Aus für den Acht-Stunden-Tag? Arbeit darf nicht krank machen!
Die schwarz-rote Bundesregierung will das deutsche Arbeitszeitgesetz ändern: Es soll flexibler werden und so der Wirtschaft helfen. Die Gewerkschaften sind schon jetzt auf Zinne. Dort hegt man den Verdacht, es könnte sogar zu einem generellen Dammbruch bei den Arbeitszeiten kommen – und auch die 48‑Stunden-Arbeitswoche könnte fallen. Das ist – Stand jetzt – zwar nicht geplant. Trotzdem ist die Hab-Acht-Stellung des DGB richtig.
CDU/CSU und SPD haben sich eine Flexibilisierung der Arbeitszeit in den Koalitionsvertrag geschrieben. Das momentane Gesetz sieht vor, dass normale Angestellte nur acht Stunden pro Tag arbeiten dürfen (Ausnahmen möglich) bei maximal sechs Arbeitstagen pro Woche. Die Bundesregierung will vor allem den Acht-Stunden-Tag kippen: Künftig soll es auch möglich sein, an manchen Tagen mehr zu arbeiten, an anderen dafür weniger. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigte nun an, dass sie bereits im Juni einen entsprechenden Gesetzentwurf vorstellen will.
Bis zu 13 Stunden am Tag arbeiten?
Die Details dazu sind noch gar nicht bekannt, aber die Aufregung ist bereits groß. Vor allem eine Befürchtung hegen die Gewerkschaften, die den Acht-Stunden-Tag als eine ihrer zentralen Errungenschaften betrachten: Dass Menschen künftig bis zu 13 Stunden am Stück arbeiten müssen. Der Wert ergibt sich aus den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten von mindestens elf Stunden pro Tag. Wer dann noch eine lange An- und Abfahrt von der Arbeitsstelle hat – dessen Tag wäre wirklich nachhaltig ruiniert. Und nicht nur das: Studien belegen gut, dass zu viel Arbeit an einem Tag auf Dauer die Gefahr von Krankheiten und Arbeitsunfällen deutlich erhöht und gleichzeitig die Produktivität sinkt. Das darf nicht das neue Normal werden!
DGB-Chefin Yasmin Fahimi gibt sich auch vor diesem Hintergrund kämpferisch. Ihr Schlachtruf: „Finger weg von der Acht!” Sie nennt das Vorhaben einen „Kniefall vor den Arbeitgebern”. Diese wiederum verteidigen den Plan: Die Umstellung würde ja nichts an der vertraglich festgelegten Wochenarbeitszeit ändern, argumentiert beispielsweise die Vereinigung „Gesamtmetall”. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann will in dem neuen Modell sogar eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkennen.
Vor allem für die SPD ist das Vorhaben heikel
Doch das Misstrauen bleibt. Das liegt wohl nicht zuletzt an Kanzler Friedrich Merz (CDU), der fast keine Gelegenheit auslässt, zu erwähnen, dass die Deutschen wieder mehr arbeiten müssten. Es ist deshalb durchaus richtig, dass die Gewerkschaften ihren Widerstand schon jetzt deutlich machen. Das verhindert womöglich andere, größere „Anpassungen” beim Arbeitszeitgesetz.
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Für den Kanzler ist das Vorhaben politisch nicht besonders heikel. Für die SPD allerdings schon. Bas bemüht sich zwar immer wieder, zu betonen, dass eine Änderung der Arbeitszeiten mit der verpflichtenden Einführung der elektronischen Arbeitszeiterfassung einhergehen soll und wird („Es soll ja nicht ausbeuterisch werden!”) – allerdings trifft die SPD eben doch ihre eigene, sowieso schon schrumpfende Klientel. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit übersteht die SPD vielleicht sogar noch. Würde sie allerdings eine wirkliche Ausweitung der Wochenarbeitszeit zulassen, wäre das wohl ihr politisches Ende.