Tod in der Disco: Miracs Eltern klagen an – Verdächtiger stellt sich der Polizei
Momente voller Hoffnung und des Bangens – doch alles vergeblich: Die Eltern des jungen Mannes, der in der Nacht zum 13. April bei einer blutigen Auseinandersetzung in einer Disco in Trittau (Kreis Stormarn) ums Leben kam, haben in einem TV-Interview die Nacht geschildert, in der sie ihren Sohn verloren haben. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Discothek.
Immer wieder bricht Mandy D., die Mutter des getöteten Mirac Y. (21), in Tränen aus, während sie die Minuten und Stunden schildert, die ihr Leben verändert haben. Riza Y., der Vater des Opfers, tröstet sie, indem er ihre Hand streichelt. Es ist deutlich zu sehen, wie schwer es den Eltern fällt, über das Erlebte und den Verlust zu sprechen. Doch sie erhoffen sich Antworten auf die vielen offenen Fragen.
Die Eltern des Opfers erzählen, wie sie vom Tod ihres Sohnes erfuhren
Mitten in der Nacht rief eine Freundin von Mirac bei Mandy D. an und berichtete von den dramatischen Ereignissen, die sich gerade in der Discothek „Fun-Parc“ zugetragen hatten. Mandy D. informierte Vater Riza Y., der sich zusammen mit seinem älteren Sohn sofort auf den Weg nach Trittau machte.
Mutter und Vater des Opfers eilen zum Tatort
An der Disco angekommen, sah der Vater die aufgebrachte Menge vor dem Tanzlokal und versuchte, Informationen über das Geschehen einzuholen. „Wir erfuhren, dass Mirac blutend im Rettungswagen lag, und wollten zu ihm. Doch die Polizei ließ uns nicht durch und vertröstete uns immer wieder“, erzählt Riza Y. in dem Interview. Etwas später sei dann auch seine Frau vor Ort gewesen.
Dreieinhalb Stunden, so berichtet die Mutter, vergingen. Eine gefühlte Ewigkeit, in der die Eltern um das Leben ihres Sohnes bangten. „Dann kam ein Kripo-Beamter zu uns und überbrachte uns die Todesnachricht“. In einem Rettungswagen wurden die Eltern dann in ein Schulzentrum nach Trittau gefahren. Dort nahm sie ein Seelsorger in Empfang und betreute sie.
„Ich wollte zu meinem sterbenden Sohn – aber man ließ mich nicht“
Mandy D. begreift das Ausmaß des schrecklichen Geschehens noch immer nicht. „Die Menge der Leute an der Discothek war sehr aufgebracht. Dadurch hatten die Polizisten alle Hände voll zu tun. Aber dass man mich als Mutter nicht zu meinem sterbenden Sohn gelassen hat, werde ich nie verstehen können“.
Was ihnen außerdem ihr 16-jähriger Sohn, der mit Mirac in der Disco war und alles miterleben musste, über den Tatabend und die Umstände danach erzählte, ließ die Eltern verzweifeln. „Zusammen mit einem Freund hat er versucht, den stark blutenden Mirac aus dem Laden zu schleppen. Doch sie wurden von den Türstehern aufgehalten“, erzählt die Mutter. Der Grund dafür war, dass vor dem Verlassen des Clubs noch der Verzehr der Beteiligten abkassiert werden sollte. Das erlebten in dem Chaos auch andere Disco-Besucher, wie aus verschiedenen Social-Media-Beiträgen hervorgeht.
Auch abgesehen davon erheben die Eltern und Freunde ihres verstorbenen Sohnes schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Discothek und das von ihm eingesetzte Sicherheitspersonal. Mehr als 2000 Besucher sollen an diesem Abend im Club gewesen sein, angelockt durch einen Auftritt eines bekannten Discjockeys.
Laut den Freunden sei keine angemessene Zahl an Sicherheitskräften für das Event engagiert worden. Die Sicherheitskontrollen beim Einlass seien „ein Witz“ gewesen. Kaum jemand sei auf Waffen kontrolliert worden. „Und Erste Hilfe konnte ebenfalls nicht geleistet werden“, fügt die Mutter in dem Interview hinzu.
Schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal
Der Betreiber des „Fun-Parcs“ äußerte sich dazu in einem Instagram-Post. Man sei erschüttert über die Tat. Das Sicherheitskonzept solle überarbeitet werden, und künftig sollen Metalldetektoren zum Einsatz kommen. Auch wolle man mehr und besser geschultes Sicherheitspersonal einsetzen. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sollen in enger Abstimmung mit den Behörden umgesetzt werden.
Nach MOPO-Informationen ermittelt die Kriminalpolizei Ratzeburg tatsächlich gegen das Sicherheitspersonal, unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung. Eine Sprecherin der Polizei Ratzeburg bestätigte auf Nachfrage der MOPO, dass Anzeigen gegen die Sicherheitskräfte eingegangen seien und diesen „natürlich nachgegangen“ werde.
Tatverdächtiger stellt sich der Polizei
Die Ermittlungen zu den Tatbeteiligten, insbesondere zu dem Täter, der dem Opfer die tödlichen Stiche zugefügt haben soll, dauern an. Allerdings sind die Ermittler inzwischen einen großen Schritt weiter: Am Mittwoch hatte sich ein 21-Jähriger in Begleitung seines Anwalts bei der Polizei gestellt und Angaben zur Tat gemacht.
Nach einer Vernehmung wurde der Mann zunächst festgenommen, seit Donnerstag sitzt er als Tatverdächtiger in U-Haft. Die Polizei bittet aber nach wie vor Zeugen, sich zu melden und mit Handys angefertigtes Foto- und Videomaterial von dem Abend an das Hinweisportal eingereicht werden sollen. Hinweise werden auch über Tel. (0451) 131 0 entgegengenommen.