Korrupter Staatsanwalt packt aus: So half er Hamburger Koksdealern
Ein angeklagter Staatsanwalt hat vor dem Landgericht Hannover zugegeben, für Ermittlungsinterna Geld von Kokainhändlern kassiert zu haben. Die Bande soll unter anderem für die Einfuhr von 16 Tonnen Kokain im Februar 2021 in den Hamburger Hafen verantwortlich sein. Der Jurist war damals Chefermittler.
Nach einem Verständigungsvorschlag der Strafkammer hat der wegen mutmaßlicher Geschäfte mit Kokainhändlern angeklagte Staatsanwalt den Großteil der ihm vorgeworfenen Taten gestanden. Ihn könnte nun eine Freiheitsstrafe zwischen 8 Jahren und 2 Monaten sowie 8 Jahren und 9 Monaten erwarten. Ein Urteil ist noch nicht gefallen.
Angeklagter Staatsanwalt räumt 9 von 14 Taten ein
Auf Basis von Gesprächen außerhalb der Hauptverhandlung nahmen Verteidigung und Staatsanwaltschaft einen Verständigungsvorschlag der Kammer an: Für den Fall einer uneingeschränkten geständigen Einlassung zu einem bestimmten Teil der 14 Anklagepunkte sagte ihm die Vorsitzende Richterin den genannten Strafrahmen zu.
Der Angeklagte räumte daraufhin 9 Taten aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Osnabrück umfassend ein. Pro Tat, bei der er Kokainhändlern nach eigenen Angaben Informationen verkaufte, habe er 2500 Euro erhalten. Im Gegenzug wurden die 5 weiteren Anklagepunkte auf Antrag der Staatsanwaltschaft fallengelassen.
Angeklagte will Verfahrensende und bessere Haftbedingungen
Bisher hatten sich die Prozessbeteiligten auf eine lange Verfahrensdauer eingestellt: Verhandlungstage sind bis Ende Mai 2026 terminiert. Laut Verteidigung erhofft sich der Angeklagte von der Verständigung neben einem deutlich rascheren Ende des Verfahrens auch bessere Haftbedingungen.
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Der in Untersuchungshaft sitzende Jurist soll zwischen Juni 2020 und März 2021 gegen Geld Interna aus Ermittlungsverfahren preisgegeben und eine internationale Drogenbande vor einer Razzia gewarnt haben. Sie hing mit dem Fund von 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen zusammen – der bis dahin größte Drogenfund in Europa. Führende Köpfe der Bande setzten sich vor der Razzia ins Ausland ab und sind noch immer flüchtig. (dpa/mp)
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