„Spannende Perspektive“: Baumbesetzerin geht lieber ins Gefängnis als zu zahlen
Weil sie eine Geldstrafe nicht bezahlt hat, muss Klimaaktivistin Hanna Poddig nun für eine Woche ins Gefängnis. Der Hintergrund: ihre Beteiligung an der Besetzung des Flensburger Bahnhofswalds, die 2021 unter großem Polizeiaufgebot geräumt wurde. Poddig sieht die Haft als politisches Statement – und spricht von einer „spannenden Perspektive“.
Nach der Räumung des besetzten Bahnhofswalds in Flensburg im Februar 2021 kommt es nun doch noch zu einer Haftstrafe. Aktivistin Hanna Poddig kündigt an, Ende Juli eine Woche Haft in der JVA Bielefeld anzutreten, nachdem sie eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen nicht gezahlt hatte. Die Besetzung des Bahnhofswaldes halte sie nach wie vor für richtig, seitens des Gerichts wurde die Aktion allerdings als Hausfriedensbruch gewertet.
Eine nicht gezahlte Geldstrafe wird nach Angabe der Flensburger Staatsanwaltschaft mit dem Faktor 2:1 in Hafttage umgerechnet. Nach Informationen des SHZ ist es die erste Haftstrafe in dieser Sache. „Für mich persönlich fühlt es sich richtig an, auch diesen Schritt zu gehen“, erklärt Aktivistin Poddig. „Denn eine Strafe ist ja auch dann da, wenn heimlich, still und leise gezahlt wird, nur eben unsichtbarer.“
Besetzung mit Baumhäusern in Flensburg
Die drohende Rodung des kleinen Waldstücks wurde 2020 zum Politikum. In Bahnhofsnähe war ein neues Hotel mit Parkhaus geplant. Die Abholzung von Bäumen wurde allerdings von Umweltschützern scharf kritisiert, auch weil sich darunter alte Habitatbäume befanden und auf dem Gelände eine Quelle vermutet wurde. Um die Bäume zu schützen, besetzte eine Gruppe am Oktober 2020 den Wald mit selbstgebauten Baumhäusern. Im Februar 2021 wurden diese tumultartig und unter großem Polizeieinsatz geräumt, nachdem die Investoren mit Sägearbeiten begonnen hatten. Die Stadt begründete die Räumung allerdings mit der wegen Corona verhängten nächtlichen Ausgangssperre.
Auch die Aufarbeitung vor Gericht wurde von Konflikten begleitet und war auch unter Juristen umstritten. Nachdem einer der Besetzer zunächst wegen „rechtfertigenden Notstands“ aufgrund der Klimakrise freigesprochen wurde, kassierte das Oberlandesgericht den Freispruch wieder ein. Mehrere der Verfahren endeten mit einer Geldstrafe, auch das der beklagten Hanna Poddig. In dem Urteil wurde als strafmildernd gewertet, dass der Bebauungsplan für das Bahnhofshotel, das die Klimaaktivistin verhindern wollte, „voraussichtlich rechtswidrig“ sei.
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Mit der Entscheidung für eine Haft kündigt die Aktivistin an, „diese Strafe irgendwie sichtbarer zu machen. Also aufzuzeigen, wie absurd es ist, dass alle Verfahren gegen die Menschen, die den Baum mit einer Person drauf wissentlich angesägt haben, eingestellt wurden und der Staat tatsächlich so weit geht, mich für die Besetzung einzusperren.“
Zudem verspreche sie sich eine „spannende Perspektive“ aus der Woche in der JVA. „Ich habe bisher Erfahrungen in den JVA Frankfurt, Hildesheim und Vechta und bin tatsächlich auch interessiert daran, wie es in Bielefeld ist“, so Poddig.“ (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)