Debatte um Krankentage: Merz‘ Pranger ist gefährlich
Friedrich Merz ist bekannt für harte Ansagen, die oft eines sind: Provokationen. Nun schoss der Bundeskanzler gegen die Kranken des Landes. Die Botschaft: zu viele Fehltage, zu faul, schlicht zu weich. Die Problemlösung hat der CDU-Mann dann auch gleich parat: Die telefonischen Krankschreibungen gehören abgeschafft, weil dann die Faulenzer von den Ärzten nicht mehr krankgeschrieben werden würden. Dann erhole sich auch die Wirtschaft!
Ja, beinahe 15 Fehltage pro Jahr sind viel. Doch der Rückschluss, dass diese Fehlzeiten auf „blaumachen“ zurückzuführen sind, ist schlicht Unfug. Sicherlich gibt es auch hier Menschen, die das System ausnutzen, aber Merz‘ Pauschalisierungen sind gefährlich. Er spaltet mehr, als dass er wirklich eine Debatte anstößt. Was Merz nämlich nicht sagt: Die häufigsten Ursachen für Krankmeldungen sind Atemwegserkrankungen, die seit der Corona-Pandemie zugenommen haben, Rückenleiden und psychische Erkrankungen. Letzteres ist ein klares Indiz für Überlastung und Erschöpfung.
Friedrich Merz hat Angst vor Widerstand in der CDU
Merz stellt Menschen, die krank sind, mit seiner Kritik an den Pranger. Er lenkt dabei von Themen ab, die in der Debatte um die deutsche Wirtschaftskraft tatsächlich geführt werden sollten: Wie der Fachkräftemangel in vielen Bereichen. Oder eine wirkliche Rentenreform mit Anhebung des Renteneintrittsalters. Oder eine Reform der Krankenkassen mit Abschaffung der Privatversicherungen. Die Liste lässt sich weiter fortführen.
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Diese Themen aber scheut der Kanzler nur zu gern. Vermutlich aus Angst vor Widerstand in der Wählerschaft und den eigenen Reihen. Dafür packt er lieber die verbale Keule aus und stellt jeden, der eine Krankmeldung einreicht, unter Generalverdacht.
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