von Hormus, die der Iran jetzt geschlossen hat. Europa und die USA dagegen beziehen nur noch wenig Öl und Gas aus dem Nahen Osten.

Gelänge es, in Teheran ein US-freundliches Regime zu installieren, hätte China nach Venezuela in kurzer Zeit einen zweiten wichtigen Energielieferanten sowie engen Verbündeten in der für die eigene Versorgung so wichtigen Region verloren. Das wäre im Rennen der Supermächte schon ein Schlag ins Kontor.

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Und auch ein weiteres strategisches Ziel dürften Trumps Leute verfolgen: Mit den Mullahs und ihren Verbündeten wäre die entscheidende Gefahr für die amerikanische Dominanz in Nahost verschwunden. Das würde Ressourcen und Soldaten für den „Schauplatz Pazifik“ frei machen: In Trumps Regierung gibt es viele, die glauben, man müsse mittelfristig alle Mittel der USA gegen China konzentrieren, um es zu stoppen. Vor diesem Hintergrund ist auch der Versuch der Trump-USA zu sehen, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu befrieden – und koste es die Ukraine die Existenz.

Trump hörte nicht auf Warnungen seiner Militärs

Der Iran-Krieg kann also auch als Versuch der USA gewertet werden, China ein Bein zu stellen. Die Methoden sind dabei widersprüchlich, chaotisch und größenwahnsinnig – wie Trump eben auch. Da passt es ins Bild, dass der US-Präsident vor dem Angriff nicht einmal den Kongress einbezog – was er laut US-Verfassung eigentlich müsste. Und dass er Bedenken seines eigenen Generalstabschefs Dan Caine in den Wind schlug.

Dieser hatte wenige Tage vor dem Angriff gewarnt, der Iran sei militärisch deutlich besser vorbereitet als etwa Venezuela. Zudem drohten den USA selbst schnell Engpässe bei der Munition für wichtige Waffensysteme, erklärte er.

Erfolg oder Desaster – beides ist möglich

Trump entschied sich trotzdem für einen Angriff. Unter den Folgen leidet die ganze Welt: Die steigenden Energiepreise schaden der Weltwirtschaft (s. auch S. 8/9) ebenso wie die Unsicherheit, ob sich der Konflikt ausweitet. Im Prinzip gibt es jetzt grob zwei Möglichkeiten: Entweder das Mullah-Regime bricht zusammen. Dann stünde Trump als Sieger da. Womöglich könnte er durch einen überwältigenden Erfolg sogar China vor eigenen militärischen Abenteuern in Taiwan abschrecken.

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Das wahrscheinliche Szenario ist allerdings, dass das Mullah-Regime nach einem zähen Kampf überlebt. Dann würde es endgültig alles daransetzen, eine Atombombe zu entwickeln. Diese Lehre dürfte manch anderer Despot spätestens jetzt gezogen haben. Dann würde die Welt durch Trumps Iran-Krieg noch unsicherer.

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