Gregory Bovino ist leitender Beamter der US-Border Patrol. Er verteidigt selbst regelrechte Hinrichtungen seiner Beamten verbissen.

Gregory Bovino ist leitender Beamter der US-Border Patrol. Er verteidigt selbst regelrechte Hinrichtungen seiner Beamten verbissen. Foto: picture alliance / NurPhoto | Steven Garcia

Gregory Bovino: Die hässliche Fratze des Trumpismus

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Ein Jahr nach der Amtsübernahme von Donald Trump sind die USA kaum wiederzuerkennen. Das liegt auch an Männern wie Gregory Bovino. Der Chef des Grenzschutzes Border Patrol ist das Gesicht der radikalen Migrationspolitik der US-Regierung – oder besser gesagt: die hässliche Fratze des Trumpismus.

Bovino gilt schon lange als Scharfmacher. Schon vor Jahren forderte der heute 57-Jährige den Einsatz der Border Patrol auch im Inneren der USA. Das, gepaart mit markigen Sprüchen über Migranten, brachte ihm früh die Aufmerksamkeit von Trumps MAGA-Bewegung.

Inzwischen macht er Schlagzeilen wegen seiner Auftritte, die ein wenig an die 30er Jahre in Deutschland erinnern. Seine Beamten helfen der US-Einwanderungsbehörde ICE bei der Jagd auf illegale Migranten (so zumindest der offizielle Auftrag).

Bovino und die Täter-Opfer-Umkehr

Am Wochenende hatten Bovinos Beamte im Umfeld einer Razzia den weißen Krankenpfleger und US-Bürger Alex Pretti erschossen. Wenige Tage zuvor hatte es bereits einen ähnlichen Vorfall gegeben. Dieses Mal war es Bovino, der versuchte, seine vermummten Beamten in Schutz zu nehmen.

Er bediente sich dabei des ältesten Tricks im Repertoire autokratischer Macht: Der Polizist italienischer Abstammung machte Täter zu Opfern und andersherum: „Die Opfer sind die Grenzschutzbeamten“, sagt er gegenüber CNN. „Der Verdächtige hat sich selbst in diese Situation gebracht.“ Videos aus Minneapolis zeigen, dass Pretti zwar eine Waffe mit sich trug – diese war ihm aber bereits abgenommen worden, kurz bevor die Beamten mehrere tödliche Schüsse abfeuerten.

Bovino arbeitet aufs Engste mit Trumps ultrarechtem Strippenzieher Stephen Miller zusammen. Der stellvertretende Stabschef im Weißen Haus vertritt die harte Linie und will auf dem nun eingeschlagenen Kurs weitermachen. Er wirft den Demokraten und ihren Anhängern vor, sich mit „Terroristen“ einzulassen und lehnt einen Rückzug von ICE aus Minneapolis und anderen demokratisch regierten Städten strikt ab. Weder Bovino noch Miller sehen ein Problem darin, wenn ICE einen Fünfjährigen verhaftet – wie kürzlich geschehen.

Wirken die Proteste? Der Ton scheint sich zu ändern

Damit ermöglichen es Miller und Bovino vor allem dem US-Präsidenten selbst, etwas gemäßigter aufzutreten, ohne den harten Kern der eigenen Anhänger zu verprellen. Denn sowohl Trump als auch sein Vize-Präsident JD Vance mussten sich zuletzt moderater geben, nachdem die Proteste gegen das Vorgehen von ICE sogar aus den Reihen der eigenen Republikaner kommen. Und auch bei jedem fünften Wähler, der 2024 seine Stimme Trump gegeben hatte, kommt der ICE-Kurs laut Umfragen nicht gut an.

Trump erklärte jetzt, man werde den Fall Pretti „genau untersuchen“, und deutete einen ICE-Rückzug aus Minneapolis an. Ob dem auch Taten folgen, ist fraglich. Trotzdem ist der Ton anders als noch vor gut zwei Wochen, als Vance den ICE-Beamten nach der Tötung von Nicole Good „absolute Immunität“ zugesichert hatte.

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Inzwischen haben auch die demokratischen Ex-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton zu Protesten aufgerufen. Die Demokraten im US-Kongress basteln an Plänen, die Finanzierung von ICE in der Parlamentskammer zu stoppen. Denn Trump will die Behörde mit vielen Milliarden zusätzlich ausstatten: Er hat Bovino & Co. offenbar noch große Aufgaben zugedacht. Der Kampf gegen vermummte Polizisten auf den Straßen der USA hat also wohl gerade erst begonnen.

Eine Prophezeiung Trumps könnte wahr werden

Donald Trump hat vor mehr als zehn Jahren einmal gesagt, er könne in New York jemanden auf der Fifth Avenue erschießen und käme straffrei damit davon. Amerika sollte hart daran arbeiten, dass diese damals eigentlich als provozierender Witz gemeinte Aussage nicht auf bittere Weise Realität wird.

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