Die Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umfassen etwa eine Millionen Seiten - bisher ist etwa die Hälfte veröffentlicht.

Die Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umfassen etwa eine Millionen Seiten - bisher ist etwa die Hälfte veröffentlicht. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jon Elswick

Epstein-Akten: Langsam versteht man, warum Trump & Co. Angst haben

kommentar icon
arrow down

Die Akten des 2019 verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein waren schon immer politisch – allein schon deshalb, weil der US-Präsident einen monatelangen Eiertanz aufführte, um eine Veröffentlichung zu verhindern. Inzwischen sind, erzwungen durch den US-Kongress, etwa 50 Prozent der Akten zu dem Fall zugänglich, wichtige Teile werden aber nach wie vor zurückgehalten. Gerichtsfeste Beweise lassen sich darin bisher nicht finden. Aber es entsteht ein Eindruck, der Manches in neuem Licht erscheinen lässt. Unter anderem die AfD.

Die britische „Daily Mail“ berichtet, dass das Netzwerk um Epstein Teil einer russischen Geheimdienst-„Honigfalle“ gewesen sein könnte. Demnach habe Epstein mächtigen Männern in den USA junge Frauen und Minderjährige zugeführt – um sie später mit heimlich gesammeltem Material zu erpressen. Tatsächlich taucht allein Wladimir Putin 1056 mal namentlich in den bisher veröffentlichten Akten auf. Russland wird mehr als 9600 Mal erwähnt. Epstein rühmte sich in verschiedenen E-Mails immer wieder seiner guten Kontakte nach Moskau. Selbst nach seiner ersten Verurteilung wegen Sex mit Minderjährigen 2008 soll Epstein noch persönlich von Putin empfangen worden sein.

Donald Trump könnte durch Russland erpressbar sein

Natürlich sind Erwähnungen in E-Mails keine gerichtsfesten Beweise. Aber nimmt man trotzdem an, die „Honigfallen“-Theorie ist richtig, ergibt vieles plötzlich Sinn: Beispielsweise Trumps „Samthandschuhe“ gegenüber Putins Kriegsverbrechen in der Ukraine. Dass Trump lange aufs Engste mit Epstein befreundet war, ist bekannt. Wahrscheinlich hat er sich auch auf „Epstein Island“ vergnügt. Heute ist klar, dass die Insel mit technischer Überwachung nur so vollgestopft war. Gibt es also Beweise, die Trump als Sexualstraftäter überführen würden? Oder die zeigen, dass er selbst aufs Engste mit einem mutmaßlich russischen Netzwerk „verbandelt“ ist?



Solange die Akten nicht vollständig veröffentlicht sind, kann man sich nur auf Indizien stützen. Dass Microsoft-Gründer Bill Gates sich eine Geschlechtskrankheit bei einer jungen Russin eingefangen haben soll (und dann versuchte, seiner Frau heimlich Antibiotika ins Essen zu mischen), ist nur eine Randnotiz – auch wenn es auffällig viele Russinnen in dem Sex-Netzwerk gab. Trump hat dafür gesorgt, dass Ghislaine Maxwell – langjährige Lebensgefährtin und „Puffmutter“ Epsteins – nach ihrer Verurteilung Hafterleichterungen erhielt. Er wünsche ihr „nur das Beste“, hatte er vor einigen Monaten erklärt (für die Epstein-Opfer hat Trump bis heute kein Wort des Bedauerns gefunden). Geheimdienst-Experten gehen laut „Daily Mail“ davon aus, dass Epstein einst durch Ghislaine Maxwells Vater Robert Maxwell in die Welt der Spionage eingeführt wurde. Dieser starb einen ähnlich seltsamen Tod wie Epstein selbst, der sich in einer New Yorker Gefängniszelle umgebracht haben soll: Robert Maxwell stürzte mitten in der Nacht von seiner Yacht in den Atlantik.  

Donald Trump: „Das schadet meinen Freunden“

Wie panisch Trump auf den Epstein-Fall reagiert, enthüllte nun auch Marjorie Taylor Greene. Die republikanische Politikerin war lange eine glühende Verehrerin Trumps – bis sie wegen der Epstein-Files mit ihm brach. Nun berichtete sie von einem denkwürdigen Telefonat mit dem US-Präsidenten aus dem November, in dem dieser sie anschrie, er könne die Epstein-Akten nicht veröffentlichen, weil diese „meinen Freunden schaden“. Tatsächlich taucht neben Trumps aktuellem Handelsminister Howard Lutnik, ihm selbst und vielen anderen auch Elon Musk mehrfach in den Akten auf, der auf die „wildesten Partys“ von Epstein eingeladen werden wollte.

Ebenfalls in den Akten: der langjährige Chefstratege Trumps, Steve Bannon. Auch dieser nutzte die sexuellen „Dienstleistungen“ Epsteins. In mehreren Mails bot er einer unbekannten Person (die Empfängerdaten sind geschwärzt) 2018 an, über die AfD und andere Russland-nahe, rechtspopulistische Parteien Einfluss auf die Regulierung von Krypto-Währungen in der EU zu nehmen. Dass die AfD-Abgeordneten in der darauffolgenden Wahlperiode im Europaparlament gegen eine Regulierung stimmten, sei „sicher einfach Zufall“, sagt CDU-Außenpolitiker Johannes Volkmann sarkastisch.

Bannon diskutierte über die Nützlichkeit von AfD-Politikern

Zudem hat Bannon mit der unbekannten Person in mehreren E-Mails über das Spitzenpersonal der AfD und deren Nützlichkeit für die gemeinsamen Interessen diskutiert. Über Björn Höcke urteilte Bannon beispielsweise, dieser spreche zwar viele Menschen an, verschrecke aber durch seine Radikalität womöglich auch Unentschlossene. Einen direkten Kontakt der AfD zu Epstein belegen die Akten allerdings nicht.

Das könnte Sie auch interessieren: Zwei Hamburger Schwestern entgingen Epsteins Missbrauchs-Masche

Trotzdem entsteht langsam der Eindruck, dass es um Epstein herum ein großes Netzwerk sehr einflussreicher Menschen gegeben hat – mit Trump mittendrin – die aufgrund ihrer sexuellen Vorlieben durch Russland und womöglich auch andere Länder erpressbar sind. Langsam versteht man, warum Trump Angst vor einer Veröffentlichung der Akten hat(te) und die AfD zu dem Vorgang bisher komplett schweigt.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test