Weltkriegsmunition im See? Worauf es bei der Bergung ankommt
In den vergangenen Jahren gab es wegen Blindgänger-Funden immer wieder Evakuierungen in Göttingen. Jetzt soll ein See abgesucht werden. Wie das funktioniert und was das bedeutet:
Der Kiessee in Göttingen birgt möglicherweise ein finsteres Geheimnis. Spezialisten und Spezialistinnen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sollen herausfinden, ob am Grund des Gewässers Munition liegt. Die Arbeit ist allerdings nicht ganz ungefährlich.
Kampfmittelfunde nehmen zu
Für die Bergung von Munition aus dem Wasser kommen besonders ausgebildete Taucher zum Einsatz, die zum Teil von der Polizei unterstützt werden, wie das für Geoinformationen zuständige Landesamt mitteilte. Dort ist der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) angesiedelt, der sich etwa um Entschärfungen oder kontrollierte Sprengungen von Blindgängern und anderen gefährlichen Gegenständen kümmert.
Bei dem Einsatz am Göttinger Kiessee dürfte die Wassertemperatur eine Rolle spielen. Die sei so kühl, dass ein längerer Aufenthalt im Wasser nicht möglich sei, hieß es von dem Landesamt. Erschwerend hinzu komme eine möglicherweise schlechte Sicht unter Wasser. „Somit ist eine Identifizierung der gefundenen Gegenstände unter Umständen nur durch Ertasten möglich“, teilte das Landesamt mit. Nach Angaben der Stadt Göttingen soll eine 450 Quadratmeter große Fläche durchsucht werden.
In den vergangenen Jahren hatten die Einsatzkräfte mit immer mehr Kampfmitteln zu tun. Nach den neuesten verfügbaren Zahlen etwa wurden 2024 mehr als 220 Tonnen der gefährlichen Gegenstände gefunden. Zehn Jahre zuvor waren es zum Vergleich gut 66 Tonnen. Ein Grund könnten mehr Baustellen sein, hieß es.
Göttingen: Keine Evakuierungen notwendig
Insbesondere größere Blindgänger von Weltkriegsbomben werden dabei oft in ähnlichen Gebieten gefunden, die zu Kriegszeiten militärisch wichtig waren und deshalb viel bombardiert wurden. Göttingen zählt etwa zu den Städten, in denen es regelmäßig zu Evakuierungen kommt, weil Blindgänger unschädlich gemacht werden müssen. Durch die Stadt führt unter anderem eine wichtige Nord-Süd-Bahnstrecke.
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Wegen der Lage und Art der vermuteten Kampfmittel ist eine größere Evakuierung heute oder morgen allerdings nicht notwendig, wie die Stadt Göttingen vorab mitteilte. Im Kiessee wird nach einem Zeitzeugenhinweis an zwei Tagen nach dort entsorgter Munition gesucht. Blindgänger werden dort nicht vermutet. Sollte Munition gefunden werden, die nicht abtransportiert und stattdessen vor Ort entschärft oder gesprengt werden muss, werden unter anderem ein kleiner Straßenabschnitt und ein Restaurant kurzzeitig evakuiert. Nach der Suche nach Kampfmitteln soll der See von Schlamm befreit werden. (dpa)
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