Seehund-Babys allein im Watt: Was Nordsee-Urlauber beachten müssen
An der Nordsee beginnt die Geburtszeit der Seehunde. Viele Jungtiere, Heuler genannt, wirken hilflos – doch wer falsch reagiert, kann ihnen schaden.
Jedes Jahr kommen im deutschen Wattenmeer zwischen Juni und Juli mehr als 7000 Jungtiere zur Welt. Einige Hundert von ihnen starten als sogenannte Heuler mutterlos ins Leben. Doch nicht jedes allein liegende Jungtier braucht Hilfe. Die Nationalparkverwaltungen in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mahnen deshalb zur Vorsicht.
Seehund-Babys an der Nordsee: Abstand halten!
Seehunde werden auf Sandbänken und abgelegenen Stränden geboren. Schon bei der nächsten Flut folgen die Jungtiere ihrer Mutter ins Wasser. Dabei können Mutter und Jungtier etwa durch Strömungen getrennt werden
Auch Stürme, Krankheit oder der Tod der Mutter können dazu führen, dass ein Jungtier allein bleibt. Manchmal ist aber auch der Mensch der Auslöser – etwa durch Störungen an den Wurfplätzen.
Wer am Strand eine Robbe entdeckt, sollte mindestens 300 Meter Abstand halten. Der Weg zum Wasser darf nicht versperrt werden. Hunde gehören an die Leine und müssen ferngehalten werden.
Warum Heuler nicht angefasst werden dürfen
Der Name „Heuler“ kommt vom typischen Ruf der Jungtiere. Damit rufen sie ihre Mutter. Es ist kein Jammern, sondern ein normaler Kontaktlaut.
Ob ein Jungtier wirklich Hilfe braucht, können nur Fachleute beurteilen. Ranger oder Seehundjäger beobachten das Tier zunächst und entscheiden dann, ob es in eine Station gebracht wird.
Auf keinen Fall dürfen Robben angefasst oder eingesammelt werden. Das Jungtier soll am Fundort bleiben, damit die Mutter es wiederfinden kann. Menschlicher Kontakt kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sie ihr Junges verlässt. Außerdem können Robben beißen und Krankheiten übertragen.
Seehund-Babys: So werden Heuler aufgepäppelt
Kommt die Mutter nicht zurück, werden Heuler in eine Seehundstation gebracht. Dort werden sie gewogen, vermessen, untersucht und kommen zunächst in Quarantäne.
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Sind sie stabil, wechseln sie in den Aufzuchtbereich. Später geht es in ein Auswilderungsbecken. Sobald die Tiere selbstständig fressen und mindestens 25 Kilogramm wiegen, werden sie nach einer Untersuchung wieder in die Nordsee entlassen. Im Schnitt bleiben sie zwei bis drei Monate in der Station.
In Friedrichskoog werden bereits erste Heuler versorgt. Die Jungtiere Tilda, Hedda und Ida sollen am heutigen Freitag aus der Quarantäne in den Aufzuchtbereich umziehen. Weitere Jungtiere befinden sich noch in Quarantäne. Auch auf Neuwerk wurde seit Saisonstart mindestens eine Robbe gemeldet und in eine Station gebracht. Für Niedersachsen lagen zunächst keine Zahlen vor.
Hier können Strandbesucher Heuler-Funde melden
Wer eine möglicherweise hilflose Robbe entdeckt, sollte den Fundort möglichst genau beschreiben. In Hamburg ist das Nationalpark-Haus Neuwerk zuständig. In Niedersachsen können Finder die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich informieren.
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In Schleswig-Holstein sind die Seehundstation Friedrichskoog und Seehundjäger zuständig, die über die Polizei erreichbar sind. Zusätzlich gibt es die „Robben.App“, die Standortdaten direkt an Fachleute übermittelt.
Der Bestand der Seehunde im Wattenmeer und auf Helgoland nimmt laut Bericht „Zählungen der Seehunde im Wattenmeer 2025“ langfristig ab. Gleichzeitig wurde 2025 eine außergewöhnlich hohe Zahl an Jungtieren gezählt: 10.044 – ein Plus von 22 Prozent gegenüber 2024 und der zweithöchste Wert seit Beginn der grenzübergreifenden Zählungen. (dpa/mp)