FDP: Kubicki dürfte bald lernen, wo der Hammer tatsächlich hängt

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (l.) forderte Wolfgang Kubicki heraus – und unterlag mit 40 Prozent der Stimmen.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (l.) forderte Wolfgang Kubicki heraus – und unterlag mit 40 Prozent der Stimmen.

Eines ist der FDP mit ihrem jüngsten Bundesparteitag gelungen: Sie ist mal wieder für einige Tage in den Schlagzeilen. Dass der neue Vorsitzende Wolfgang Kubicki die FDP für mindestens fünf Prozent der Bundesbürger wieder wählbar macht, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Zu viel Egomanie, zu wenig Teamgeist, dazu ein völlig unklarer Kurs.

Wolfgang Kubicki hat es erkennbar als Majestätsbeleidigung empfunden, dass es die linksliberale Marie-Agnes Strack-Zimmermann gewagt hatte, in einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz gegen den 74-Jährigen anzutreten. Sie holte aus dem Stand 40 Prozent der Delegierten-Stimmen, für den Schleswig-Holsteiner votierten allerdings 60 Prozent.

Überzeugungen? Kubicki spielt die Rolle, die ihm nutzt

Ein durchaus üblicher Vorgang, der aber vor allem bei Kubicki-Anhängern für blanken Zorn sorgt. Er ist wegen des „Störmanövers” nicht wie erhofft als strahlender Sieger und alleiniger Retter aus dem Parteitag hervorgegangen. Der Vorgang zeigt: Die FDP ist gespalten. In einen klassisch links-liberalen Teil und einen, der Kubickis Talent zum Opportunismus irgendwie für eine Lösung hält. Kubicki stand in der FDP schon für alles Mögliche: Mal war er ein glühender Grünen-Freund, dann ein erbitterter Gegner, mal befürwortete er die „Brandmauer” zur AfD, mal verteufelt er sie (aktuell will er angeblich wieder Abstand halten). Mal gab er den Parteirebellen, mal den „Elder Statesman”, dann wieder den Corona-Leugner. Immer das, was am Schlagzeilen-trächtigsten ist.

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Und noch auf dem Parteitag gab Kubicki Einblick in seine wohl größte Schwäche: Er ist ein Egomane, kein Teamspieler. Auf die Frage, wie er gedenke, die 40 Prozent einzubinden, die Strack-Zimmermann gewählt haben, antwortete er tatsächlich: „Gar nicht”. Und ihr selbst rief er über die Medien zu: „Jetzt weißt du, wo der Hammer hängt”. Ein solches Verhalten ist so typisch wie es kurzsichtig ist. Eine Partei, die bundesweit in Umfragen um die drei Prozent dümpelt, braucht alle Parteimitglieder an Bord. Und ein Parteivorsitzender, der nicht einmal versucht, seine Gegner einzubinden, sondern kleingeistig nachtritt, bringt wohl kaum die Qualitäten mit, die vor allem bürgerliche Wähler von der FDP schon immer erwartet haben.

Die kommenden Niederlagen sind Kubickis Niederlagen

Und so liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Wähler Kubicki und seinen Anhängern noch in diesem Jahr zeigen werden, „wo der Hammer tatsächlich hängt”: Indem sie die Partei auch aus den Landtagen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werfen. Sollte es so kommen, liegt das dann maßgeblich an Kubicki. Denn das Potenzial einer liberalen Partei ist in Deutschland grundsätzlich hoch: weniger Staat, ordentliche Haushalte und wirtschaftliche Vernunft werden von Wählern durchaus nachgefragt. Kubicki ist zuletzt aber mehr mit markigen Sprüchen („Dem Eierarsch zeig ichs” – zum Kanzler) und einem „AfD light”-Kurs aufgefallen. Sollte es dabei bleiben, ist das zum Scheitern verurteilt. Erfahrungsgemäß wenden sich Wähler dann lieber gleich dem Original zu.