1418 Tage Angriffs-Krieg: Putins historische Blamage
Eigentlich sollte die „militärische Spezialoperation“ nur drei Tage dauern: Nun erreicht der volle Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eine Wegmarke, die eine Blamage für Machthaber Wladimir Putin darstellt: Der Angriff dauert ab nun länger als der „Große Vaterländische Krieg“ der Sowjetunion gegen Nazideutschland – mit dem Unterschied, dass Putin eigentlich keinerlei Erfolg vorzuweisen hat.
In Russland kennt jedes Schulkind diese Zahl: 1418 Tage dauerte es für die damalige Sowjetunion, die Wehrmacht nach ihrem Überfall unter hohen Verlusten zurückzuschlagen und in Berlin die sowjetische Fahne über dem Reichstag zu hissen. Putin hat diesen wohl wichtigsten Sieg in der Geschichte des Landes schon immer für sich propagandistisch zu nutzen gewusst. Im „Museum des Großen Vaterländischen Kriegs“ in Moskau hängt in der Souvenir-Abteilung wie selbstverständlich ein Wandkalender Stalins neben einem von Putin. Bei der Gedenkparade in Moskau an das Kriegsende am 9. Mai stehen (neben Putin) noch lebende Veteranen immer im Mittelpunkt. Und Putin lässt seine Propaganda noch heute verbreiten, man kämpfe in der Ukraine gegen Nazis. „Wie damals“, lautet die Botschaft an die Russen. Kurz gesagt: Für Putins Regime stellt der Kampf gegen Nazideutschland bis heute ein wichtiges Element der eigenen Legitimation dar.
Im Donbas ist Putins Militär 80 Kilometer weit gekommen
Umso peinlicher ist es für Putin, dass sein Angriffskrieg gegen die Ukraine inzwischen länger dauert als der Zweite Weltkrieg für die Sowjetunion (in Europa). Während sich die Rote Armee bis nach Berlin durchkämpfte, ist es Putins Militär lediglich gelungen, beispielsweise im Donbas zwischen 40 und 80 Kilometer weit zu kommen. Es würde nicht überraschen, wenn die Zahl der Gefallenen dabei pro erobertem Quadratkilometer in ähnlicher Höhe liegen würde wie zwischen 1941 und 1945. Aber natürlich ist die Zahl der Gefallenen in Russland streng geheim.
Im russischen Staatsfernsehen ist in diesen Tagen interessanterweise nicht die Rede vom „großen vaterländischen Krieg“, obwohl das in der Vergangenheit immer ein großes und beliebtes Thema war. Offenbar ist man sich auch dort bewusst, wie schlecht und dilettantisch ein Vergleich mit dieser Zeit Putins Krieg aussehen lassen würde. Und natürlich sind die beiden Konflikte unter einer ernsthaften historischen Analyse nicht vergleichbar: Die Sowjetunion wurde von einem faschistischen Regime überfallen, Putins Russland ist hingegen selbst unprovoziert in die Ukraine eingefallen.
Die nächste blamable Wegmarke kommt im Juni
Im Juni könnte die nächste für Putin peinliche Wegmarke anstehen. Dann würde sein Krieg gegen die Ukraine länger dauern als der Erste Weltkrieg für Russland dauerte. Dieser endete bekanntlich mit einer militärischen Niederlage und einem Regimewechsel in Moskau und St. Petersburg. Ob Putin manchmal daran denkt?
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Noch scheint der Kreml-Herrscher nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit zu sein. Wohl auch, weil er sein Minimalziel – eine vollständige Eingliederung von Donezk und Luhansk in die Russische Föderation – militärisch bisher nicht erreichen konnte. Bleibt die Ukraine und Europa hart und nehmen Trumps USA weiter gezielt Russlands Verbündete (Iran, Venezuela) und seine Schattenflotte (wie kürzlich im Atlantik) ins Visier, könnte sich auch Putins Haltung noch in diesem Jahr ändern. Das „Menschenmaterial“, das er skrupellos an die Front werfen kann, geht Putin vermutlich nicht so schnell aus. Aber irgendwann wird sich auch Putin von den Russen fragen lassen müssen: Wie lange soll das sinnlose Sterben noch weitergehen?
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