Eine Wildkatze hat sich in einem Zaun verheddert.

Eine Wildkatze hat sich in einem Zaun verheddert. Foto: shz/Jan Haberkamm

Seltene Wildkatze hat es über die Elbe geschafft – ist sie hier vor Jägern sicher?

Jetzt ist es bewiesen: Bei dem fuchsteufelswilden kleinen „Tiger“, den ein Jäger im Herzogtum Lauenburg aus einem Drahtzaun befreite, handelt es sich um eine echte Wildkatze. Das ergab jetzt die Untersuchung einer Haarprobe. Eine kleine Sensation, denn bisher ist es Felis silvestris nicht gelungen, die Elbe zu überqueren.

Der Jäger Jan Haberkamm hatte die Katze entdeckt und beherzt mit einem Bolzenschneider aus dem Zaun befreit, in dem sie sich verheddert hatte. Das Tier fauchte ihn dabei ordentlich an, aber sein Schneidewerkzeug verfügte über einen langen Griff. Ganz sicher war Haberkamm offenbar selbst nicht, dass es sich um eine Wildkatze handelte, denn er sammelte geistesgegenwärtig ein paar Haare vom Zaun und nur so konnte ihre Herkunft nun im Senkenberg Institut bewiesen werden. Die Katze hatte zwar den für Wildkatzen typischen dicken Schwanz, aber der Kopf war nicht besonders rund, der Körper nicht gedrungen und die Ohren auch nicht klein.

Wildkatze im Norden: BUND spricht von Sensation

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) spricht von einer kleinen Sensation. „Zum ersten Mal seit Jahrhunderten wurde in Schleswig-Holstein eine Europäische Wildkatze genetisch nachgewiesen. Damit ist die streng geschützte Art offiziell in das nördlichste Bundesland zurückgekehrt“, heißt es dort. Bisher gibt es Wildkatzen wieder im Harz, sie konnten aber die natürliche Grenze Elbe noch nicht überqueren.

Nun werden in einem größeren Gebiet sogenannte Lock-Stöcke aufgestellt und mit Baldrian besprüht, an denen die Katzen sich reiben. So soll festgestellt werden, ob es noch weitere Wildkatzen in der Region gibt. Denn es ist auch noch gar nicht klar, ob sich die Wildkatze dauerhaft in Schleswig-Holstein angesiedelt hat, oder ob sie jetzt lieber weiterzieht nach dieser negativen Erfahrung. Auch in Mecklenburg-Vorpommern geht der BUND den Spuren der Wildkatze direkt angrenzend an Schleswig-Holstein nach.

Wildkatzen am buschigen Schwanz erkennbar

Ob es auch bereits Wildkatzen im nördlichen Hamburg gibt, ist bisher unbekannt. Dem Jäger Haberkamm ist vermutlich zu verdanken, dass dieses Tier bei Lauenburg überlebt hat. Trotzdem geht von Jägern auch eine Gefahr aus, denn jedes Jahr werden viele freilaufende Katzen von Jägern erschossen. Und daran, dass es sich womöglich um eine Wildkatze handeln könnte, denkt sicherlich nicht jeder. Jedenfalls wenn das Tier getigert ist und nicht schwarz-weißes oder rotes Fell hat. In Hamburg wurde im vergangenen Jagdjahr (2023/24) der Abschuss von 12 Katzen im Jagdbericht ausgewiesen.

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Die Europäische Wildkatze war laut BUND als überwiegend waldbewohnende Art in Schleswig-Holstein bereits im Mittelalter ausgestorben. Die weiträumige Waldvernichtung hatte ihren Lebensraum zerstört, hinzu kam direkte Bejagung. Das Landesamt für Umwelt in Schleswig-Holstein konnte anhand von Aufnahmen aus landeseigenen Wildkameras 2025 erstmals eine Wildkatze fotografisch nachweisen.

Schaubild Wildkatze des BUND Bayern BUND
Schaubild Wildkatze
Schaubild Wildkatze des BUND Bayern

Das genetisch sicher dokumentierte nördlichste Verbreitungsgebiet endete bislang in der Lüneburger Heide. Die Elbe stellte bisher eine natürliche Barriere für eine weitere Ausbreitung dar. In ganz Deutschland leben schätzungsweise 6.000 bis 8.000 Tiere (West- und Mitteldeutschland) und in Bayern etwa 700. Damit stehen Wildkatzen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

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