Im Norden
Wildpinkler, Scherben, Lärm: Riesenvolksfest spaltet Dorf im Norden
Fünf Tage Dauerparty: Für die Anwohner am Brarup-Markt bedeutet das viel Müll im Garten. Doch längst nicht alle sehen die Sause kritisch.
Scherben, von Fremden geleerte Gläser, Müll und manche Körperflüssigkeit – all das Jahr für Jahr im Vorgarten der Anwohner des Marktplatzes in Süderbrarup. Was für die einen fünf Tage Dauerbespaßung und Geselligkeit bedeutet, stellt die Bewohner der Häuser um den Brarup-Markt auf eine harte Probe. Doch ist die Angelner Kirmes tatsächlich so eine Zumutung für die Menschen am Rande der Partyzone?
Nicht jeder in den Straßen Am Markt und der Königstraße möchte seinen Namen in der Zeitung lesen, nur wenige winken direkt ab. Die Mehrheit der Wohnungsbesitzer dort, die an diesem Tag auf der Straße unterwegs sind oder im Garten werkeln, spricht gern über die sogenannte fünfte Jahreszeit in Angeln.
Brarup-Markt: Wiedersehen mit Freunden
Andrea Schlaeger (62) ist vor 40 Jahren nach Süderbrarup gezogen. Ursprünglich kommt sie aus Baden-Württemberg. Nach so vielen Jahren hat sie sich an das wilde Partytreiben direkt vor der Haustür gewöhnt. „Mein Mann fiebert schon länger den fünf Tagen nach“, sagt sie. Dennoch macht es für sie einen Unterschied, ob man in Süderbrarup aufgewachsen oder zugezogen ist. Ihr Mann ist in Süderbrarup aufgewachsen. Das Gefühl dem Jahrmarkt gegenüber sei dann schon ein anderes. „Er trifft dort jedes Jahr ganz alte Schulfreunde, die er nur auf dem Brarup-Markt trifft.“
Sie sitzt in ihrer Küche am Tisch und hat die Haustür wegen der Hitze geöffnet. Nicht allzu weit entfernt hört man metallische Geräusche, Klappern und Klirren. Der Aufbau der Fahrgeschäfte geht in die letzte Runde. Auf die Frage, wie sie selbst den Brarup-Markt aus erster Reihe erlebt, antwortet sie: „Ich gehe jeden Tag hin. Ich habe es ja nicht so weit.“
Natürlich ist der Müll in der Wohnstraße nervig. Aber es sind ja nur die fünf Tage, und dann hat man das ganze Jahr wieder Ruhe, sagt sie. Und mit dem Pinkeln in den Gärten wurde es in den vergangenen Jahren auch besser. In ihren Garten hinter dem Haus traue sich ohnehin keiner. Sie lacht.
Brarup: Ruhe hinterm Haus
Hinter ihrem Haus hat auch Gerda Heck (83) eine kleine Wohlfühl-Oase aufgebaut. Die Blumen blühen, während Heck hinter ihrem Haus im Schatten unter einem kleinen Vordach sitzt. Das Haus bewohnt sie mit ihrem Mann seit 34 Jahren, in Süderbrarup lebt sie bereits deutlich länger. „Wir haben nichts gegen unseren Markt. Dafür wohnen wir schon viel zu lange hier“, sagt sie.
Ihr Garten hinter dem Haus ist ihr wichtig. Den gepflegt angelegten Vorgarten zum Marktplatz hin nennt sie hingegen nur „so ein bisschen“. Dass dort vor ihrem Haus alljährlich die Hinterlassenschaften einer feiernden Partymeute landen, bewertet sie nüchtern: „Das bleibt eben nicht aus.“
Dennoch: „Jahrelang war meine Auffahrt an den Markttagen ein Klo.“ Das habe sich aber seit einigen Jahren gelegt. Vielleicht trinken die Leute weniger, mutmaßt sie. Ein Dauergast am benachbarten Bierstand habe ihr sogar mal einen großen Krug Freibier angeboten, wenn er auf ihre Auffahrt pinkeln könne. Ein Angebot, das sie abgelehnt hat.
Nicht alle Anwohner sind so entspannt
Doch auch eine andere Stimme hört man an diesem Tag. Ein Anwohner, der seinen Namen nicht nennen möchte, fordert: „Der Bürgermeister sollte hier morgens wen schicken, der bei uns die Scherben wegsammelt. Und der Sicherheitsdienst sollte nach Schließung des Marktes auch noch mal eine Runde drehen.“ Ob er das der Gemeinde oder dem Bürgermeister irgendwann einmal gesagt habe? Nein, das bringe eh nichts, so lautet sein Fazit. (Dieser Artikel erschien auf SHZ.de)
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