Schleswig-Holstein
Zu Fuß durchs Watt: 71-Jähriger startet Weltrekord-Versuch
Reinhold Maisch startet am 2. August einen Weltrekordversuch: Der 71-Jährige aus Hessen will alle zugänglichen Halligen erwandern. Begleitet von Familie und Freunden sucht er im Wattenmeer die Weite und eine besondere Verbindung zur Natur.
Viel weiter weg vom Meer als Reinhold Maisch aus Roßdorf bei Darmstadt (Hessen) kann man in Deutschland nicht wohnen, aber der Pensionär liebt die Nordsee heiß und innig, speziell die nordfriesische Halligwelt. Und dort will er am Sonntag, 2. August, einen Weltrekordversuch starten.
Der 71-Jährige will innerhalb einer Woche alle Halligen der Welt erwandern. Diese neun liegen alle im nordfriesischen Wattenmeer. Eine Ausnahme ist die zehnte Hallig Habel, die streng geschützt ist und daher nicht betreten werden darf. Dabei werden ihn neun Freunde und Verwandte begleiten. Offizieller Titel des Rekordversuchs: „Die schnellste Wanderung zu allen zugänglichen Halligen“.
Das Seehundsterben 1988 brachte Reinhold Maisch an die Nordsee
Bis 2020 war der Umweltschutz sein Thema, bis zur Pensionierung war er bei der Gesellschaft für Wirtschaftskunde für Erwachsenenbildung und Berufsorientierung zuständig. Er gab Seminare zum Thema Umweltschutz und kam so 1988 erstmals nach Nordfriesland. „Es war das große Seehundsterben, das mich damals interessierte.“
Er verliebte sich speziell in die Halligwelt: „Ich würde nie mehr Urlaub an der Nordsee machen, sondern quasi nur noch in der Nordsee, nur noch auf der Hallig, wo mir kein Deich den Blick verstellt“, erzählt er. Die Weite, der weite Blick haben es Maisch angetan. „Und inzwischen kenne ich viele Menschen hier.“ Auch Seminare hat er schon auf Hooge gegeben.
Start mit Hallig Nordstrandischmoor
Los geht es am 2. August. Die Hallig Nordstrandischmoor und die Hamburger Hallig sind das erste Ziel der Gruppe. Nordstrands Bürgermeisterin und Halligbewohnerin Ruth Hartwig-Kruse wird sie auf Nordstrandischmoor begrüßen. Am nächsten Tag stehen Oland und Langeneß auf dem Programm. Am 8. August geht es dann von Nordstrand-Fuhlehörn nach Südfall, am folgenden Tag mit dem bekannten Hallig-Postboten Knud Knudsen nach Süderoog. Die vorletzte Etappe ist die Hallig Gröde. Am letzten Tag stehen Norderoog und Hallig Hooge auf dem Programm, in Begleitung von Bürgermeister Michael Kliesch. Das Hauptquartier der Gruppe ist ein Hotel in Bordelum.
Bis auf zwei Touren – nach Süderoog und Norderoog – übernimmt Reinhold Maisch selbst die Führung der Gruppe durchs Wattenmeer. Er kennt sich auf dem Terrain gut aus, hat er doch schon regelmäßig Wattwanderungen unternommen. Schon dreimal hat er alle Halligen angesteuert – allerdings ohne Zeitdruck. „Früher war ich da mit bis zu 30 Personen unterwegs. Diesmal sind meine Cousine und ihr Mann und meine Tochter auch mit dabei.“ Ein Mitglied hat noch gar keine Erfahrung, zwei sind ganz alte Hasen, nämlich Ruth und Egbert Singwald. Für sie ist es die vierte Tour zu allen Halligen.
Der Gefahren im Watt bewusst
Der Gefahren im Wattenmeer ist er sich durchaus bewusst, wie plötzlich aufziehendem Seenebel, Wasser in Prielen, wo keines sein sollte, oder Sturm. Für die präzise Wettervorhersage habe er eine Handy-App dabei, die sich ständig aktualisiere, sagt er. Auch einen Kompass hat er im Gepäck.
Damit der Wattwanderungsrekord auch anerkannt wird, hat sich Maisch zuvor an das Rekord-Institut in Deutschland (RID) gewandt. Das stellt bestimmte Anforderungen an die Dokumentation, so Maisch: Er müsse die Wanderungen schriftlich und mit Fotos sowie Zeugenberichten dokumentieren. Ferner werden ein Video und Messdaten gefordert. Das RID sammelt und prüft – laut eigener Homepage – Höchstleistungen aus dem deutschen Sprachraum und erkennt entsprechende Weltrekorde an. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)
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