Wie ist es mit einem russischen Kriegsschiff vor der Haustür, Herr Bürgermeister?
Der russische Zerstörer „Severomorsk“ hat in Sichtweite vor der Insel Fehmarn Position bezogen. Jörg Weber, Bürgermeister der Insel, ist seit mehr als zehn Jahren im Amt. Diese Art der Bedrohung hat er noch nie erlebt, wie er der MOPO erzählt.
„Es ist ein mulmiges Gefühl“, sagt Inselbürgermeister Jörg Weber (59) der MOPO. Er ist seit 2015 im Amt. Dass die Ostseeinsel als strategisch wichtiger Marinestützpunkt es mit einer hohen Frequenz von Kriegsschiffen zu tun hat, ist die eine Sache. Die andere Sache liegt nun vor der Küste.
Fehmarns Bürgermeister spricht von „mulmigem Gefühl“
„Severomorsk“, so heißt das Kriegsschiff, das seit wenigen Tagen in Sichtweite vor der Insel Fehmarn liegt. Es ist auf die Zerstörung von U-Booten spezialisiert. 160 Meter lang und 7400 Tonnen schwer. Anfang Mai ist es aus dem russischen Hafen Baltjisk ausgelaufen und befindet sich seit dem vergangenen Wochenende zwischen Fehmarn und der Lübecker Bucht, mutmaßlich um Schiffe der russischen „Schattenflotte“ zu schützen.
Auf der Insel versuche man, Ruhe zu bewahren, so Weber. Vereinzelt seien Bürger auf ihn zugekommen mit Sorgen vor dem Schiff und der Frage: „Was macht ihr dagegen?“ Dass er darauf nicht konkret antworten kann, fällt ihm schwer. Doch es geht um Sicherheitsfragen und Geheimnisse. „Auch der Russe liest die Zeitung und guckt Fernsehen“, sagt er. Was von der Bundeswehr konkret geplant ist, bleibt daher unter Verschluss.
Hätte man ihm vor Amtsantritt gesagt, was in seinen Jahren als Bürgermeister noch alles in der Welt passieren würde, hätte er zwei Mal über den Beruf nachgedacht, sagt er und lacht. Die Verunsicherung durch Russland bestehe seit Jahren. 2024 wurde im russischen Staatsfernsehen die Fehmarnsundbrücke ausdrücklich als Ziel für Raketenangriffe genannt.
Weber: „Drohgefühl hat sich intensiviert“
„Das Drohgefühl hat sich intensiviert“, sagt auch Weber. Dennoch habe er großes Vertrauen in die deutschen Sicherheitsbehörden und die hohen Sicherheitsstandards. „Ich gehe nicht jeden Abend mit Angst ins Bett.“ Auf Fehmarn ist die Anwesenheit russischer Schiffe keine Neuheit. Im Oktober 2025 war vor der Kieler Bucht bereits das Militärschiff „Aleksandr Shabalin“ stationiert. Dennoch löst die „Severomorsk“ auf der Insel Besorgnis aus.
Laut Bundesverteidigungsministerium will Russland mit den Kriegsschiffen in der Ostsee seine „Schattenflotte“ überwachen. Über diese versucht Moskau seit Jahren, einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Zudem steht die „Schattenflotte“ in Verdacht, für Sabotageaktionen gegen Unterwasserinfrastruktur genutzt zu werden.
NATO schickt Schiffe in die Ostsee
Die NATO hat auf die „Severomorsk“ reagiert. Die Bündnispartner würden die Bewegungen russischer Kriegsschiffe beobachten. Demnach sind Schiffe des ständigen NATO-Marineverbandes 1 (SNMG 1) in der Ostsee unterwegs, um die Routen der Russen zu verfolgen.
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Flaggschiff des NATO‑Verbandes ist die deutsche Fregatte „Sachsen“. Nach Angaben der „Kieler Nachrichten“ stieß aus Frankreich auch die Fregatte „Auvergne“ dazu, die bei Fehmarn den russischen Zerstörer „Severomorsk“ aus der Nähe beschattete.