Wale und Haie in der Kirche? Das gibt es nur hier!
Diese Stadt auf dem Weg nach Rügen bitte nicht links liegen lassen! Stralsund ist nicht nur wegen des weithin bekannten Ozeaneums einen Besuch wert. Die Altstadt mit den gut erhaltenen gotischen Backsteinkirchen und den prachtvollen mittelalterlichen Bürgerhäusern gehört zusammen mit Wismar seit 2002 zum Unesco-Welterbe.
Eintauchen in die Unterwasserwelt
Große und kleine Fische sind im Ozeaneum, dem leuchtend weißen Bau am Stralsunder Hafen, zum Anfassen nah. Elegant schweben die Rochen hinter der 30 Zentimeter dicken Acrylglasscheibe des neun Meter hohen Aquariums „Offener Atlantik“ vorbei. Ein gefährlich aussehender Hai schlängelt sich durch den Nachbau eines Schiffswracks, während ein Makrelenschwarm an den Besuchern vorbeischwimmt. Stundenlang könnte man hier sitzen, immer gibt es Neues zu entdecken. Aber da sind ja noch die anderen Aquarien und Ausstellungen – wie die zur Erforschung und Nutzung der Meere. Und die Halle mit den lebensgroßen Modellen der Riesen der Meere mit dem 26 Meter großen Blauwal, einem 15 Meter großen Pottwal im Kampf mit einem Riesenkalmar oder dem drei Meter großen Mondfisch.
Wale und Haie im Kirchenschiff
Noch mehr über die Weltmeere und ihre Bewohner erfahren Besucher und Besucherinnen im aufwändig restaurierten und gerade wieder eröffneten Meeresmuseum. Schon der Ausstellungsort ist beeindruckend: Die Katharinenkirche wurde schon vor 50 Jahren zum maritimen Erlebnisraum. Im Chor des gotischen Gewölbes hängt das Herzstück der Ausstellung, ein 15 Meter langes Finnwal-Skelett. Zu den Museumshighlights zählen auch die lebensgroßen, neu angefertigten Modelle eines Brydewals und eines Walhais.
Seit kurzem ist nach aufwendiger Restaurierung auch in einer weiteren Kirche in Stralsund ein Meerestier zu sehen: in der Nikolaikirche am Alten Markt hängt das mehr als 350 Jahre alte Präparat eines Heringshais. Historischen Belegen zufolge war das Tier am 20. November 1670 bei einer großen Sturmflut bis in die Stadt gespült worden. Der 1,40 Meter Heringshai hat nach Angaben von Lena Müller, Leiterin der Präparation am Deutschen Meeresmuseum, die Chance, ein neuer Publikumsmagnet zu werden. Das Tier hing schon vorher in der Kirche, allerdings in zehn Metern Höhe und war deshalb vor der Renovierung kaum zu sehen.
Perfekt erhaltene Altstadt
Von der Unterwasserwelt zurück an Land – auch auf festem Boden gibt es in Stralsund Beeindruckendes zu sehen. Die Altstadt aus dem 13. und 14. Jahrhundert ist nahezu perfekt erhalten. Besonders sehenswert ist das Rathaus mit seiner gotischen Fassade, die beiden erhaltenen Stadttore und die drei gewaltigen gotischen Hauptkirchen. Am Alten Markt lassen sich die restaurierten historischen Fassaden gut in Augenschein nehmen, während man eine Pause in einem der Cafés und Restaurants einlegt. Wer der ausgeschilderten Route „Wege zur Backsteingotik“ folgt, verpasst keine der Hauptsehenswürdigkeiten. Auch aus der Schwedenzeit (1648-1815) sind noch sehenswerte Bauten und Denkmäler erhalten, darunter das Commandantenhus am Alten Markt, das Regierungspalais an der Badenstraße sowie mehrere barocke Adelshäuser. Fast 900 Gebäude stehen in Stralsund unter Denkmalschutz.
Bismarck und Hering
Der Hafen am Strelasund – einem Seitenarm der Ostsee – spielte schon immer eine zentrale Rolle in der Geschichte der Stadt. Der internationale Handel machte Stralsund zu einer der mächtigsten Handelsstädte. Gehandelt wurde vor allem mit Hering. Auch der Bismarck-Hering soll seinen Ursprung in Stralsund haben. Der Kaufmann Johann Wiechmann, ein Verehrer Otto von Bismarcks, betrieb um 1853 ein Geschäft am Neuen Markt und schickte dem Reichskanzler erst zum Geburtstag und dann noch ein zweites Mal – 1871 zur Reichsgründung – ein Fässchen mit eingelegten Heringen zu.
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Nicht ganz uneigennützig, denn in einem Anschreiben bat Wiechmann den Reichskanzler darum, den Ostseehering künftig als „Bismarck-Hering“ vertreiben zu dürfen. Bismarck willigte schriftlich ein. So gilt Stralsund als Heimat des Bismarck-Herings, auch wenn der Brief Bismarcks beim Bombenangriff auf die Stadt im Oktober 1944 verbrannte.
Trotzdem Grund genug, auf der breiten Promenade an den alten Speichern vorbeizubummeln und am Hafen auf einem der Imbissboote auf dem Fährkanal ein Fischbrötchen mit Hering zu essen. Zum Abschied fällt der Blick von einer der bequemen Liegebänke noch ein letztes Mal auf das Ozeaneum von außen, auf das ehemalige Segelschulschiff „Gorch Fock I“ an der Fährbrücke und auf die Rügenbrücke am Horizont.