Tech-Unternehmer übernimmt Sylter Traditionscafé: Streit, Tränen und ein Happy End
Vom eigenen Tech-Unternehmen zu Kaffee und Kuchen: „Der Wechsel war knallhart“, sagt Cedric Horstmann und lacht. Der 31-Jährige hat das Traditionscafé seiner Mutter auf Sylt übernommen – und dafür sein altes Leben in der Großstadt zurückgelassen. Die MOPO hat mit ihm gesprochen: Wie er auch junge Gäste in die „Kleine Teestube“ in Keitum lockt, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat und warum er zusätzlich eine Wohnung in Hamburg sucht.
E-Mails checken, Lieferanten anrufen, den Onlineshop bestücken – und auch mal selbst das Rührei brutzeln, wenn viel los ist: Um 7 Uhr morgens startet Cedric Horstmanns Arbeitstag. Der 31-Jährige hat vor einem Jahr das Café seiner Mutter auf Sylt übernommen.
„Kleine Teestube“: 31-Jähriger übernimmt Traditionscafé auf Sylt
Die „Kleine Teestube“ in Keitum wirkt wie die Kulisse eines kitschig-schönen Romans: Reetdach, Teddys in den Fenstern, Heckenrosen neben den Sitzbänken. Ein Idyll, an das sich der 31-Jährige erst mal wieder gewöhnen musste.
Die vergangenen zehn Jahre reiste er viel – Lissabon, Tel Aviv – und lebte in Hamburg und Berlin. Und hatte sich gerade erst ein Tech-Unternehmen aufgebaut, ein Start-up für digitale Nachlassverwaltung. Doch dann war seine Mutter bereit für den Ruhestand. „Ich hatte immer den Gedanken im Hinterkopf, vielleicht mal das Café zu übernehmen“, sagt Horstmann zur MOPO. „Es wäre so schade, es in den Händen von jemand anderem zu sehen. Hier bin ich ja als Kind aufgewachsen.“
Sein Unternehmen in Berlin hat er verkauft, „auch meine Beziehung ist meinem Teestuben-Traum zum Opfer gefallen. Unsere Pläne passten nicht zusammen“, sagt er. Und: „Der Start hier war herausfordernd. Es gab mit meiner Mutter anfangs Streit und Tränen. So eine Nachfolge innerhalb der Familie ist oft sehr emotional.“
Cedric Horstmann brachte auch Ideen aus der Großstadt mit ins Traditionscafé: Statt Griebenschmalzbrot stehen plötzlich Grilled-Cheese-Sandwiches auf der Karte. „Jetzt gibt es eben nicht nur klassisch Brötchen mit Käseteller und Aufschnitt, sondern auch Avocado-Lachs-Brote und Smoothie-Bowls. Das fanden auch viele meiner Mitarbeiter am Anfang überhaupt nicht gut.“
Doch der Erfolg spricht für sich: „Mittlerweile kommen auch viele junge Gäste zu uns“, sagt Cedric Horstmann. „Es ist ein richtiger Treffpunkt geworden. Jetzt begegnen sich hier mehrere Generationen.“ Auch durch Social Media werde die „Kleine Teestube“ immer bekannter.
Cedric Horstmann liebt die Nähe zum Meer, die Wellen, den Strand, das Familiäre auf Sylt. Nur: „Manchmal kann es hier auch etwas einsam sein.“ Seine Idee: Pendeln gegen den Inselkoller. In Zukunft möchte er auch in Hamburg eine Wohnung haben. Hier nimmt er auch schon alle zwei Wochen einen Podcast mit seinem ehemaligen Kollegen auf. „Viele meiner Freunde sind dort. Und Hamburg ist für mich die schönste Stadt in Deutschland. Elbe, Alster, der Baustil – Hamburg ist wunderschön und bietet viele Möglichkeiten. Und trotzdem hat man dort den nordischen Bezug.“
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Das Inselcafé möchte er also auch weiterhin betreiben: „Heute ist meine Mutter extrem stolz auf mich. Sie freut sich, dass es so gut läuft und wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben, mit der alle happy sind.“