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Donald Trump will Europa unterwerfen. Lassen wir das zu? Foto: Imago/YAYimages

Amerika ist weder Freund noch Partner – begreift das endlich!

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Donald Trump legt die Axt an den wichtigsten Pfeiler der Weltordnung – die NATO und das westliche Bündnis – und niemand weiß, wie die Welt im Frühjahr aussehen wird. Sicher ist nur: Die alte Weltordnung gibt es nicht mehr. Die USA agieren wie Russland. Und für Europa geht es um alles.

Die Ankündigung Donald Trumps per Social-Media-Post, Deutschland und weitere Unterstützer Dänemarks und Grönlands mit neuen Zöllen zu überziehen, weil sie seine Annexionspläne nicht teilen, hat Schockwellen durch Europa gejagt. Und man fragt sich: Warum seid ihr alle so überrascht?

Die ersten sagen schon: Gebt Trump doch Grönland

Ja, Trump und seine faschistischen Unterstützer erpressen uns. Sie denken sich absurde Begründungen aus. Sie halten sich nicht an Absprachen. Und ja, sie führen sich auf, als würde ihnen die Welt gehören. Das kennen wir seit einem Jahr.

Neu ist, dass Trump in seinem neoimperialistischen Wahn jetzt auch Verbündeten Land wegnehmen will. Einfach, weil er’s kann. Und will.

Die ersten sagen schon: Gebt ihm doch Grönland. Was macht es für einen Unterschied für den normalen Hamburger, Pariser oder Budapester, welche Fahne auf der riesigen Eismasse weht?

Ein Wirtschaftskrieg mit den USA würde uns selbst massivst schaden

Da ist was dran. Eine massive Eskalation, ein offener Wirtschaftskrieg mit den USA, wird uns alle deutlich ärmer machen als die Abtretung einer spärlich besiedelten Insel im Nordpolarmeer, die eher strategische Bedeutung hat.

Hier geht es also ums Prinzip. Um das Selbstverständnis Europas. Sind wir so schwach, dass andere sich einfach unser Territorium nehmen können? Sind wir so bequem und uneins, dass wir uns nicht wehren können, wenn die Großmächte dieser Welt uns erpressen, bedrohen, nötigen?

Und auch jetzt liest man überall, Europa benötige nun mal die amerikanischen Sicherheitsgarantien zur Abschreckung Russlands, Trump säße daher am längeren Hebel.

Wer glaubt denn noch an die amerikanischen Sicherheitsgarantien?

Aber mal ehrlich: Glaubt irgendwer, die Amerikaner würden für das Baltikum einen Atomkrieg riskieren oder Hunderttausende Soldaten nach Europa schicken, weil Russland die finnische Grenze nach Westen verschieben will?

Das war schon früher fraglich, jetzt ist glasklar: Nein, die Amerikaner werden uns nicht gegen ein aggressives Russland helfen. Sie verhalten sich ja selbst wie ein neoimperialer Staat, der nach Belieben Länder bombardiert, Staatsführer entführt und andere als koloniales Anhängsel begreift, dem man seinen Willen aufzwängt.

Die USA zerstören die mächtigste Allianz der Weltgeschichte. In Peking und Moskau können sie ihr Glück kaum fassen. Und Europa muss endlich begreifen, dass die Amerikaner keine Freunde mehr sind, nicht mal Partner, und es auch absehbar nicht mehr sein werden.

Europa ist selbst schuld an seiner Schwäche

Die Amerikaner sind vielleicht verrückt geworden, aber schuld an unserer Misere sind wir selbst. Wir haben nach dem russischen Überfall vor vier Jahren nicht entschieden genug gehandelt. Alle Warnungen vor einer Wiederwahl Trumps wurden ignoriert. Wir haben keine eigene atomare Abschreckung auf den Weg gebracht, die europäischen Armeen nicht schnell genug aufgebaut, keine flächendeckende Wehrpflicht eingeführt, uns nicht um unsere eigene Sicherheit gekümmert.

Wir kaufen weiter amerikanische Staatsanleihen und Rüstungsgüter in rauen Mengen, lassen US-Tech-Konzerne unseren politischen Diskurs und die Hirne unserer Jugend vergiften, wir begeben uns bei Künstlicher Intelligenz erneut in die nächste fatale Abhängigkeit. Unser Finanzsystem würde bei amerikanischen Sanktionen zusammenbrechen und wir haben russisches durch amerikanisches Gas ersetzt, weil wir uns zu fein sind, selbst welches zu fördern.

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Und doch: Wenn die EU jetzt nachgibt, war es das. Dann weiß jeder: Mit Europa kann man machen, was man will. Es ist ja auch nicht so, dass wir keine Druckmittel hätten. Wir trauen uns nur nicht, sie einzusetzen. Weil wir wissen: Die Abnabelung von den USA wird teuer, schmerzhaft und endgültig sein.

Aber nötig ist sie ohnehin. Und teuer und schmerzhaft wäre es auch für die USA. Drohpotenzial gibt es genug. Wir könnten morgen Medikamenten-Lieferungen aussetzen, auf die Millionen Amerikaner angewiesen sind. Wir könnten die Tech-Konzerne so hart regulieren, dass es einen epischen Börsencrash gibt. Wir könnten den Kauf von US-Anleihen stoppen, was einen Dollarcrash auslösen dürfte. Oder den Amerikanern die Nutzung ihrer europäischen Militärbasen untersagen, was ihr Machtpotenzial dramatisch einschränken würde. Die Liste ließe sich noch lange fortführen.

Die NATO ist tot – begreift es endlich

Das alles will natürlich niemand. Wir würden vermutlich auch stärker leiden als die Amerikaner. Und das alles für Grönland? Fürs Prinzip?

Eine Sache müssen wir uns dabei klar machen: Die transatlantische Freundschaft ist tot. Je schneller wir das begreifen, desto besser. Und je länger wir versuchen, Trump zu beschwichtigen, desto schlimmer wird es. Er regiert gerade mal ein Jahr. Und er legt jedes Zugeständnis als Schwäche aus. Europa kann jetzt geeint agieren und ein großes Stoppschild auf Grönland aufstellen. Oder es wird künftig zerrieben zwischen den USA, China und Russland.

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