Weihnachtskarte war sechs Monate unterwegs – das Post-Debakel im Hamburger Umland
Nach einem Bericht des SHZ über Probleme der Deutschen Post im Kreis Pinneberg mit der Briefzustellung haben zahlreiche Leser ihre Erfahrungen geschildert. Manche sind lustig, fast schon skurril, andere zeigen, wie unschön Folgen für die Empfänger sein können. Der Überblick.
Was Christiane Fleeth aus Wedel vor wenigen Tagen aus ihrem Briefkasten fischte, hat das Zeug zu einem Platz in einem Satiremagazin. Zwischen der anderen Post lag ein Weihnachtsgruß, den sie am 20. Dezember 2024 an einen guten Freund in Hamburg-Barmbek geschickt hatte. Nun bekam sie ihn zurück, mit folgendem Vermerk: „Empfänger verzogen. Einwilligung zur Weitergabe der neuen Anschrift liegt nicht vor.“
Der festliche Gruß zum Jahresende, schön verziert mit einem aufgeklebten Stern – er hätte 21 Kilometer zurücklegen sollen. Am Ende waren es dann 42 Kilometer – von der Absenderin zum Empfänger und zurück – in sieben Monaten.
Wedelerin nimmt Post-Vorfall mit Humor
Und das ist nicht das einzig Verrückte an der Odyssee dieses Schreibens, denn der gute Freund, für den es gedacht war, ist keinesfalls verzogen. Seine Adresse stimmt, immer noch. Christiane Fleeth kann diesen Vorfall inzwischen mit Humor nehmen und schreibt in einer E-Mail an den SHZ: „Ich bin sicher, dass es in Postkutschenzeiten oder zu Fuß schneller gegangen wäre.“ Das würden viele Kunden der Deutschen Post unterschreiben. Jedenfalls lassen die Rückmeldungen auf einen Artikel des SHZ diesen Schluss zu.
Die Zeitung hat ihre Leser nach ihren Erfahrungen gefragt, und sie haben dem SHZ geschrieben, was sie zuletzt mit der Briefzustellung erlebt haben. Besonders viele Reaktionen erreichten den SHZ aus Elmshorn. Der Überblick.
Elmshorn: Mahnungen und Beileidsbriefe treffen zu spät ein
Anette Rostock bekommt nur noch einmal in der Woche Post. Manchmal dauere es allerdings auch zwei Wochen bis zur nächsten Zustellung, teilt sie mit. Das Schreiben einer Leasing-Bank mit einer darin vermerkten Frist etwa brauchte fast vier Wochen. Datiert war er auf den 17. Juni, erreicht hat er die Empfängerin am 12. Juli. „Sehr ärgerlich war die Verzögerung bei mehreren Beileidsbriefen, die wir nach dem Tod einer nahen Verwandten bekamen – mindestens sieben Tage nach dem Absenden und teilweise innerhalb Elmshorns“, schreibt sie.
Cornelia Schuttrich-Neumeyer kann sich nach eigenen Angaben kaum noch daran erinnern, wann sie ein Brief innerhalb einer Frist von vier Tagen erreichte. 15 bis 17 Tage, also das Vierfache der Zeit, sei längst die Realität. Sie beendet ihre E-Mail wie folgt: „Beim Schreiben dieses Textes sind schon vier Postautos durch unsere Straße gefahren, nur keines hielt an. Ah, Pakete werden in der Nachbarstraße zugestellt.“
Richard Brehm hatte zwei Wochen nichts in seinem Briefkasten. Am 24. Juli schließlich holte die Post nach, was sie in den Tagen zuvor versäumt hatte und stellte ihm an einem Tag eine Zeitschrift, eine Postwurfsendung, eine Ansichtskarte und fünf Briefe zu. „Ein Brief aus Westerhorn war am 17. Juli aufgegeben worden, zwei Briefe mit Rentenbescheiden am 15. Juli, eine Karte aus dem Sauerland am 14. Juli, ein Brief aus dem Bremer Raum am 12. Juli“, schreibt er in einer E-Mail. Den Vogel allerdings habe eine Stromrechnung aus Calw (Baden-Württemberg) ab: Sie sei auf den 5. Juli datiert gewesen.
