Ein Teilnehmerin einer Demonstration zum Weltfrauentag trägt ein Schild mit der Aufschrift «Feminis-muss».

Gleichberechtigung ist nicht nur ein Thema für Frauen. Foto: picture alliance/dpa | Focke Strangmann

Frauentag: Warum Männer keine Opfer sind – und der Kampf noch lange nicht vorbei ist

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Heute ist Weltfrauentag, und wie jedes Jahr hört man aus allen Ecken irgendwelche Leute brüllen, dass wir Frauen es übertreiben, inzwischen seien sogar Männer die eigentlich Diskriminierten. Nein. Wir sind noch immer nicht gleichberechtigt — und Männer werden deshalb noch lange nicht benachteiligt.

Ob in der Medizin, auf dem Arbeitsmarkt oder bei Alltagsprodukten: Frauen sind weiterhin strukturell im Nachteil. Der Gender Health Gap zeigt es deutlich: Frauen sterben doppelt so häufig an den Folgen eines akuten Herzinfarkts wie Männer. Und bei Autounfällen ist ihr Verletzungsrisiko höher, weil Crashtests meist mit Dummys gemacht werden, die auf männliche Körpermaße ausgelegt sind.

Wir müssen noch immer kämpfen, weil Frauen fast täglich ermordet werden

Wir müssen noch immer kämpfen, weil Frauen fast jeden Tag von ihren Ehemännern, Freunden oder Vätern ermordet werden. Wir müssen noch immer kämpfen, damit eine Frau frei entscheiden kann, ob sie Karriere, Familie, beides oder gar nichts davon will. Wir müssen kämpfen, nicht um Männer zu unterdrücken, sondern um zu verhindern, dass Männer ihre Macht auf Kosten anderer ausleben.

Wir müssen kämpfen, weil soziale Medien mit Hausfrauen-Influencerinnen geflutet werden, die lächelnd in ihren Töpfen rühren, während Frauenhasser wie Andrew Tate zu TikTok-Stars werden. Wir müssen kämpfen, weil ausgerechnet die „Gen Z“ im Vergleich zu anderen Altersgruppen die rückständigsten Vorstellungen von Rollenverteilung hat, wie das Meinungsforschungsinstitut Ipsos feststellte.

Fast jeder dritte Mann der „Gen Z“ meint, eine Ehefrau müsse ihrem Mann gehorchen

Wir müssen kämpfen, weil 57 Prozent der für die Ipsos-Untersuchung befragten Männer der Ansicht sind, die Gleichstellung von Frauen sei inzwischen so weit gefördert worden, dass nun Männer diskriminiert werden würden. Wir müssen kämpfen, weil fast jeder dritte Mann aus der „Gen Z“ meint, eine Ehefrau müsse ihrem Mann immer gehorchen. Bei den männlichen Babyboomern sind nicht einmal halb so viele dieser Meinung.

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Wir müssen kämpfen, weil noch immer zu viele Männer erwarten, dass ihre Frau sich im Bett wie eine Geliebte verhält und gleichzeitig wie ein Hausmädchen den Küchenfußboden schrubbt, ihre dreckige Wäsche wäscht, ihnen Essen kocht und sie bemuttert. Wir sollen unsere Körper opfern, um ihre Kinder zu gebären, und bei deren Erziehung dann die gesamte psychische Belastung (Mental Load) tragen. Währenddessen sollen Frauen bitte ewig jung, begehrenswert, belastbar und schön bleiben, während bei ihm die Haarlinie längst Richtung Nacken wandert.

Wir müssen kämpfen, weil hart erkämpfte Frauenrechte unter Beschuss stehen

Wir müssen kämpfen, weil der Fortschritt, den wir errungen haben, wieder verloren geht – sei es in Form traditioneller Rollenbilder oder eines sinkenden Frauenanteils in Führungspositionen und der Politik. Wir müssen kämpfen, weil hart erkämpfte Frauenrechte weltweit unter Beschuss stehen. Wir müssen kämpfen, weil die einzige bislang verurteilte Person in den Epstein-Akten eine Frau ist.

Gleichberechtigung ist nicht nur ein Thema für Frauen. Sie ist vor allem auch ein Thema für Männer. Für Männer, die bei ihren Freunden genau hinsehen müssen, sie zur Rede stellen, wenn sie frauenfeindliche Dinge tun oder sagen, und einschreiten, wenn sich viel zu alte Kerle an offensichtlich minderjährige Mädchen ranmachen.

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