Wedels Hafen-Eröffnung enttäuscht Besucher: Stadt beklagt „mutwillige Manipulation“

Stadthafen in Wedel
Die Eröffnung des neuen Stadthafens in Wedel verlief nicht ohne Pannen. (Symbolbild)

Zu einer „Feierstunde“ anlässlich der Eröffnung des neuen Stadthafens hatte die Stadt Wedel eingeladen. Doch viele Besucher verließen die Veranstaltung enttäuscht: Redner waren kaum zu verstehen. Das hat einen mutmaßlich kriminellen Hintergrund, wie jetzt bekannt wurde.

Was lange währt, wird endlich – eröffnet. Wedels „Stadthafen“, der Schulauer Hafen an der Elbe, ist offiziell fertig. Am 9. Mai haben Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto (CDU) und ihr Vorvorgänger Niels Schmidt (parteilos) feierlich ein rotes Band durchgeschnitten und damit das Ende des rund 35-Millionen-Euro-Projektes erklärt. 20 Jahre nach dem Start des Ideenwettbewerbs „Schulauer Hafen“.

Schlecht organisiert? Besucher verlassen Wedeler Hafen-Eröffnung enttäuscht

Eingeladen hatte die Stadt zu einer „Feierstunde“, zu der „hoffentlich viele Wedelerinnen und Wedeler“ kommen sollten. Tatsächlich fanden sich auf der Ostpromenade, unmittelbar am gerade (fast) fertiggestellten neuen Hafenmeisterhäuschen, auch rund 200 Interessierte ein. Doch entgegen den Hoffnungen kippte die Stimmung schnell: Ohne Bühne und Mikrofon waren die Reden kaum zu verstehen. „Peinlich“, befand eine Besucherin lapidar – andere fühlten sich an schlecht organisierte Spontandemos erinnert.

Wedel Hafen Eröffnung
Mit einem feierlichen Akt, dem traditionellen Zerschneiden des roten Bands, eröffneten Bau-Fachbereichsleiterin Claudia Broekhuis, Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto und ihr Amtsvorgänger Niels Schmidt Wedels Stadthafen.

Noch während Fisauli-Aalto, Schmidt und Bau-Fachbereichsleiterin Claudia Broekhuis sich mühten, Gehör zu finden, verließen viele Gäste die Veranstaltung, teils kopfschüttelnd, teils laut ihren Unmut äußernd. „Wir müssen heute ein bisschen improvisieren“, rief derweil die Bürgermeisterin inmitten der entstehenden Menschentraube, die Hände trichterförmig an den Mund gelegt.

Bürgermeisterin verkündet ein neues Kapitel

„Hier wird heute ein neues Kapitel aufgeschlagen“, leitete Fisauli-Aalto ein, „wahrscheinlich wird es die eine oder andere Stimme geben, die sagt, das wird auch langsam mal Zeit‘ – ja, die Zeit ist reif nach 20 Jahren.“ Begonnen hatte die Umgestaltung des Schulauer Hafens 2006 mit einem Ideenwettbewerb, um das Gelände touristisch nutzbar zu machen.

An diese Anfänge erinnerte auch der damalige Bürgermeister Niels Schmidt: „Manche sind ja der Meinung, früher wäre alles besser gewesen.“ Eine sanierungsbedürftige Mole an der Elbe, eine marode Toilettenanlage, eine kontaminierte Brachfläche – Schmidt: „Das war wirklich nur eine Betonfläche und eine große, hässliche Flutschutzwand.“ Besonders die Verschlickung des alten Hafenbeckens sorgte für Probleme.

Wedeler Stadthafen: Die Meilensteine aus 20 Jahren Planungsgeschichte

Entsprechend wurde 2008 ein Rahmenplan „Stadthafen Wedel“ aufgestellt – „eine komplette städtebauliche Neuordnung“ des Gebiets an der Elbe, wie es darin heißt. Die Meilensteine seitdem:

  • 2011: Neubau des Fähranlegers „Willkomm Höft“
  • 2015: Eine Prüfung ergibt, dass das Hafenmeisterhaus wegen „gravierender Schäden“ abgerissen und neu gebaut werden muss.
  • 2017: Neugestaltung des alten Schulauer Hafens, einst Fischerei-, Industrie- und Freizeithafen, ist abgeschlossen – und nun weitgehend leer: Im Regelfall liegen hier bis auf Weiteres keine Schiffe mehr.
  • 2021: Abriss des Hafenmeisterhauses.
  • 2025: Umgestaltung Strandbad ist abgeschlossen, der Basketballplatz und der Spielplatz sind fertig, es gibt wieder eine Deichüberfahrt am ehemaligen Hakendamm.
  • Anfang 2026: Fertigstellung der Ostpromenade inklusive Sanierung und Umgestaltung der Hochwasserschutzwand, Neubau eines Kiosks mit WC-Anlage, Neubau des Hafenmeisterhauses und Sitzbänken.

Die Gesamtkosten dafür belaufen sich Stand November 2025 auf rund 34,2 Millionen Euro, wie die Stadt mitteilte. Eine finale Abrechnung werde jedoch erst Mitte 2026 vorliegen – jeweils ein Drittel sollen von Bund, Land und Stadt getragen werden – jedoch sei nicht das ganze Projekt förderfähig, weshalb die Schlussabrechnung mit den Fördermittelgebern, dem Land Schleswig-Holstein und der Investitionsbank, erst noch aktualisiert werden müsse.

Was war der Grund für die misslungene Eröffnung?

Von alledem bekamen die Besucher bei der Eröffnung jedoch wenig mit. Der Grund dafür wurde am Samstag noch nicht öffentlich kommuniziert, obwohl er den Verantwortlichen seit dem frühen Vormittag bekannt war.

Denn während Besucher den neuen Kiosk samt WC besichtigen konnten, blieb das Hafenmeisterhaus entgegen den Erwartungen verschlossen – sogar für die Organisatoren selbst. „In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde das neue Sicherheitsschloss am Hafenmeisterhaus beschädigt, sodass es sich am Samstagmorgen nicht mehr öffnen ließ“, erklärte Stadtsprecherin Doris Brandt am Montag.

Besonders bitter: Im Hafenmeisterhaus lagerte neben der Ausstattung für die Feierstunde auch die Lautsprecher- und Mikrofonanlage. Daher die Tonprobleme. Die Stadt Wedel geht von einer mutwilligen Manipulation aus. „Derzeit ist eine Fachfirma vor Ort. Fest steht, dass auch der kurzfristig alarmierte Schlüsseldienst am Samstag die Tür nicht zerstörungsfrei hätte öffnen können“, so Brandt. Man behält sich nun rechtliche Schritte vor.

Das könnte Sie auch interessieren: Nina Chuba packt aus: „Ich bin in Therapie – und empfehle das jedem“

Ganz fertig ist der „neue“ Hafen derweil übrigens noch nicht: Perspektivisch soll das Hafenbecken wieder mit Leben gefüllt werden. Im Oktober 2025 hatten Investoren ihre Vision für einen „Boutique-Hafen“ mit Hausbooten vorgestellt. Die Politik hat Anfang des Jahres ihre generelle Zustimmung dafür signalisiert – jetzt sollen Gutachten klären, ob das Projekt technisch und finanziell umsetzbar wäre. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)