Margot Wieben hat seit dem 14. Juli keine Briefe mehr in ihrem Postkasten gefunden, „obwohl wir regelmäßig mindestens zwei bis drei Briefe wöchentlich erhalten“, wie sie schreibt.
Ein Brief innerhalb Elmshorns brauchte vom Absender zu Uwe Janzen als Empfänger 13 Tage – aufgegeben am 9. Juli, ausgeliefert am 22. Juli.
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Der Briefkasten von Jens Lührs blieb vom 17. bis 24. Juli leer, obwohl er auf einige Sendungen dringend wartete. Dann stellte der Briefträger den ersten Teil zu, und nun wartet er darauf, dass auch der Rest irgendwann bei ihm ankommt.
Auch Holger Grothkass ärgert sich zunehmend über die Post. Er hat am 22. Juli „die gesammelten Werke der letzten Tage und Wochen erhalten. Darunter waren demzufolge zwei abonnierte Zeitschriften, die am 16. und 18. Juli erschienen waren. Und Besserung ist nicht in Sicht.
Holger Fey erinnert sich an einen Vorfall aus dem vergangenen Jahr. Er wartete auf eine Zahlungsaufforderung, die lange nicht kam. Dann lag sie endlich in seinem Briefkasten, allerdings war die Zahlungsfrist bereits seit mehreren Tagen abgelaufen. „Ich finde die Geschwindigkeit der Post unglaublich“, so sein Fazit.
Birgit Mähnß schließlich hat einen Tipp für unzufriedene Post-Kunden. Sie hat eine Briefankündigung eingerichtet. Anlass war ein Arbeitsvertrag, der sie mit deutlicher Verspätung erreichte. Wie das funktioniert, beschreibt sie so: „Briefe mit meiner Anschrift werden im Briefzentrum Elmshorn fotografiert, und dieses Foto wird mir per E-Mail in der Nacht nach der Aufnahme gesendet. Ich habe dadurch also immer eine gute Kontrolle, wann in Elmshorn ein Brief für mich liegt.“
Kreises Pinneberg: Warten auf die Nachricht des Straßenverkehrsamtes
Arno Hinsch aus Prisdorf wartete sechs Tage lang vergeblich auf einen medizinischen Bericht, den er bei seinem nächsten Arzttermin vorlegen sollte. Weil die Post nicht lieferte, musste der Bericht am Ende zum Arzt gefaxt werden.
Hannelore Völker aus Quickborn dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als ihr ein Brief von einem Mann überreicht wurde, der ein gutes Stück entfernt von ihr in einer anderen Straße wohnt und das Schreiben in seinem Postkasten entdeckt hatte. Er war nicht nur zum Zeitpunkt der Zustellung im Urlaub, was die Verspätung erklärt, sondern hatte den Brief auch noch geöffnet – wohl im guten Glauben, der sei für ihn. Auch sie hat außerdem im Juni die Erfahrung gemacht, dass ein Schreiben an sie an den Absender zurückgeschickt wurde – mit dem Vermerk „An der Adresse nicht zustellbar“.
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Familie Bantelmann aus Klein Nordende gehört ebenfalls zu denen, die auch gerne mal zwei Wochen gar keine Post bekommen. Ein fast schon normaler Zustand, denn zuvor sei „gefühlt auch nur noch einmal pro Woche gesammelt verteilt“ worden, hieß es in der E-Mail.
Christoph Lüders aus Halstenbek beklagt, dass montags schon seit Jahren keine Post mehr zugestellt wird. Inzwischen passiere das häufig auch an anderen Tagen. Das sei besonders ärgerlich, wenn dringende Post erwartet werde, schreibt er.
Irina Heesch aus Rellingen berichtet ebenfalls von negativen Erfahrungen. Im Durchschnitt warte sie auf wichtige Post eineinhalb Wochen oder länger, berichtet sie. Und schreibt dann weiter, dass sie seit einem Jahr auf ein Schreiben vom Straßenverkehrsamt wartet, das nachweislich im Juli 2024 verschickt wurde, sie aber bislang nicht erreicht hat. Für sie der „absolute Hammer“. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)