Veranstalter völlig überrascht: Stadt im Norden sagt beliebte Disco-Reihe ab
Die nächsten beiden Teenie-Discos im „Sasa“ waren bereits ausverkauft. Nun wurden sie abgesagt. Zuvor war die Ordnungsverwaltung der Stadt Flensburg auf die Veranstaltungen aufmerksam geworden und sah Probleme beim Jugendschutz. Der Disco-Chef zeigt sich verwundert.
Sebastian Claußen ist konsterniert. „Es macht keinen Spaß, wenn einem die Behörden Steine in den Weg legen“, sagt der Chef des „Sasa“. Die Kult-Disco feiert aktuell mit ihren Teenie-Partys einen großen Erfolg. Die nächsten beiden Veranstaltungen am 22. und 23. Mai waren bereits restlos ausverkauft. Doch nun wurden sie abgesagt.
Vorausgegangen war unerfreuliche Post von der Flensburger Ordnungsverwaltung. „Nach vorläufiger rechtlicher Einschätzung ist die Veranstaltungsreihe als öffentliche Tanzveranstaltung im Sinne des § 5 Jugendschutzgesetz einzuordnen“, heißt es in dem Schreiben, das Claußen und sein Team in der vergangenen Woche erreichte.
Kein Alkohol-, Energy- oder Tabakkonsum erlaubt – und trotzdem eine Ausnahmegenehmigung?
Bedeutet: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen solche Veranstaltungen grundsätzlich nur in Begleitung einer „personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person“ besuchen. „Ich bin überrascht und verwundert. Teenager dürfen alleine auf den Jahrmarkt, aber nicht drei Stunden im geschützten Rahmen bei uns feiern. Das ist sehr traurig“, sagt Claußen.
Bisher wurde die Teenie-Disco zweimal veranstaltet. Von 18.30 bis 21.30 Uhr können Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren hier ohne Alkohol-, Energy- und Tabakkonsum miteinander feiern. Ein Konzept, das bei den Jugendlichen mit Blick auf die ausverkauften Events offenbar gut ankommt.
Die Stadt Flensburg erklärt in ihrem Schreiben, dass Claußen nun eine Ausnahmegenehmigung beantragen muss, um die Teenie-Discos weiter veranstalten zu können. Über einen solchen Antrag würde die Ordnungsbehörde dann unter Beteiligung des Jugendamtes entscheiden.
Diese Vorgaben macht die Stadt Flensburg
„Sollten die erforderlichen Unterlagen nicht fristgerecht eingehen, müsste geprüft werden, ob und inwieweit die Durchführung der Veranstaltung aus jugendschutzrechtlicher Sicht zulässig ist“, heißt es in dem Schreiben. Zu den Auflagen der Stadt gehört unter anderem, dass Alkohol nicht nur nicht ausgeschenkt werden darf, sondern dieser auch nicht sichtbar sein darf.
Außerdem: Der Veranstaltungsrahmen (Motto, Musik, Programm) müsse kinder- und jugendgerecht sein und die Teenie-Disco am Eingang auch als solche kenntlich gemacht werden. Qualifiziertes – idealerweise pädagogisches – Personal soll den Teenies als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Auflage: „Sasa“ muss Veranstaltungskonzept erstellen
Für Claußen bedeutet die Erstellung eines Veranstaltungskonzeptes zusätzlichen bürokratischen Aufwand, erklärt er: „Das ist nervenaufreibend.“ Über das Vorgehen der Ordnungsverwaltung sei er überrascht und verwundert. Er betont, dass die bisherigen Teenie-Discos ohne jegliche Zwischenfälle verlaufen seien. Während der gesamten Veranstaltung seien Security- und Aufsichtspersonal vor Ort. Der Einlassbereich werde dauerhaft kontrolliert. „Die Kinder sind alle friedlich. Wenn etwas passieren sollte, wäre ohnehin direkt nebenan die Polizei.“
Von Eltern würde es zudem viel positives Feedback geben. „Sie kaufen für ihre Kinder die Tickets im Internet und haben jederzeit die Möglichkeit, sie zur Teenie-Disco hinzubringen und abzuholen.“
Privatperson beschwerte sich über Teenie-Discos
Stadtsprecherin Antje Walther erklärt derweil auf Nachfrage unserer Redaktion, dass die Verwaltung durch die Beschwerde einer Privatperson auf die Teenie-Discos aufmerksam wurde. „Eine Absage der Teenie-Disco würden wir natürlich sehr bedauern, sehen allerdings zugleich den Schutz Minderjähriger als vorrangig an. Aus Sicht des Jugendschutzes sind klare Auflagen notwendig, um Risiken wie Alkoholmissbrauch, fehlende Aufsicht und Sicherheitslücken zu minimieren.“
Die Stadt sei rechtlich zur Gefahrenabwehr verpflichtet. „Gleichzeitig sind wir natürlich gesprächsbereit, wenn es darum geht, praxisnahe und verhältnismäßige Lösungen zu finden, und würden sehen, wo wir bei der Umsetzung zukünftiger Veranstaltungen unterstützen können“, so Walther.
„Sasa“ sagt Teenie-Partys im Mai ab
Claußen hat derweil bereits Konsequenzen gezogen und die beiden Teenie-Discos in der kommenden Woche abgesagt. „Es liegt leider an der Stadt, nicht an uns“, teilt er in einem Instagram-Video mit. Der „Sasa“-Chef weilt derzeit beruflich in Sri Lanka. „Ich schaffe es nicht, aus 8000 Kilometer Entfernung ein Konzept mit der Stadt Flensburg zu besprechen.“
Das könnte Sie auch interessieren: Lehrer hört verdächtige Geräusche – Polizei wird an Hamburger Schule fündig
Nach seiner Rückkehr will sich Claußen mit den Behörden zusammensetzen, um die nächste Teenie-Party am 2. Juli wie geplant stattfinden zu lassen. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)