Chip-Krise: Niederlande gibt Kontrolle über Nexperia an China ab – Hamburg betroffen
Kehrtwende im Chip-Streit zwischen Europa, den USA und China: Im Konflikt um den Hersteller Nexperia kommen die Niederlande China entgegen und geben die Kontrolle über das Unternehmen wieder ab. Das teilte Wirtschaftsminister Vincent Karremans in Den Haag mit.
China hatte zuvor diesen Schritt der Niederlande gefordert, bevor die Lieferung der für die Autoindustrie wichtigen Halbeiter wieder voll aufgenommen werde. Der Minister nannte die von China ergriffenen Maßnahmen zur Sicherstellung der Chipversorgung Europas positiv. „Wir betrachten dies als Zeichen des guten Willens.“
„Angesichts der jüngsten Entwicklungen halte ich es für den richtigen Zeitpunkt, einen konstruktiven Schritt zu unternehmen“, teilte der geschäftsführende Minister in Den Haag mit. In den vergangenen Tagen seien konstruktive Gespräche mit den chinesischen Behörden geführt worden. Der Dialog mit Peking werde fortgesetzt, teilte der Minister mit. Zurzeit befindet sich eine hochrangige Delegation des Ministeriums in Peking.
Das Nexperia-Werk in Hamburg
Von dem Schritt ist auch Hamburg betroffen: Nexperia betreibt in Lokstedt in Eimsbüttel ein großes Halbleiterwerk mit rund 1600 Beschäftigten. Ursprünglich wurde das Unternehmen auch hier gegründet – als Valvo Radioröhrenfabrik im Jahr 1924. Das Hamburger Werk gilt als weltgrößte Fabrik für Kleinsignal-Dioden und -Transistoren.
2019 wurde Nexperia, das weltweit etwa 14.000 Menschen beschäftigt, vom chinesischen Unternehmen Wingtech übernommen. 2024 wurde bekannt gegeben, dass in Hamburg 184 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion investiert werden sollen.
Darum geht es im Streit um Nexperia
Die niederländische Regierung hatte im Oktober die Kontrolle über Nexperia übernommen und dabei ein bislang selten genutztes Gesetz angewendet. Damit sollte verhindert werden, dass technologisches Wissen und geistiges Eigentum nach China abwandern. Auch hatten die USA, die sich in einem massiven Handels- und Technologiestreit mit China befinden, die Niederlande zu diesem Schritt gedrängt.
Peking reagierte darauf mit einem Exportstopp für bestimmte Nexperia-Produkte, was die Produktion der Firma quasi zum Erliegen brachte. Da die Autoindustrie enorm abhängig von Nexperia-Chips ist, führte dies zu einer schweren Störung der Lieferketten. (mn)
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