Walstrandung rüttelt auf – Meeresschutz rückt in den Fokus
Das Wal-Drama um „Timmy“ sorgte für große Anteilnahme in Deutschland. Doch was dabei vergessen wurde, ist, dass viele Meerestiere unsichtbar leiden. Schleswig-Holstein drängt deshalb jetzt auf mehr Meeresschutz.
Umweltminister Tobias Goldschmidt mahnt nach dem vermeintlichen Rettungsmärchen um den mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal mehr Meeresschutz an. „Unseren Meeren geht es schlecht: Temperaturanstieg, Übersäuerung, Lärmbelästigung, Überdüngung, Überfischung und Krach belasten die eigentlich so wundervolle Unterwasserwelt und ihre Bewohner“, sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf die Umweltministerkonferenz in Leipzig.
Nach Strandung von Wal: Schleswig-Holstein will mehr Meeresschutz
„Am Seehund-Becken oder bei einer ungewöhnlichen Walstrandung zeigt sich die große Empathie, die wir Menschen für unsere Umwelt empfinden können“, sagte Goldschmidt. Diese Fürsorge dürfe sich nicht auf einzelne Lebewesen beschränken. „Während viele Menschen in den letzten Wochen mit dem Wal vor Poel mitgefiebert haben, sind still und leise viele namenlose Wale weltweit und auch an den deutschen Küsten ertrunken, haben Hörschäden durch zu viel Unterwasserlärm davon getragen oder Schadstoffe und Mikroplastik in ihren Körpern angereichert und mit der Muttermilch an die Jungtiere weitergegeben.“
Das schwarz-grün regierte Schleswig-Holstein legte der Ministerrunde zwei Beschlussvorschläge für einen besseren Schutz von Nord- und Ostsee vor, um Konsequenzen aus der Strandung des Buckelwals zu ziehen. Das Land schlägt mehr und wirksamere Ruhe- und Rückzugsräume in beiden Meeren vor, in denen Arten und Lebensräume ohne direkte Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzung sich erholen können und nicht Gefahr laufen, durch Stellnetze, Speedboote oder Lärm gestört oder gar verletzt oder getötet zu werden.
Schleswig-Holstein will mehr Schutz der Meere
Zudem müsse die grundberührende Fischerei auf größeren Teilen der bereits ausgewiesenen Meeresschutzgebiete (Natura 2000-Gebiete, Nationalparke und Naturschutzgebiete) insbesondere in der Nordsee verboten werden. Der Bund soll sich nach dem Willen Schleswig-Holsteins bei der EU-Kommission für ein Verbot der Industriefischerei einsetzen. Wo dieses Verbot bereits gilt, soll es auf ausländische Fischer ausgeweitet werden.
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Schleswig-Holstein hat vor zwei Jahren bereits einen eigenen Aktionsplan Ostseeschutz beschlossen. Bis 2030 sollen 12,5 Prozent der Gewässer vor der Küste Schleswig-Holsteins unter strengen Schutz gestellt werden. Ende März traten drei neue Schutzzonen an der Hohwachter Bucht, der Geltinger Bucht bis zur Schleimündung und westlich von Fehmarn in Kraft. Dort dürfen Pflanzen, Tiere und Lebensräume nicht mehr zerstört, entnommen oder gestört werden. Fischerei, Jagd, Rohstoffabbau, Bauvorhaben oder andere Veränderungen der Gewässer und des Meeresbodens sind untersagt. (dpa/mp)
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