Schimmel, Schaben, Risse: Paar zahlt keine Miete mehr – Vermieter reagiert
In Kellinghusen hat ein Mieterpaar die Miete komplett gekürzt und Anzeige gegen den Vermieter erstattet. Eine Räumungsklage läuft. Der Vermieter spricht von Schutzbehauptungen und hat einen Gerichtsvollzieher beauftragt.
Zusammenfassung:
- Mieterpaar kürzt Miete und erstattet Anzeige gegen Vermieter aufgrund baulicher und hygienischer Mängel.
- Räumungsklage läuft, Mieter fühlen sich unter Druck gesetzt und suchen nach alternativer Unterbringung.
- Vermieter bestreitet gravierende Schäden, spricht von Schutzbehauptungen und beauftragt Gerichtsvollzieher aufgrund ausbleibender Mietzahlungen.
Dieser Konflikt scheint kein gutes Ende zu nehmen. „Wir suchen dringend eine neue Wohnung. Wo die liegt, ist uns eigentlich egal“, sagt Sabrina Pflüger. Sie sitzt verzweifelt mit ihrem Mann Stefan in einer Doppelhaushälfte im Süden von Kellinghusen und spricht von „massiven baulichen und hygienischen Mängeln“. Im Eingangsbereich deutet sie auf Schimmel an der Wand, erzählt von einem Schabenbefall. Ihr Mann zeigt tiefe Risse im Mauerwerk und offenliegende Elektrik im Wäscheraum. „Wir haben die Miete um 100 Prozent gekürzt“, erklärt Sabrina Pflüger. Ihr Vermieter Siegfried Grund-Cornils ist davon nicht begeistert und sieht die Sache ganz anders.
Räumungsklage im Mietstreit: Vorwürfe gegen Vermieter
Als das Paar im Mai 2024 einzog, seien die Schäden noch nicht so deutlich oder verdeckt gewesen, sagt Sabrina Pflüger, die nach eigenen Angaben aufgrund gesundheitlicher Probleme arbeitsunfähig ist. „Ich habe unter anderem Asthma. Das ist durch den Schimmel noch schlimmer geworden.“ Nun würden sie und ihr Mann zusätzlich „vom Vermieter unter Druck gesetzt“. Eine Räumungsklage laufe. „Bis dahin müssen wir jedoch weiterhin in der Wohnung ausharren. Eine alternative Unterbringung wurde uns von Seiten des Ordnungsamtes nur unter der Bedingung angeboten, dass wir unsere Hunde abgeben“, sagt die junge Frau. Doch das will das Paar nicht. Die Bulldoggen sollen bleiben.
Von der Bauaufsicht der Stadt fühlen sich beide ebenfalls unfair behandelt. Bei einem Ortstermin am 9. März habe der zuständige Bearbeiter „keine gravierenden Mängel“ festgestellt, beklagt Sabrina Pflüger: „Dabei sind hier neue Risse dazugekommen und der Schimmel ist mehr geworden. Außerdem waren hier Mäuse im Haus.“ Sie vermute, dass die Probleme in dem Gebäude bereits seit Jahren bestehen und möglicherweise auch frühere Mieter betroffen waren. Daher hat das Paar Anzeige gegen den Vermieter erstattet. Außerdem hätten sie sich einen Fachanwalt aus Itzehoe genommen, der nun gegen die Räumungsklage vorgehe.
Vermieter spricht von Schutzbehauptungen im Mietstreit
Vermieter Siegfried Grund-Cornils erzählt hingegen eine ganz andere Geschichte. „Ich weiß von keinen gravierenden Schäden“, sagt der Geschäftsführer einer Gebäudetrocknungsfirma und spricht von „Schutzbehauptungen“. Wenn ihm was zu Ohren gekommen sei, habe er schnell gehandelt. „Der Geschirrspüler war kaputt. Da war aber noch Garantie drauf. Also kam innerhalb von zwei Wochen ein neuer“, gibt er ein Beispiel.
Im September vergangenen Jahres habe Familie Pflüger die Mietzahlung ohne Vorankündigung einfach eingestellt. Ende Januar habe er daraufhin ein Versäumnisurteil bewirkt. In der Praxis des Mietrechts bedeutet das, die Mieter sind trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht zum Gerichtstermin erschienen und haben innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist keine Verteidigungsanzeige abgegeben.
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Zudem liege ihm eine schriftliche Bestätigung von Ende Februar vor, dass das Paar zum 8. März ausziehe und die Wohnung besenrein hinterlasse. Das sei nicht passiert. Nun habe er einen Gerichtsvollzieher beauftragt. „Der wird in Kürze mit einem neuen Schloss und einem Umzugswagen vor der Tür stehen“, sagt Grund-Cornils. 17.000 bis 18.000 Euro habe ihn das Procedere schon gekostet – für Anwalt, Gericht und Gerichtsvollzieher. Geld, das er abgeschrieben hat. „Da ist doch nichts zu holen. Aber irgendwann muss das ja ein Ende haben.“ (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)